ARTWEEKEND TIPS – Woche 10/2018

UNFOLLOW ME

LENZ GEERK, SAMANTHA GREER, HUBERTUS HAMM,
MARIA JUSTUS, LITTLEWHITEHEAD, BORIS MAXIMOWITZ

VERNISSAGE: 09.03.2018, 19 Uhr
Laufzeit: 10.03.2018 – 15.04.2018

Nir Altman Galerie| Ringseisstrasse 4 Rgb | 80337 München

Die thematisch konzipierte Gruppenausstellung *unfollow me* hinterfragt den Stellenwert der Intimsphäre im Kontext multidimensionaler Räume, die das heutige Alltagsleben bestimmen. Der virtuelle Raum gilt längst nicht mehr als separate Einheit, sondern als ein fest integrierter Bestandteil unserer komplexen Zeitstruktur. Es kommt daher wenig überraschend, dass im Umfeld ausschlaggebender technologischer Umwälzungen, auch die psychologische Grundstruktur des Menschen Veränderungen durchläuft. Eine der prägnantesten Veränderungen ist die angestiegene Bereitschaft zur Selbstdarstellung. Ob man nun aktiv in der Kultur des Sharings mitmischt oder sich als passiver Beobachter zurückhält, es bleibt unbestreitbar, dass das ständige Beobachten, besser bekannt als „Following“, zur sozial akzeptierten Norm avanciert ist.

Littlewhitehead, article-2207483-1522AAA4000005DC-785_964x548, 2017, dye sublimation on aluminium, 10x15cm

Die Ausstellung bringt sechs Künstlerpositionen zusammen, die dazu einladen die Grenze zwischen Persönlichem und Öffentlichem bewusst auszuloten. Die teilnehmenden Künstler vereint insbesondere das Interesse am konstruierten Raum und wie dieser im Verhältnis zur Selbstwahrnehmung steht. Ihre individuellen Herangehensweisen bringen dabei eine Vielzahl an Narrativen hervor, die dafür plädieren, dass Räume weit über physisch messbare Flächen hinausgehen. Konkret gesagt, der persönliche Raum ist ein genauso konstruiertes Erzeugnis, wie geografisch festgelegte Territorien. Im Kontext dieser Erkenntnis entfaltet sich die Bedeutung der gezeigten Arbeiten in verschiedene Richtungen: manche Ansätze spiegeln den Versuch Intimsphäre gewollt zu konstruieren (Maria Justus and Littlewhitehead), während andere daran anknüpfen, einen Moment fragiler Geborgenheit einzufangen (Hubertus Hamm & Lenz Geerk). Selbst der körperliche Eingriff, der in Boris Maximowitz großräumiger Installation entsteht, greift auf das mentale Konstrukt eigener Sicherheitszonen zurück. Schließlich zeigen auch die Arbeiten von Samantha Greer, dass Komfortzonen paradoxerweise auch im transparenten Raum sozialer Netzwerke existieren. Was bleibt nun in Anbetracht all dieser fiktionalen Räume, die unsere gelebte Realität bestimmen? Wahrscheinlich die Frage, welche Grenzen es zu schaffen gilt, um darin Halt zu finden.

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AZIN FEIZABADI | ONCE UPON A TIME, ONCE UPON NO TIME

Laufzeit: 17.02.2018 – 24.03.2018

Galerie Wedding | Müllerstraße 146/147 | 13353 Berlin

Das UP (Unsustainable Privileges) Ausstellugsprogramm setzt sich in 2018 mit einer Einzelausstellung des Filmemachers und Künstlers Azin Feizabadi fort. Seine Arbeiten stammen aus einem Langzeitprojekt mit dem Titel A COLLECTIVE MEMORY, das seit 2009 einen Recherche- und Produktionsrahmen stellt, innerhalb dessen er sich mit alternativen Formen der Geschichtsschreibung auseinandersetzt. Mit filmischen und installativen Mitteln greift Feizabadi diesen Diskurs in der Galerie Wedding auf und stellt ihn in Bezug zu Fragen der Konstruktion von Zeit und Identität; Fragen die auch in seinem neuen Erzählfilm »Uchronia« thematisiert werden. Es ist der Versuch, das Verständnis von kultureller und nationaler Identität aus seiner ausschließlich historischen Begründung zu hinterfragen. Wie sehen alternative Formen von Geschichtsschreibung aus, die sich außerhalb institutioneller und ideologischer Vorgaben bewegen?

