ARTWEEKEND TIPS – Woche 12/2018

Female Female
23. März, 2018 – 22. April, 2018
Galerie für moderne Fotografie

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Defying Gravity
25. März, 2018 – 15. Juni, 2018
KINDL- Zentrum für zeitgenössische Kunst

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»Muster Raum« Façade – Face – Fake – Fakt
24. März, 2018 – 25. März, 2018
Schinkelsche Bauakademie

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Irving Penn Centennial—Der Jahrundertfotograf
OPENING: 23. März, 2018, 19 Uhr
C/O Berlin Foundation


Female Female

Laufzeit: 23.03.2018 – 22.04.2018

Galerie für moderne Fotografie| Schröderstraße 13 | 10115 Berlin

Frauen sind natürlich nicht die besseren Menschen. Aber vielleicht schauen sie genauer hin. Vielleicht fällt es ihnen leichter, nicht nur das verführerisch Schöne, sondern auch das brutal Hässliche zu sehen. Das jedenfalls ist der Eindruck, den man gewinnt, wenn man die Werke der zwölf Künstlerinnen in der Gruppenausstellung „FEMALE, FEMALE“ betrachtet.

„FEMALE FEMALE“ ist Accrochage und Momentaufnahme. Künstlerinnen aus vier Generationen, die in den vergangenen zehn Jahren mit Einzelausstellungen in der Galerie für Moderne Fotografie vertreten waren, stellen sich der Frage: Was passiert, wenn eine Frau eine andere Frau portraitiert?

Die ostdeutsche Fotografin Ute Mahler (geboren 1949) hat beispielsweise schon immer am liebsten Frauen portraitiert. Ihre schwarz-weißen Bilder zeigen Frauen, die sich abheben wollen. Individualistinnen, die wie die Fotografin selbst, in einem System groß werden mussten, das nur das Kollektiv kannte. Man wäre bei den Aufnahmen damals gern dabei gewesen. Hätte zu gern Mahlers Anweisungen mitgehört und erfahren welche Sätze und welche Blicke ausgetauscht wurden, damit aus der gewöhnlich-schönen Frau eine stolze Amazone werden konnte.
Bei Katja Rahlwes (geboren 1967) ist das ganz ähnlich. Die in Frankfurt am Main geborene Fotografin hat sich ebenfalls stets verweigert kleine Mädchen abzulichten und stattdessen kraftvolle Frauen inszeniert. Einfach, weil sie viel spannender sind.

Demgegenüber stehen die scheinbar mühelos heiteren Arbeiten der Fotografinnen Nada Lottermann und Vanessa Fuentes (geboren 1977 und 1978). Das Duo aus Frankfurt am Main fotografiert sich seit Jahren gegenseitig und stellt die weibliche Lust und Sexualität der Anderen herausfordernd zur Schau. In ihren Räumen ist kein Platz für Schamgefühle.
Die Welt der Französin Camille Vivier (geboren 1977) will auf den ersten Blick nicht so recht in unsere Gegenwart passen. Sie ist skurill bis surreal, düster und melancholisch. In ihr überschlagen sich die Gefühle der weiblichen Protagonistinnen so schnell, dass man froh ist, dass Vivier dabei war, um sie festzuhalten. Aber das heißt Frau-Werden ja auch: Die inneren und äußeren Rangeleien aushalten.

© branimir/ Galerie für Moderne Fotografie 

Kann man eine Frau trotz Verhüllung erkennen? Und wenn ja: woran? Die Bilderserie  »pinAnon«  der Künstlerin branimir lenkt die Aufmerksamkeit der Betrachtenden auf die vermeintlich weibliche Gesten einer Frau, der Tanzikone Pina Bausch. Darauf wie sie ihre Hände bewegt, eine Zigarette hält oder den Kopf aufstützt. Über dem Gesicht der Tänzerin liegen Muster aus beigen, schwarzen und weißen Perlen oder bunten Kunststichen, die an alte Trachten aus Norddalmatien erinnern und ein Code sind, der über den gesellschaftlichen Status und das Lebensalter der jeweiligen Trägerin Auskunft gibt. Rot steht für die jugendliche, heiratsfähige Frau, Weiß für die Weisheit des Alters, Blau für Bescheidenheit.
Was sind die Codes von heute? Die Fotos aus der Arbeit Aino Laberenz x African Twintowers (geboren 1981)  unterwerfen sich nicht den Fragen nach Schönheit oder Status. Es sind Momentaufnahmen aus dem Leben der Künstlerin und Kostümbildnerin. Kleine Zeit- und Raumkapseln, die uns teilhaben lassen an ihrer Vorstellung von Freiheit. Man hört sie förmlich laut rufen: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.

