ARTWEEKEND TIPPS – Woche 34 / 2017

ARBEITEN IN GESCHICHTE. ZEITGENÖSSISCHE CHINESISCHE FOTOGRAFIE UND DIE KULTURREVOLUTION
Museum für Fotografie, Berlin

Laufzeit: 18.08.17-07.01.18
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr-So 11 – 19 Uhr, Do 11 – 20 Uhr

Die Schau öffnet mit historischen Arbeiten und zeitgenössischen Positionen den Blick auf eines der faszinierendsten und zugleich kaum erforschten Kapitel der Fotografie-Geschichte: Die Folgen der Kulturrevolution für die aktuelle Kunst- und Fotografie-Szene Chinas. Wie kaum ein anderes Ereignis hat die Kulturrevolution (1966–1976) die bildenden Künste Chinas während der letzten 50 Jahre geprägt. Für das Erreichen der politischen Ziele der chinesischen Regierung spielten neben Plakaten und Wandzeitungen vor allem Film und Fotografie eine entscheidende Rolle – ihre Ästhetik bildet das Fundament für die Arbeiten heutiger Fotografen und Künstler, die Massengruppenporträts, private Fotografien oder Presseaufnahmen bedeutender Ereignisse jener Jahre auf vielfältigste Art transformieren und in gegenwärtige Bildsprachen übersetzen.

Cai Dongdong, Schießübung, 2016 Silbergelatineabzug, Spiegel, 100 x 100 x 100 cm © Cai Dongdong

Quelle: Text


LANDKARTEN – MICHAEL GOLZ, TORSTEN HOLZAPFEL
Galerie Art Cru, Berlin

Laufzeit: 25.08 – 30.09.17
Öffnungszeiten: Di-Sa 12-18 Uhr

Karten spielen eine entscheidende Rolle in den Werken der beiden Outsider Künstler Michael Golz und Torsten Holzapfel. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln, mit ungewöhnlichen Techniken und aus existenziellen Notwendigkeiten heraus, haben sich beide einen eigenen Werkkomplex geschaffen. Gemeinsam sind den Lebenswerken die beindruckende Dichte und Unendlichkeit, zugleich geprägt von hoher Präzision und Detailreichtum, sowie die Möglichkeit (für Künstler und Betrachter) in eine komplexe, faszinierende Welt einzutauchen. Die Ausstellung bringt ausgewählte Teile dieser ausufernden Werke beider Künstler zusammen und macht dabei exemplarisch erfahrbar, mit welchem besonderen Blick Outsider Künstler ihre Umwelt erleben und sich selbst neue Welten erschaffen. Ein Überlebensprozess der in einzigartigen Kunstwerken von unvergleichbarer Authentizität und mitreißender Ausdruckskraft resultiert, deren Sog man sich als Betrachter nur schwer entziehen kann.

Michael Golz, Reise ins Athosland, Collection de L’Art Brut Lausanne, Ausstellungsansicht, 2017

Quelle: Text 


COURS, COURS, SAMARADE, LE VIEUX MONDE EST DERRIÈRE TOI – THE CINEMA OF MED HONDO
SAVVY Contemporary, Berlin

Eröffnung: 26.08.17, 16 Uhr
Laufzeit: 26.08. – 03.09.17
Öffnungszeiten: Di-So 14-19 Uhr

„Lauf Genosse, die alte Welt ist hinter Dir her“ – so die deutsche Übersetzung des Programmtitels – ist einer der Slogans der französischen 1968er-Bewegung, der in SOLEIL Ô (1969) Eingang gefunden hat, dem wohl bekanntesten Film des in Mauretanien geborenen und seit nunmehr 50 Jahren in der Pariser Banlieue lebenden Filmemachers, Schauspielers und Synchronsprechers Med Hondo.

Med Hondo ist ein Selfmademan, der mit der Arbeit am Theater begann und sich die Mittel des Filmemachens kompromisslos selbst aneignete. Als Regisseur hat er Filme realisiert, die die politische Brisanz der Geschichte des afrikanischen Kontinents und seiner Diaspora zum Vorschein bringen und dafür aufgeladene Bilder gefunden, die Festschreibungen davoneilen. Gleichzeitig arbeitete er daran, das Kino als Repräsentationsapparat in Bewegung zu versetzen und Alternativen zu den europäischen und amerikanischen Produktions- und Verleihstrukturen zu entwickeln. Med Hondos Filme sind Fluchtwege aus der Ignoranz gegenüber den Alltagsrassismen, Zwängen und Vorurteilen; sie öffnen einen Raum für sich, für Wut, für große Bilder, für pluriversale Geschichtsschreibung, stilistische Autonomie, für Körperlichkeiten, Farben, Temperaturen.