© Trevor Lloyd

Feizabadi geht es darum Wege zu finden, Geschichten abzukapseln und sie durch den Gebrauch poetischer und experimenteller Ausdrucksformen darzustellen, während er auf wissenschaftliche und ideologische Mittel verzichtet. Wie viele Künstler*innen, Dichter*innen und Denker*innen vor ihm spekuliert Feizabadi über das mögliche Ende von Layla und Majnuns Liebesaffäre, im Sinne einer Fortsetzung der klassischen, orientalischen Geschichte arabischen Ursprungs. Darüber hinaus ist die deutsche Schauspielering Brigitte Mira in dem neu produzierten Werk Feizabadis in der Galerie Wedding auf multiple Weise präsent.

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WHY ARE YOU CREATIVE?

Laufzeit: 02.02.-08.04.2018

Museum für Kommunikation Berlin | Leipziger Straße 16 | 10117 Berlin

David Lynch und Vivien Westwood, Stephen Hawking und David Bowie, Yoko Ono und Ai Weiwei, Björk und Frank Gehry – auf unterschiedliche Weise sind sie kreativ und mit ihren Filmen, ihrer Mode, ihrer Forschung, ihrer Musik, ihrer Kunst und ihrer Architektur erfolgreich. Was bewegt sie, ihre schöpferischen Talente in Werke umzusetzen?
WHY ARE YOU CREATIVE? Seit rund drei Jahrzehnten richtet Hermann Vaske, selbst Künstler, Autor, Produzent und ehemaliger Werber, diese Frage an Prominente aus den unterschiedlichsten Bereichen. Mehr als 1.000 Kreative haben ihm bislang geantwortet – manche in handgeschriebenen Wörtern oder Sätzen, viele mit eigenen Zeichnungen oder Artefakten.

Antwort Yoko Ono, 1994 © Hermann Vaske

Zum 30-jährigen Jubiläum des WHY ARE YOU CREATIVE-Projekts versammelt das Museum für Kommunikation Berlin die unterschiedlichen Gesichter kreativen Schaffens nun in einer Ausstellung. Rund 300 Original-Zeichnungen und Werke sowie zahlreiche Interviews eröffnen einen faszinierenden Blickwinkel auf die Frage nach der Kreativität eines jeden Einzelnen.

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LAST DANCE | AUTOCENTER ZU GAST IM KINDL

Taslima Ahmed, Tamina Amadyar, Alisa Berger, Niklas Binzberger, Franz Burkardt, Hadassa Emmerich, Antje Engelmann, Isabelle Fein, Flame, Ossian Fraser, Isabella Fürnkäs, Paris Giachoustidis, Manor Grunewald, Tilman Hornig, Sofia Hulten, David Jablonowski, Maria Kremeti, Felix Kultau, Paul Laffoley, Simon Laureyns, Jeewi Lee, Robert Lucander, Florian Meisenberg, Mohamed Namou, Marie Reinert, Marie Rief, Maik Schierloh, Frederic Spreckelmeyer, Stephanie Stein, Hiroki Tsukuda, Sandra Vaka, Eva Vuillemin, Shira Wachsmann, Michael White

VERNISSAGE: 09.03.2018, 18 Uhr
Laufzeit: 10.03.2018-11.03.2018

KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst | MASCHINENHAUS M0Am Sudhaus 3, 12053 Berlin

Als die Künstler Joep van Liefland und Maik Schierloh im Juni 2001 Autocenter eröffneten, riefen sie damit einen der aufregendsten Künstlerräume Berlins ins Leben. Die beiden zeigten neben einem Club in der Simplonstraße Ausstellungen, die jeweils nur ein Wochenende dauerten. Hinter dieser konzeptionellen Entscheidung standen ganz einfache Gründe: Kein Budget bedeutete keine Aufsichten, kein Geld für Auftragsarbeiten, keine Assistenzen und keine PR-Beauftragten. 2007 erfolgte der Umzug in die erste Etage eines Lebensmitteldiscounters in Friedrichshain, 2013 schließlich in die Leipziger Straße. Autocenter wurde 2015 ohne Aufhebens geschlossen. Während vierzehn Jahren hat Autocenter nahezu ohne institutionelle Unterstützung nicht weniger als 200 Ausstellungen mit 800 Künstler_innen, eine Sommerakademie, eine Reihe von Vorträgen und Performances, ein Oktoberfest, einige Konzerte, zwei Auktionen, ein gewichtiges Hardcover-Buch (350 Seiten über die Geschichte des Raumes) und eine ikonische Tragetasche hervorgebracht.