Die kluge, amerikanische Schriftstellerin Joan Didion schrieb einmal:

Remember what it is to be me: that is always the point.“

Und mit diesem „Ich“ und der Erinnerung an dieses „Ich“ fängt ja tatsächlich alles an: Jede Begegnung, jeder Austausch, jede Veränderung. Der Anfang dieser weiblich-weiblichen Ausstellungsreihe ist genau das: Ein Zurückbesinnen auf und Festhalten von Weiblichkeit. Und ein Weckruf, der den patriarchalen Voyeurismus mit extremer Klarsicht entlarvt.


Text: Carolin Würfel

Textquelle | Bildquelle


Defying Gravity

Laufzeit: 25.03.2018 – 15.06.2018

KINDL- Zentrum für zeitgenössische Kunst|Am Sudhaus 3| 12053 Berlin

Defying Gravity, die große Überblicksausstellung zum künstlerischen Schaffen von Taiyo Onorato & Nico Krebs, zeigt neben ganz neuen Arbeiten auch die wichtigsten Werkgruppen aus den letzten rund 10 Jahren. Auf zwei Etagen des KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst ist das Werk des Künstlerduos in seiner ganzen Bandbreite zu sehen: Film, Fotografie, Skulptur und Installation belegen eindrücklich, wie Onorato & Krebs gängige Vorstellungen des Dokumentarischen untersuchen und erweitern.

Taiyo Onorato & Nico Krebs, Broken Street Line, 2008, C-Print, 54 x 75 cm, © Taiyo Onorato & Nico Krebs, Courtesy Sies + Höke

Mehr als 10 Filmprojektionen eröffnen in den klar strukturierten Räumen des ersten Ausstellungsgeschosses inhaltliche Bezüge, die im lichtdurchfluteten zweiten Geschoss mit Fotoarbeiten und einer Gruppe ganz neu entstandener Skulpturen wieder aufgenommen werden. Die Ausstellung rückt zwei zentrale Werkgruppen in den Fokus: The Great Unreal (2005–2009) und Continental Drift (2013–2016). Die umfangreiche Fotoreihe The Great Unreal entstand während eines Road Trips durch die USA – und damit in einem Kontext, der durch Hollywood und allgegenwärtige Bilder vom amerikanischen Traum in ausgeprägter Weise definiert ist. Dem Klischee der mystisch aufgeladenen amerikanischen Landschaften begegnen Onorato & Krebs immer wieder überraschend und mit surrealer Verfremdung.

Taiyo Onorato & Nico Krebs, Potsdamer 1, 2010, Silver Gelatine Print, 52 x 63 cm, ©Taiyo Onorato & Nico Krebs, Courtesy Sies + Höke

Für Continental Drift begab sich das Duo erneut auf Reisen – diesmal allerdings in die entgegengesetzte Richtung: Statt in den Westen reisten die beiden in den Osten. Von Zürich aus fuhren sie auf ihrem Weg in die Mongolei durch Gegenden, für die es kaum klischierte Bildvorstellungen gibt, etwa durch Turkmenistan, Usbekistan, Kirgistan oder Kasachstan. Insgesamt viermal fuhren sie mit dem Auto bis nach Ulan Bator und hielten ihr Unterwegssein in analogen Fotografien und 16mm-Filmen fest. Am Nebeneinander von zufällig Gesichtetem und bewusst Konstruiertem wird deutlich, wie sehr Onorato & Krebs der Idee einer Sache ebenso viel Bedeutung beimessen wie ihrer Realität. In Berlin, wo die beiden Künstler seit vielen Jahren ein Atelier haben, realisierten Onorato & Krebs die Serie Building Berlin/Constructions (2009–2012), in der auf Brachflächen aufgebaute Holzgerüste die Silhouetten dahinterliegender Gebäude aufnehmen und im Medium der Fotografie illusionistisch verbinden. Da die wenigsten Brachen in dieser Form heute noch existieren, sind die Bilder nun selbst zu Dokumenten der Zeitgeschichte geworden.