© Still: MENU, Guy Woueté 2015

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TUNNEL BELOW / SKYJACKING ABOVE: DECONSTRUCTION THE BORDER
Neue Gesellschaft für bildende Kunst, Berlin

Eröffnung: 25.08.17, 20 Uhr
Laufzeit: 26.08 – 01.10.17
Öffnungszeiten: Di- Mi, Sa-So 10-18 Uhr, Do- Fr 10-20 Uhr

Diese Ausstellung befasst sich mit den unmittelbaren Auswirkungen von Grenzregimen. Es sollen jene Geschichten erzählt werden, die üblicherweise nicht öffentlich verhandelt werden. Der Blick auf verschiedene Brennpunkte – die zunehmende Abschottung Europas, die Grenze zwischen den USA und Mexiko und die militarisierten Ökosysteme des Jordan – zeigt, dass die Kontexte sich unterscheiden. Jedoch sind die Prinzipien des Ausschlusses und der Repression oft ähnlich. Können Grenzphänomene als Teil einer größeren, neoliberalen Agenda untersucht werden? Mediale Bilder tragen zur Umsetzung dieser Agenda bei und gewöhnen uns an eine zunehmend gewaltvolle Realität. Künstler_innen, die mit Grenz-Kontexten vertraut sind, sind eingeladen, für die nGbK neue Arbeiten zu entwickeln.

Margarita Certeza Garcia in collaboration with Miguel Buenrostro and Marcos Ramirez ERRE “Re/flecting the Border”, Tijuana 2017

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HKW ART WITHOUT DEAT: RUSSISCHE KOSMISMUS – ANTON VIDOKLE, BORIS GROYS, ARSENY ZHILYAEV
Haus der Kulturen der Welt, Berlin

Eröffnung: 01.09.17, 19 Uhr
Laufzeit: 01.09 – 03.10.17
Öffnungszeiten: Mi-Mo 11-19

Der Russische Kosmismus stand für die Forderungen nach physischer Unsterblichkeit der Lebenden, Wiedererweckung der Toten und Reisen ins All. Die Bewegung entwickelte sich aus der Spiritualität im Russland des 19. Jahrhunderts verbunden mit einer schier unerschöpflichen Begeisterung für Wissenschaft und Technik. Die Doktrin vom unsterblichen Dasein im unendlichen Raum vereinte in sich den Optimismus sowohl der Wissenschaft als auch der Künste der damaligen Zeit. Seither hatte das utopische, science-fiction-artige Denken der Kosmist_innen großen Einfluss auf Kunst, Wissenschaft und Politik – im vorrevolutionären Russland ebenso wie in der Sowjet-Ära.

Aus heutiger Sicht eröffnet der Russische Kosmismus, obwohl von der offiziellen Sowjet-Ideologie überschattet, neuartige Perspektiven auf die russische Avantgarde sowie Ideologie und Politik Russlands bis in die Gegenwart. So verlangte etwa Nikolaj Fedorov (1829–1903) in seinen einflussreichen Schriften, dass oberstes Ziel der Technologieentwicklung die Überwindung des Todes sein müsse; alle Menschen, die jemals auf der Erde gelebt haben, müssten wieder zum Leben erweckt werden. Die Kosmist_innen waren auch visionäre Wegbereiter_innen der Raumfahrt – bei Fedorov etwa war die Besiedlung anderer Planeten unausweichliche Folge der Raumknappheit nach der Wiedererweckung der Verstorbenen. Das Museum als Institution spielte ebenfalls eine bedeutende Rolle: Dort sollten die für die Resurrektion nötigen Überreste der Toten konserviert werden. Fedorov wie auch der Maler und Gründer des Suprematismus Kasimir Malewitsch glaubten außerdem, das Museum sei nach dem Tod Gottes der einzige Ort, an dem eine transhistorische Vereinigung über das Grab hinaus möglich sei.

Anton Vidokle, Filmstill aus ‘Immortality and Resurrection for All’, 2017

Quelle: Text

 

Wir wünschen ein schönes ARTWEEKEND!


 

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