ARTWEEKEND TIPS – Woche 04/2018

CLOSING: Elger Esser | Morgenland

Laufzeit: 25.11.2017–27.01.2018

Galerie Kewenig | Brüderstr. 10, 10178 Berlin

Kewenig freut sich, zum ersten Mal die Werkgruppe ‘Morgenland’ des deutschen Künstlers und BecherSchülers Elger Esser in Berlin zu zeigen. Es handelt sich um die dritte Ausstellung des Künstlers in der Galerie. Wasserlandschaften und Natur sind zentrale Themen in Elger Essers gesamtem fotografischen Werk. Inspiriert von der Malerei der Romantik und der Fotografie des frühen 19. Jahrhunderts wählt Elger Esser für seine großformatigen Landschaftsdarstellungen vorwiegend monochrome, gedämpfte Farbtöne. Durch den Einsatz traditioneller fotografischer und -mechanischer Verfahren erreicht er in seinen Bildern eine außergewöhnliche Schärfe, Leuchtkraft und Tiefe. Die Aufnahmen der Serie entstanden in den Jahren 2004 bis 2015, in denen Elger Esser unter Anderem Israel, Ägypten und den Libanon bereiste. Mit Palmen gesäumte Flussufer des Nils zwischen Luxor und Aswan sowie die libanesische Küstenlandschaft, traditionelle Feluccas und Dahabieh-Segelschiffe hat Esser mit einer 8×10 Kamera festgehalten.

Elger Esser ,Fata Morgana ,2011 Ägypten ,C-Print, Diasec Face, 184 x 240 x 5 cm, Ed. 2/7 + 1 AP

Die in Israel entstandenen Aufnahmen von kulturhistorisch bedeutsamen Orten wie Akko, dem See Genezareth oder Jisr az Zarka wurden ebenfalls analog fotografiert. Wie viele Kompositionen Essers sind auch sie von Wasser dominiert und ihre tiefliegenden, die Weite des Himmels betonenden Horizonte vermitteln Stille und Erhabenheit. Sie stehen im Kontrast zur Armut und den blutigen Auseinandersetzungen, welche Medienberichte aus diesen Regionen übermitteln. Die dreidimensionale Ergänzung dieser fotographischen Reise bildet die Werkgruppe ,One Sky’ aus dem Jahr 2015. Doppelseitig bedruckte versilberte Kupferplatten laden den Besucher ein, sich um das Werk herum zu bewegen. Mithilfe eines zweiten Fotografen entstanden hierfür simultan aufgenommene Panoramaansichten des Himmels über dem israelisch-libanesischen Grenzgebiet. Die Ansichten — je einmal aus libanesischer Perspektive und einmal auf der israelischen Seite entstanden — vermitteln den Wunsch nach Austausch zwischen den verfeindeten Staaten.

 


CLOSING: Oliver Laric | Panoramafreiheit

Laufzeit: 02.12.2017-28.01.2018

Schinkel Pavillon | Oberwallstraße 1, 10117 Berlin

Mit „Panoramafreiheit“ eröffnet der Schinkel Pavillon am 1. Dezember 2017 die erste institutionelle Einzelausstellung des in Österreich geborenen Künstlers Oliver Laric in Berlin. In seiner Arbeit verbindet und überträgt Laric Qualitäten aus dem digitalen Bereich wie einfache Reproduzierbarkeit, unendliche Wandelbarkeit und schnelle Verbreitung mit scheinbarer Leichtigkeit in den physischen Raum. Systematisch setzt er sich mit dem Begriff der Repräsentation und ihren vielfältigen Erscheinungen auseinander – als Wiederholung, Fälschung, Appropriation oder auch (Raub-)Kopie. Den Antagonismus zwischen analoger und digitaler Kunst löst er in seiner Praxis, indem er beide ganz selbstverständlich miteinander verbindet.

