ARTWEEKEND TIPS – Woche 08/2018

OUT OF TOUCH / OUT OF TIME

ANETA KAJZER / MANUEL STEHLI

Laufzeit: 02.03.2018–25.03.2018

Künstlerhaus Bethanien| Kottbusser Straße 10 | 10999 Berlin

In der Doppelausstellung „Out of Touch / Out of Time“ der Winsor & Netwon-Stipendiaten Aneta Kajzer und Manuel Stehli treffen zwei malerische Positionen aufeinander, die in der Unterscheidung voneinander eine Verwandtschaft zueinander postulieren. Der Schrägstrich im Titel kann nach Roland Barthes als verbindendes wie auch als separierendes Element gelesen werden. Auf den ersten Blick trennt er zunächst Aneta Kajzers Ausstellung „Out of Touch“ von Manuel Stehlis Ausstellung „Out of Time“. Zugleich repräsentiert er die Summe von zwei Einzelausstellungen, die Gemeinsamkeiten wie auch Differenzen sichtbar macht und das Aufeinandertreffen zweier künstlerischer Positionen als solches verhandelt.

Manuel Stehli, “ohne Titel”, 200x250cm, Öl auf Leinwand, 2018 © Manuel Stehli

Die Malerei von Aneta Kajzer ist eine Entstehungsgeschichte von Abstraktion zu Figuration. Auf großformatigen Leinwänden experimentiert die Künstlerin mit kontrastreichen Farbsetzungen und entwickelt ihre Motive erst in einem intuitiven Prozess, indem Farbschichten für Farbschichten aufgetragen, miteinander vermischt und eventuell wieder herunter gekratzt werden. Das Ergebnis ist eine Bildwelt, die zwischen Humor und Ernsthaftigkeit changiert. Die überdimensionalen Figuren, die Aneta Kajzer malt, entziehen sich jeder Normativität. Sie haben deformierte Gliedmaßen und komisch anmutende Gesichter. Sie bewegen sich auf der Schwelle zwischen Hässlichkeit und Witz. In Manuel Stehlis Bildern dient die Fläche als Mittel zur Isolation. In seiner Malerei scheint es keine  Narration oder Zeitlichkeit zu geben, sondern in ihr dominiert der Raum. Mithilfe von gedämpften Farben und harten Kanten, gelingt es Stehli in seinen Arbeiten endzeitliche Landschaften wie auch Figuren in eine Atmosphäre der Ambivalenz zu tauchen. Die Posen, in denen die dargestellten Personen verharren, wirken zunächst stereotyp und selbstbewusst, doch mit einem zweiten Blick entpuppt sich dieser vermeintliche Exhibitionismus als ein Voyeurismus, dem die Figuren als Bildmotive ausgesetzt scheinen – immer im Wechselspiel von sich präsentieren und ausgestellt werden. Die Komposition wird zum soziologischen Experimentierfeld, indem die Beziehungen der Figuren zueinander durch subtile Veränderungen immer wieder neu verhandelt werden können.

Aneta Kajzer, I’ve got no brain baby, 2017, Öl und Acryl auf Leinwand, 160 x 145 cm © Aneta Kajzer

In „Out of Touch / Out of Time“ wird der Betrachter, auf der Suche nach einer eindeutigen Behauptung der Werke, mit seiner eigenen Erwartungshaltung konfrontiert. Schließlich ist es gerade die mehrdeutige Lesbarkeit der Bilder, die die beiden künstlerischen Positionen von Kajzer und Stehli trotz ihrer formalen Unterschiede eint.

Im Rahmen der Ausstellung findet am 15.03.2018 um 19 Uhr ein Panel mit dem Titel
„Who is afraid of Red, Yellow and Blue“ statt: unter anderem mit Carsten Fock (Künstler), Katharina Martinelli (Roeck Restaurierung) und Christoph Tannert (Künstlerische Leitung Künstlerhaus Bethanien).