Taiyo Onorato (*1979 in Zürich) und Nico Krebs (*1979 in Winterthur) studierten gemeinsam an der ZHdK in Zürich und arbeiten seit 2003 als Künstlerduo. Die Ausstellung im KINDL ist ihre erste institutionelle Ausstellung in Berlin.

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»Muster Raum« Façade – Face – Fake – Fakt

Laufzeit: 24.03.2018 – 25.03.2018

Schinkelsche Bauakademie | Schinkelplatz | 10117 Berlin

Historisierend? Progressiv? Experimentierfreudig? Berlin verändert sich und wir müssen uns fragen, in welche Richtung es gehen soll. Zwölf Künstler und Künstlerinnen fangen damit schon einmal an und beziehen hierfür den „Roten Saal“ an der ehemaligen Bauakademie am Schinkelplatz. Dieser wird am 24. und 25. März einerseits von Rauminterventionen und konzeptionellen Arbeiten bespielt, und bietet andererseits sonntags um 15:00 die Möglichkeit, an einer Podiumsdiskussion teilzunehmen.

Johanna Jaeger „horizontal questions, circular replies“, 2016, auf die Wand kaschierter Blueback Print, 38x100x180 cm, courtesy: the artist / SCHWARZ CONTEMPORARY Berlin / Galeria STARTER Warschau, Fotorechte: Johanna Jaeger

So wie das Gesicht eines Menschen untrennbar zu dessen Identität gehört, so sehr eröffnet auch das Gesicht einer Stadt tiefe Einblicke in deren Wesen. Doch ihre Oberfläche zeichnet nicht bloß auf, wie der Zahn der Zeit an ihr nagt, sondern sie wird auch zum Dokument des aktiven Eingriffs. Wenn Orte also definiert und Gebäude mit einer Zukunftsvision für ihre Nutzung versehen werden, dann müssen Entscheidungen getroffen werden. Ob eine solche auf den Erhalt einer Ruine fällt, ob die Antwort Abriss, Neubau oder Restauration lautet: Immer werden auf diese Weise Fakten geschaffen, deren Wirksamkeit nicht darin liegt, bestehende Stadtidentitäten zu beschreiben, sondern zukünftige zu erschaffen.

Welches Berlin gestaltet sich also gerade vor unseren Augen? Mit der Ausstellung »Muster Raum« wird diese Frage nicht etwa in einer geschichtsneutralen Umgebung diskutiert, sondern sie wandert an einen Ort, an dem Form und Charakter dieser Stadt unmittelbar geschnitzt werden. Denn der „Rote Saal“ ist selbst Produkt einer wechselreichen Geschichte, mit der sich die Künstler und Künstlerinnen konzeptuell und interventiv auseinandersetzen werden. Als originalgetreue Rekonstruktion des sogenannten Musterraums, der sich in Karl Friedrich Schinkels Bauakademie befand, ist der Saal auf jenem Gelände beheimatet, wo sich 1836 deren Tore öffneten. 1945 brannte das Gebäude aus und musste 1962 vollständig weichen, um dem Neubauriegel des DDR-Außenministeriums Platz zu machen, welches nach der deutschen Wiedervereinigung allerdings auch abgerissen wurde. Danach stand das Areal für lange Zeit leer. Nur ein Gerüst an der Stelle der ehemaligen Bauakademie verwies auf die Geschichte des Ortes und seit 2004 ist dieses mit bedruckten Planen abgehängt, welche das Gesicht des historischen Gebäudes zeigen. Diese Simulationsfassade spannt sich um den einzigen Raum auf, der bisher in seiner Ursprungsform wiederhergestellt wurde: jener „Rote Saal“.

Weil auch die Rekonstruktion der gesamten Bauakademie geplant ist, und weil das stark kritisierte Humboldtforum in direkter Nachbarschaft liegt, stellen sich gerade hier Fragen: Soll an Schinkels architektonisches Erbe des radikalen Neudenkens angeknüpft werden? Wenn ja, würde dies eine originalgetreue Rekonstruktion bedeuten oder vielmehr eine zeitgenössische Interpretation? Und welche Veranstaltungen sollen in dem Bau stattfinden, welche Inhalte vermittelt werden? Überlegungen dieser Art werden häufig in Architekturbüros ausdiskutiert, in Museen oder in Ministerien, aber nicht in den konkreten Räumlichkeiten, um die es geht. Die Ausstellung »Muster Raum« verhindert genau dies. Sie will die Debatte, und zwar an dem Ort, zu dem sie untrennbar gehört.