Installationsansicht, Oliver Laric, Panoramafreiheit, Schinkel Pavillon, Berlin, 2017,Photo: Andrea Rossetti, courtesy the artist and Tanya Leighton, Berlin

Ausgangspunkt seiner Ausstellung im Schinkel Pavillon ist die transparente Beethoven Skulptur nach dem Vorbild von Max Klinger’s Beethoven von 1902. Aus 17 Einzelteilen bestehend und 3D-gedruckt, ist sie das bislang komplexeste und grösste Objekt Larics. Aus technischer Sicht ist die Arbeit insofern besonders, als sie nicht auf einem 3D-Scan, sondern auf einem 3D-Modell beruht, das anhand fotografischer Abbildungen „manuell“ erstellt wurde. Dies bedeutet eine ganz neue Herangehensweise, wenn nicht sogar ein neues Kapitel in Larics Werk. Sein Bestreben, museale Kunstobjekte als 3D-Daten über geografische, soziale und kulturelle Grenzen hinweg zu verbreiten und einer zunehmend digitalen Gesellschaft zugänglich zu machen, stellt für viele Museen eine große Herausforderung dar, die durch Unklarheiten im Hinblick auf Urheber- und Nutzungsrechte kompliziert wird. So beschreibt der Titel „Panoramafreiheit“ das allgemeine Recht, alles im öffentlichen Raum Befindliche ohne Urheberrechtseinschränkungen zu fotografieren und zu veröffentlichen. Über die drei ausgeführten Skulpturen “Beethoven“, „Hermanubis“ und „Pan with Bears“ im Oktogon des Schinkel Pavillons hinaus sind die auf der Webseite threedscans.com zum rechtefreien und kostenlosen Download bereitgestellten Daten dieser, und vieler weiterer Skulpturen, ein fester Bestandteil der Ausstellung und thematisieren damit Fragen nach Autorschaft, Originalität und dem Verhältnis von Technologie und Kreativität. Damit berührt Oliver Laric einen Punkt hochaktueller Debatten, die noch lange nicht abgeschlossen sind.

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CLOSING: DEVELOPING ITALIAN EXPERIMENTAL PHOTOGRAPHY UP TO NOW

Laufzeit: 5. Dezember 2017 – 27. Januar 2018

SR Contemporary Art Berlin| Niebuhrstrasse 11A, 10629Berlin

SR Contemporary Art freut sich, die Eröffnung ihres neuen Berliner Standortes in Charlottenburg bekannt zu geben. Mit der Ausstellung Developing präsentiert die Galerie die Entstehungsgeschichte der italienischen experimentellen Fotografie von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart. Gezeigt werden Arbeiten von Künstlern der Galerie wie Franco Fontana, Luciano Romano, Alessandra Baldoni, Franco Grignani, Patrizia della Porta, Occhiomagico, Ivan Piano und Barbara La Ragione.

Luciano Romano, Scala#1937, 2015, Archival pigment ,print on Hahnemühle, photo rag cotton paper, 122×160 cm, ed. 2/6, © LUCIANO ROMANO, Courtesy of SR Contemporary Art (Berlin Milano)

Die Ursprünge moderner experimenteller Fotografie in Italien gehen bis in die 1960er Jahre zurück – in eine Epoche, die von einer Verschmelzung historischer Traditionen mit internationalen Einflüssen gekennzeichnet war und die in neuen Formen einer expressiven und Konzept basierten Bildsprache mündete. In den 1970er Jahren trieb das wachsende Interesse an einer theoretischen Auseinandersetzung mit der Bildproduktion diese Entwicklung weiter voran und beschleunigte so die Integration von Bildern als konstitutive Elemente in andere Medien, wie etwa in der visuellen Poesie oder der Installationskunst. Der rasante Aufstieg der Konsumkultur in den 1980er Jahren lenkte den Fokus in der italienischen Fotografie auf die Farbe und man bemerkt ein neu erwachtes Interesse an persönlichen und oft im mediterranen Stil geprägten Landschaften als Bildgegenstand. Während die 1990er Jahre Zeuge der Entstehung des semiotischen Bildwertes wurden, definiert sich die italienische Fotografie seit den 2000er Jahren und dem Beginn der digitalen Revolution zunehmend als Vertreter des Subjektivismus – und durch ein Auseinanderbrechen in Myriaden von Stilen und Interessen. Developing präsentiert diesen historischen Verlauf anhand der Werke von acht Künstlern, deren individuelle Bildsprachen von Breite, Vielfalt und experimentellem Charakter neuer und etablierter Herangehensweisen innerhalb der italienischen Fotografie zeugen.