TATEN DES LICHTS | MACK & GOETHE

VENISSAGE: 04.03.2018, 11 Uhr
Laufzeit: 04.03 – 27.05.2018

Goethe-Museum Düsseldorf | Jacobistraße 2 | 40211 Düsseldorf

„Des echten Künstlers Lehre schließt den Sinn auf, denn wo die Worte fehlen, spricht die That.“ (Goethe)

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Von März bis Mai 2018 zeigt das Goethe-Museum Düsseldorf eine repräsentative Sonderausstellung, die das Werk Heinz Macks mit Ideen und Gedanken von Johann Wolfgang von Goethe in Beziehung setzt. Die zentralen künstlerischen Themen des Malers und Bildhauers Heinz Mack sind Licht und Farbe sowie deren Wechselwirkungen. Auch Goethe hat sich vier Jahrzehnte lang immer wieder mit diesen Phänomenen befasst. Seine Schrift „Zur Farbenlehre“ ist nicht nur sein umfangreichstes Werk, vielmehr hielt er es auch für sein wichtigstes.

Heinz Mack, Ohne Titel, nach einer Vorlage von Goethe, 1991, Pastellpigmente auf Bütten,  76,5 x 111 cm

Was liegt da näher, als die beiden Künstler, deren Interesse an Licht und Farbe niemals erlosch, in einer Zusammenschau einander gegenüberzustellen und dabei genauer zu beleuchten, was die scheinbar gegensätzlichen Persönlichkeiten miteinander verbindet: den Klassiker und den Avantgardisten des ZERO-Aufbruchs, den malenden Dichter und den dichtenden Maler? Die gattungsübergreifende Ausstellung präsentiert zahlreiche selten oder noch nie gezeigte Werke Heinz Macks sowie vielfältige Exponate aus dem Bestand des Goethe-Museums, ferner rare Leihgaben aus Weimar, Dresden und Wien. Eigens zur Ausstellung hat Mack einen 9 Meter hohen Farbturm für den Museumsvorplatz konzipiert, der sich nicht nur durch seine Höhe, sondern auch durch seine leuchtende Farbigkeit und das dynamische Windspiel eindrucksvoll präsentiert.

Außer der Vorliebe für die Farben des Lichts und die Leuchtkraft der Farbe untersucht die Schau weitere Parallelen der beiden Künstlerpersönlichkeiten, etwa das gemeinsame Interesse an Formen und Strukturen der Natur oder die Inspiration, die beide in der Kunst des Orients fanden. Das, worauf die Ausstellung abzielt, hätte Goethe mit einem Begriff seiner optischen Experimente wohl „wiederholte Spiegelungen“ genannt. Und er hätte darauf hingewiesen, dass sie „das Vergangene nicht allein lebendig erhalten, sondern sogar zu einem höheren Leben empor steigern“, wie bei den von ihm selbst durchgeführten Versuchen, bei denen die Erscheinungen „von Spiegel zu Spiegel nicht etwa verbleichen, sondern sich erst recht entzünden“. Oder wie Mack es im Angesicht seiner spiegelnden Werke ausdrückte: „Dann entsteht eine sich ausstrahlende, vibrierende, pulsierende Lichterscheinung auf den Skulpturen, welche unser Auge ohne Schmerzen ertragen kann… Da ist die Natur – die visuelle Energie – einfach stärker als die Technik.“

(Dr. Barbara Steingießer)


»The ones and the others« | 14 fotografische Positionen

VENISSAGE:  01.03.2018, 19h
Podiumsdiskussion: 03.03.2018, 18:30h
Laufzeit: 01. 03.2018 – 11.03.2018

Kunstquartier Bethanien | Mariannenplatz 2 | 10997 Berlin

Die Ausstellung »The ones and the others« zeigt 14 herausragende Positionen nationaler und internationaler Fotografinnen und Fotografen, die in der Meisterklasse der Ostkreuzschule unter Leitung von Ute Mahler und Ingo Taubhorn über zwei Jahre entstanden sind. Die Auseinandersetzung mit gesellschafts-politischen Themen eint die Arbeiten genauso wie die Tatsache, dass sich die Fotografie von der reinen Albbildhaftigkeit der Realität entfernt hat: das bewegte Bild, Foundfootage, Installation, Malerei, Performance oder Skulptur gehören heute genauso zur Fotografie wie die Reflexion über das Medium selbst.

