ARTWEEKEND TIPS – Woche 08/2018

Judith Hopf | Stepping Stairs

Laufzeit: 10.02.2018–15.04.2018

KW Institute for Contemporary Art | Auguststraße 69 | 10117 Berlin

Seit den 1990er Jahren hat sich Judith Hopf (*1969 in Karlsruhe, DE) eine unabhängige künstlerische Sprache erarbeitet, die sich in Form von Skulptur, Film, Zeichnung, aber auch Bühnenbild und Performance über die Jahre hinweg beständig aufs Neue behauptet hat. Ihre Arbeiten sind tief verwurzelt in dem Gebrauch alltäglicher Materialien wie Ziegel, Beton, Glas, Verpackungsmaterialien und einfach nachvollziehbaren Produktionsprozessen. Sie sprechen von den Dingen, die uns in unserem Alltag prägen und formen, reagieren dabei auf das, was man eine Conditio humana der Gegenwart nennen könnte. Ihre Arbeiten nehmen Bezug auf die Auswirkungen, die der Fortschritt in Technologie und Wirtschaft auf unsere körperliche und mentale Verfassung hat. Für ihre Ausstellung in den KW Institute for Contemporary Art setzt Hopf ihre Beschäftigung mit dem Material des Ziegelsteins fort. Die gemauerten Ziegelarbeiten nehmen eine prägnante Zwischenstellung ein, die von Skulptur bis (Ausstellungs-) Architektur fluktuiert und den Ausstellungsraum gliedern und ergänzen. In den KW werden sie mit älteren Arbeitszyklen kontrastiert, u.a. mit einer überarbeiteten Version von Hopfs Laptop-Skulpturen. Die Künstlerin verweist damit auf humorvolle Weise auf unseren Umgang mit Computern und die Tendenz, diese zunehmend als Teil unseres Körpers wahrzunehmen, während wir gleichzeitig als Spezies immer mehr auf Implantate und Prothesen angewiesen sind.

Judith Hopf, Stepping Stairs, 2018, Courtesy Judith Hopf

 

Neben den skulpturalen Arbeiten umfasst die Ausstellung in den KW einen neuen Film sowie eine ambitionierte Auftragsarbeit für die Fassade im Innenhof der KW. Bei diesen Arbeiten treten zwei historische KünstlerInnen als direkte Inspirationsgeber hervor: Zum einen der amerikanische Architekt und Architekturtheoretiker John Hejduk (1929–2000) und zum anderen die deutsche Künstlerin Annette Wehrmann (1961–2010).

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HIGH FEVER | Domino Pyttel

PERFORMANCE: 22.02.2018, 19 Uhr
INSTALLATION: 23.02 – 24.02.2018

Nir Altman Galerie | Ringseisstrasse 4 Rgb | 80337 Munich

Die Performance-Künstlerin Domino Pyttel ist für ihre ergreifenden Inszenierungen bekannt, die den gesamten Raum durch Licht, Sound, und Objekt in Anspruch nehmen. Stimmungsgeladene
Szenarien, animalische Kostüme und Choreografien auf einem artistischen hohen Niveau machen ihre Performance-Installationen unverwechselbar. Laut dem Aesthetica Art Magazine gelingt es der deutschen Künstlerin auf hingebungsvolle Art und Weise mit allen Sinnen zu arbeiten. Es titelt ihre sogenannten Performance-Installationen als mitreißend und kraftvoll.

© Domino Pyttel

Die Performance HIGH FEVER (dt. hohes Fieber) wird im Februar 2018 erstmals in der Nir Altman Galerie aufgeführt. „Hohes Fieber“ ist für Domino Pyttel eine Metapher für einen geistigen Zustand, dem das Höchstmaß an Willenskraft inne liegt. Ein Zustand indem man von zwanghaft starkem Ehrgeiz blind vorangetrieben wird.

 

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DU BIST FAUST | GOETHES DRAMA IN DER KUNST

OPENING: 23.02.2018
Laufzeit: 24. 02.2018 – 29.07.2018

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung | Theatinerstraße 8 (in den Fünf Höfen) | 80333 München

Das weltweit bekannteste Werk der deutschen Literatur hat seit seiner Veröffentlichung im frühen 19. Jahrhundert unzählige Künstler fasziniert und zu eigenen Schöpfungen herausgefordert. Die Ausstellung präsentiert mehr als 150 Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Fotografien, Vertonungen und Filme von Künstlern aus Europa und den USA wie Eugène Delacroix (1798–1863), Charles Gounod (1818–1893), Max Beckmann (1884–1950), Martin Scorsese (*1942), Anselm Kiefer (*1945) und Robert Mapplethorpe (1946–1989). Die innovativ inszenierte Schau nimmt die Besucher mit auf eine Reise durch das Drama und macht sie zu Weggefährten Fausts auf seiner rastlosen Suche nach Sinn und Ziel des modernen Lebens.