OPENING: DRIVE DROVE DRIVEN | Autos in der zeitgenössischen Fotografie

Laufzeit: 28.01.2018 – 08.04.2018

Kommunale Galerie Berlin | Hohenzollerndamm 176, 10713 Berlin

Seit über 100 Jahren bestimmt das Auto das Alltagsleben vieler Menschen, und es gibt gleichzeitig wohl kaum einen Gegenstand, der so sehr polarisiert. Autos sind Fluch und Segen zugleich, Designwunder und Umweltkiller, Symbole für Flexibilität und Freiheit, Kultobjekte und geradezu erotische Statussymbole. All das wird von einer überaus innovativen Autoindustrie mit Werbebildern und -filmen befeuert sowie von einer einflussreichen Autolobby unterstützt. Vor diesem Hintergrund entwickeln Konstrukteure Automobile mit extremer Motorisierung und Beschleunigung und versprechen dabei zugleich eine airbaggeschützte und neuerdings auch selbststeuernde Wohlfühloase. Für manche Fahrer auf deutschen Autobahnen ohne Tempolimit erfüllt sich die Sehnsucht nach unendlicher Freiheit, und gleichzeitig kommt es dort immer wieder zu tödlichen Unfällen.

Schon die Futuristen hatten Anfang des 20. Jahrhunderts bekanntlich die Geschwindigkeit des Autos zum ästhetischen Prinzip und zur Konstante der Moderne erklärt – und empfanden einen „Rennwagen schöner als die Nike von Samothrake“. Später entwickelte sich das Auto schlechthin zur Metapher für kollektiven, kleinbürgerlichen Wohlstand, war Ausdruck eines besonders auffälligen Designs oder stand für Individualismus. Doch wenn in den heutigen Schwellenländern und zukünftigen Weltmächten Indien und China mit ihrer Milliarden-bevölkerung die Automobilisierung weiter so rasant verläuft, wird die Menschheit bald keine Luft zum Atmen mehr haben – trotz der Weiterentwicklung von Elektro- und Hybridantrieben. In der modernen und zeitgenössischen Kunst war und ist das Auto immer wieder zentraler Bildgegenstand, etwa bei Andy Warhol und Arman, bei Sylvie Fleury und Gabriel Orozco; auch in den Filmklassikern „French Connection“ und „Bullitt“ sowie in vielen James-Bond-Abenteuern spielen schnelle Wagen eine tragende (Neben-)Rolle. Auch zahlreiche internationale zeitgenössische Fotografen haben das Auto zum Thema gemacht und kongeniale Ikonen geschaffen, parallel zur werbenden, das Auto als Ware anpreisenden Abbildung.

Die Gruppenausstellung stellt 23 künstlerisch arbeitende Fotografen mit völlig unterschiedlichen Einzelwerken oder Bildserien exemplarisch vor: Wir werden konfrontiert mit Bildern von Unfällen und leeren Straßen, parkenden oder wild abgestellten, verfallenden Autos, mit Oldtimer-Rallys und gleich mehrfach mit dem sprichwörtlichen Unterwegssein im Auto – ein Beispiel dieser Auswahl: So futuristische Autos wie von Beni Bischof haben wir noch nie in unseren Straßen gesehen – manche scheinen zu schweben, andere besitzen zu viele Scheinwerfer oder gar keinen Fond für die Fahrer und Beifahrer. Bischofs digital veränderte Autos wirken wie am Fahrbahnrand abgestellte Mini-Ufos aus einem skurrilen Science-Fiction-Film.

DRIVE DROVE DRIVEN präsentiert unterschiedliche Automodelle und künstlerische Ansätze in über 60 Aufnahmen sowie ein vielschichtiges Gesellschaftsbild, in dem ein Abgesang auf unsere automobile Gegenwart genauso aufblitzt wie die noch immer weitverbreitete Faszination für den schlichten Gegenstand – zwischen Alltags- und Designobjekt. Konzeptuelle Interventionen stehen neben soziologischen Untersuchungen, Autos werden ästhetisiert, marginalisiert oder ausgewählte Details zum Close-up. Wir begegnen dem Auto hier wie in einem Roadmovie immer wieder als Hauptdarsteller und gleichzeitig markiert diese erste Berliner Ausstellung zeitgenössischer Fotografen zum Thema Auto einen Übergang in eine ungewisse mobile Zukunft.

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 Wir wünschen ein schönes ARTWEEKEND!

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