© Maren Katerbau

Podiumsdiskussion
»Fotografie im Transformationsprozess?«

MODERATION: Julia Bunnemann
GÄSTE:
Andrea Gruetzner, Fotografin
Tobias Laukemper, Freier Bildredakteur / FOTOTREFF Berlin
Ingo Taubhorn, Kurator Haus der Photographie – Deichtorhallen
Cora Waschke, Kunsthistorikerin

Wurde in den letzten Jahren für eine künstlerische Anerkennung der Fotografie gefochten, sieht sich diese bereits wieder neuen Herausforderungen ausgesetzt. Als Walter Benjamin in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die aufkommende technische Reproduzierbarkeit des Kunstwerkes kritisierte, befand sich die Fotografie noch im analogen Zeitalter. Nach weniger als einem Jahrhundert ist diese ‚unendliche Reproduktion‘ in der Digitalwelt arriviert und das Medium Fotografie in seiner Allgegenwart kaum zu übertreffen. „…Keine neuen Fotos bis die alten aufgebraucht sind“: Dieser bereits im Jahr 1987 getätigte Ausspruch von Joachim Schmid wurde im analogen Zeitalter getätigt, als man mit einer vergleichsweise überschaubaren Bildmasse konfrontiert war. Im digitalen Zeitalter, wo Algorithmen den Takt vorgeben, scheint dieses Paradigma eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Diese Veränderung stellt die fotografische Position in ein neues Licht und die Anforderungen an die Fotografie sind ebenfalls einem Transformationsprozess unterzogen. Die dritte Meisterklasse der Ostkreuzschule für Fotografie greift in verschiedenen Positionen auf das Medium Fotografie zurück – was innerhalb der heutigen Fotografie-Welt immer mehr zu Tage tritt und keine Seltenheit mehr darstellt – aber den gegenwärtigen Umgang mit der Fotografie exemplarisch widerspiegelt. Folglich entstehen Arbeiten, in welchen das fotografische Bild nicht immer zentral stehen muss. Daneben bestehen jedoch auch weiterhin Positionen, die mit dem Medium im klassischen Sinn arbeiten und in technischer Perfektion ein ‚gutes‘ Foto oder eine Fotoserie liefern. Das Spektrum innerhalb der fotografischen Positionen scheint größer denn je, aber zugleich bleibt die Frage nach einer Definition der Fotografie offen. Wo steht sie, wenn die Grenzen der fotografischen Gestaltungsmöglichkeiten sich auflösen? Was definiert die Fotografie, wenn kaum etwas übrig bleibt von dem Prozess, der einst das „bildgebende Verfahren“ prägte? In welche Richtungen ist Offenheit gefragt? Bis zu welchem Punkt kann man ein Bild als Fotografie bezeichnen? Diese Fragestellungen sind Anlass, um mit unseren Gästen den gegenwärtigen Transformationsprozess zu diskutieren und die Definition der Fotografie zur Disposition zu stellen. Zusammen wollen wir Sichtweisen aus verschiedenen Richtungen zusammentragen und einen Ausblick für den Umgang mit einer kommenden Generation der Fotografie wagen.

Textquelle  | Bildquelle 


RECHTS 

Laufzeit: 27.01.2018 – 04.04.2018

Haus am Lützowplatz | Lützowplatz 9 | 10785 Berlin

Die Ausstellung „Rechts“ versammelt künstlerische Positionen, die sich auf unterschiedlicher Weise kritisch mit dem derzeit fast schon weltweit aktuellen Problem des Rechtspopulismus auseinandersetzen. Signifikant sind dabei die unterschiedlichen Grade an Komplexität, die diese künstlerischen Auseinandersetzungen – das Spektrum reicht von Malerei und Skulptur über Collage bis hin zu Konzeptkunst – hier formatieren. Ein einfacher Satz, eine bunte Bildergeschichte oder simple monochrome Farbflächen z. B. stehen da ein für die Möglichkeit, kritische Kunst fast schon plakativ zu strukturieren. Die Strategien der historischen Recherche, des semantisch aufgeladenen Modellbaus und der vielschichtigen Collage bringen dagegen die Optionen von scheinbar elaborierteren Formulierungen ins Spiel. Das so inszenierte Nebeneinander von den erst einmal entgegengesetzten Ästhetiken des, wenn man so will, Einfachen und Komplexen zeigt nicht nur, dass „mehrere Wege nach Rom“, also hin zu einer intelligenten Kritik am Rechtspopulismus, „führen“, sondern fragt vor allem auch, in wie weit die Kunst gelungene Beiträge zu einem intelligenten linken Populismus leisten kann, zu einem Populismus also, der eine adäquate Antwort auf den grassierenden Rechtspopulismus sein könnte.

(Text: Raimar Stange)

Textquelle 


 Wir wünschen ein schönes ARTWEEKEND!

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