 

Robert Mapplethorpe
Selbstporträt, 1985
40,6 x 50,8 cm, Silbergelatineabzug
© Robert Mapplethorpe Foundation

FASZINATION FAUST

Fausts Pakt mit dem Teufel, die Verführung Margaretes, der verhängnisvolle Treuebruch und die Selbstbetäubung im hemmungslosen Treiben der Walpurgisnacht, Margaretes soziale Ächtung, ihr verzweifelter Kindsmord und das tragische Ende im Wahnsinn – all diese Szenen haben die europäische Kunst geprägt und im Laufe der Jahrhunderte zu sehr unterschiedlichen Formen der Auseinandersetzung inspiriert. Vor allem die drei Hauptfiguren haben es zu größter Popularität gebracht: der schillernde Charakter Mephistos, zugleich diabolischer Verführer und geistreicher Schalk, der Gelehrte Faust, der sich – desillusioniert von seiner vergeblichen Suche nach höchster Erkenntnis – in eine Welt des Rausches entführen lässt, und Margarete, die unschuldig-fromme Bürgerstochter, die von Faust ins Verderben gerissen wird.

FAUST – DAS SIND WIR ALLE

Der Ausstellungsparcours führt entlang herausragender Kunstwerke durch die Handlung des Dramas. Dabei halten Goethes Figuren den Besuchern einen Spiegel vor, denn Themen wie Jugendwahn, Egoismus, Manipulation, Verführbarkeit und ein unersättlicher Erlebnisdrang bestimmen auch unser gegenwärtiges Leben. Die Ausstellung konfrontiert das Publikum mit den noch immer drängenden Fragen des Dramas – ›Faust‹ ist bis heute von größter Aktualität.

Zeitgleich zur Ausstellung findet das Faust-Festival München 2018 statt – initiiert von der
Kunsthalle München und vom Gasteig München.

 

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JORDAN WOLFSON 

Laufzeit: 09.02.2018 – 01.04.2018

Schinkel Pavillon | Oberwallstraße 1 |10117 Berlin

Der Schinkel Pavillon freut sich am 9. Februar die erste institutionelle Einzelausstellung von Jordan Wolfson in Berlin zu eröffnen. Seine Arbeiten reichen über Video, Film, Installationen, Performance, Print und Fotografie. Er bedient sich der Animation, digitalen Reproduktion und elektronisch gesteuerter Skulpturen, um zentrale Ideen rund um greifbare und virtuelle Realitäten darzustellen. Dabei ist es die Projektion innerer Impulse wie Verlangen, Gewalt, Schuld und Optimismus innerhalb von konstruierten Szenarien und Alter-Egos, die ihn besonders interessiert.

Jordan Wolfson, Riverboat Song, 2017, edition of 5 (+ 2AP), video installation, 7:27 min, copyright the artist; courtesy Sadie Coles HQ, London, photo: Andrea Rossetti

Riverboat Song ist ein surrealer, narzisstischer Albtraum, der aus den Banalitäten und Schrecken der Gegenwart und ihrer virtuellen Extension entsteht. Wolfson verbindet Animation und gefundene Clips, Popsoundtracks und Überlagerungen von Stimmen zu einem Video, in dessen Mitte ein wiederkehrender Charakter steht: eine Comicfigur, die Züge von Huckleberry Finn, Howdy Doody oder Alfred E. Neuman einnimmt, und als unheimliche Gliederpuppe in Coloured Sculpture und Black Sculpture wiederauftaucht. Die auf einer Video-Wand aus 16 Bildschirmen gezeigte Arbeit verbindet gängige Elemente aus dem Internet wie Avatare, Memes, Clips und Mash-ups zu einem dunklen manipulativen Psychodrama, in dem sämtliche Grenzen zwischen Fröhlichkeit und Perversion aufgehoben sind.

Die in Riverboat Song als kurzer YouTube-Clip eingespielte Sequenz eines Mannes, der immer wieder auf einen anderen (schwarzen Mann) einschlägt, bildet den Ausgangspunkt für Wolfsons kontrovers diskutiertes Werk Real Violence. Ausgestellt in der Schinkel Klause wird es zum ersten Mal innerhalb Deutschlands präsentiert. In der als virtuelle Realität konzipierten Arbeit wird die mit einem iPhone aufgenommene manische Brutalität der Wirklichkeit zu einer erhöhten, desorientierenden und kontextlosen Erfahrung. Wolfson beutet die Verzerrungen von Cartoon Charakteren aus, um die Realität menschlicher Taten und Verhaltensweisen darzustellen, ohne sie zu moralisieren oder zu attackieren.

Die Aussagekraft von Wolfsons Arbeiten besteht zu gleichen Teilen aus den viszeralen Auswirkungen der komplexen, animierten Repräsentationen – die nahtlos vom Banalen ins Aggressive übergehen und von lebhaften Abbildungen zu erschreckender Realität werden – und seiner beunruhigenden Ablehnung zu Urteilen.

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 Wir wünschen ein schönes ARTWEEKEND!

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