Michael White, Paranoid Memory Tunnel, 2017, Digitaldruck, Animationsphase auf Folie, Acryl, 60 x 60 cm, Foto: Michael White

Exakt den Regeln folgend, die für das Konzept von Autocenter zu Beginn aufgestellt wurden, findet die finale Ausstellung im KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst an nur einem einzigen Wochenende statt – beginnend mit der Eröffnung am Freitagabend. Die beiden Organisatoren hätten sich dazu entscheiden können, die Geschichte ihres Raumes als eine Art Best of-Compilation zu inszenieren, wie sie von Madonna oder U2 vor Weihnachten veröffentlicht wird. Doch getreu ihrer ursprünglichen Philosophie beschlossen van Liefland und Schierloh, stattdessen rund dreißig Künstler_innen auszustellen, die noch nie im Autocenter gezeigt wurden. Weil sich die Berliner Kunstszene gewandelt hat, weil jüngere Künstlerinnen und Künstler um billige Ateliers und Ausstellungsräume kämpfen, weil Berlins wahrer Schatz die kreativen Köpfe sind, die in der Stadt leben und hier ihre Kunst produzieren.

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MONICA BONVICINI | GUILT

Laufzeit: 02.03.2018–15.04.2018

König Galerie | St. Agnes, Chapel | Alexandrinenstr. 118–121 | 10969 Berlin

Die KÖNIG GALERIE freut sich GUILT präsentieren zu können— die zweite Ausstellung mit Monica Bonvicini in der Kapelle im Erdgeschoss. Die Ausstellung ist als Konstellation von Arbeiten konzipiert, die über den Rahmen einer konvenentionellen Galerieausstellung hinausgehen. Mit GUILT kehrt Bonvicini zu ihren sprachbasierten Arbeiten zurück; diese sind ein Strang ihrer künstlerischen Praxis, der weltweit bereits in Ausstellungen und öffentlichen Kunstkommissionen gezeigt wurde. Bonvicinis Arbeiten beziehen sich oftmals auf die materiellen Wirklichkeiten von Popkultur, Architektur, Modernismus, und Kunstgeschichte. Sie bemüht sich kritische Gesten auszuführen, sie will untersuchen, bewerten, diskutieren, offenlegen, verspotten und auf verletzliche und fehlerhafte Teile unserer Gesellschaft hinweisen. Ihre Kunstpraxis ist eine widerspenstige Antwort auf Diskriminierung, Bigotterie und Frauenfeindlichkeit, die sie in alltäglichen Situationen und Ereignissen, die uns umgeben, wahrnimmt. Die Arbeit in der KÖNIG GALERIE stützt sich auf weit verbreitete und akzeptierte Bilder von Männlichkeit und Klasse — auf soziale Faktoren, die bei Machtmissbrauch eine Schlüsselrolle spielen.

Monica Bonvicini, GUILT, 2018, Installationsansicht © Monica Bonvicini & König Galerie, Foto: Roman März

Im quadratischen Raum der Galeriekapelle liegt ein massiges typografisches Werk mit dem Titel 62 Tons of Guilt auf dem Boden. Besucher fragen sich, ob die Skulptur von der Decke in die Kapelle gefallen ist und in angehaltenem Bewegungsrahmen im permanenten Status quo gefangen ist. Ihre Oberfläche ist glänzend und vergoldet. Die reliefartige skulpturale Komposition besteht aus fünf verschiedenen Buchstaben unterschiedlicher Höhe. Ihr Kerning ist besonders eng, was das Wort kaum lesbar macht. Industrielle Stahlketten hängen von der Decke und halten das Element. Das Werk ähnelt einem vergrößerten Anhänger, einem eher protzigen Modeaccessoire, welches den Reichtum, den sozialen Status und die kulturelle Identität seines Besitzers verkünden kann. Weitere Gegenstände in der Ausstellung – eine Baseballkappe und eine Halskette – zeichnen sich durch Schriftarten aus, die an Schultrikots oder Corporate Branding erinnern. Typisch für Bonvicinis künstlerische Praxis ist, dass die Arbeiten Witz und Ironie veranschaulichen. Das aus fünf Buchstaben bestehende goldene Wort “GUILT” wird zum Leitmotiv der Ausstellung. “Schuld” ist ein allgegenwärtiges Konzept, das wir in der frühen Kindheit erlernen, aber es ist auch ein abstrakter Begriff, der ständig überarbeitet und neu definiert wird. Schuld ist zudem auch Schlüsselidee unserer juristischen und religiösen Systeme. Sie kann individuell oder kollektiv sein, sie kann sich ansammeln, genau wie Kapital, und oft gehen die beiden sogar Hand in Hand. Aber, wenn man so fragen möchte, wie schwer ist Schuld?

Eine Variante von GUILT wurde schon bei der 15. Istanbul Biennale präsentiert und wird in der Gruppenausstellung „Faith Love Hope“ im Kunsthaus Graz ausgestellt, die im April 2018 eröffnet.

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 Wir wünschen ein schönes ARTWEEKEND!

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