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Irving Penn Centennial—Der Jahrundertfotograf

OPENING: 23.03.2018, 19 Uhr
Laufzeit: 24.03.2018 – 01.07.2018

C/O Berlin Foundation | Amerikahaus, Hardenbergstraße 22–24  | 10623 Berlin

Pablo Picasso, Marlene Dietrich und Alfred Hitchcock, abstrakte weibliche Akte, exquisite Stillleben, anmutige Studien von Blumen und Zigarettenstummeln, Kinder in peruanischer Tracht, Porträts von Ureinwohnern Neuguineas, französische Pâtissiers, glamouröse Modeaufnahmen für die Vogue – Irving Penn (1917–2009) gilt als der einflussreichste Fotograf des 20. Jahrhunderts. In seiner Schaffenszeit von rund 70 Jahren hat er einen höchst vielseitigen und unverwechselbaren Bildkosmos geschaffen. Er beherrschte die Gattungen wie Akt-, Mode-, Stillleben-, Porträtfotografie wie kaum ein anderer und dominierte mehr als sechs Dekaden nicht nur die zeitgenössische Fotografie und Kunst, sondern ist durch seine einmalige Handschrift sowie streng reduzierte Ästhetik bis heute stilprägend und beeinflusste unzählige Nachfolger.

Mit nur 17 Jahren beginnt Irving Penn ein Studium der Gestaltung in Philadelphia und arbeitet ab 1943 unter Alexander Libermann, Art Director der Vogue, als Gestalter für das renommierte Modeheft. Noch im selben Jahr darf Irving Penn bereits sein erstes Cover fotografieren. Es folgen mehr als 160 Titelbilder und unzählige Modeaufnahmen für die Vogue. Penns Modefotografien machen ihn international bekannt. Sein Interesse am Menschenbild führt ihn jedoch weit über die klassischen Typologien hinaus und lässt ihn in ferne Länder reisen, wie 1948 nach Peru sowie in den Jahren zwischen 1967 und 1971 nach Neuguinea und Marokko. Neben seinen ethnographischen Studien hat Penn eine Serie weltbekannter Persönlichkeiten aus Kunst, Film, Literatur und Musik fotografiert. Ob Salvador Dalí, Audrey Hepburn oder Saul Steinberg – er fotografiert sie stets vor neutralem Hintergrund. Für seine erste Porträtreihe positioniert er seine weltbekannten Modelle in eine Ecke mit spitzwinkeligen Stellwänden. Durch die räumliche Begrenzung schafft Irving Penn Nähe und Intimität zu den Personen vor seiner Kamera. Er verleitet sie zu ungewöhnlichen Posen und fordert sie heraus. Mit einer analogen Rolleiflex-Kamera ausgestattet, macht er in demselben abstrakten Raum und mit derselben Aufmerksamkeit seine Serie The Small Trades, in der er Arbeiter, Handwerker und Kleingewerbetreibende in Arbeitskleidung darstellt sowie eine Reihe an Porträts von Personen indigener Völker. Sein Feinsinn für die Bedeutsamkeit des Alltäglichen, für die Schönheit des ‚Hässlichen’ und das Einfache lassen immer wieder einzigartige Stillleben und grafische Arrangements entstehen. Gerade in seinen Stillleben aus den 1990er- und 2000er-Jahre spiegelt sich seine große Faszination für die Fotografie, die Liebe zum Detail, das meisterliches Spiel mit dem Licht und den Objekten vor seiner Kamera. Obgleich Mensch, Natur oder unbelebte Dinge – Irving Penn wusste sie alle mit seinem fotografischen Blick zu veredeln und zu etwas Besonderem zu machen. Seine Fotografien leben von Klarheit, Eleganz, Perfektion und makelloser Schönheit.C/O Berlin feiert den Ausnahmefotografen Irving Penn anlässlich seines 100. Geburtstages und nach 20 Jahren erstmalig wieder in Berlin mit einer großen Retrospektive.

Die Ausstellung mit rund 240 Exponaten wurde vom Metropolitan Museum of Art in Zusammenarbeit mit der Irving Penn Foundation kuratiert. Die Schenkung von rund 180 Arbeiten der Irving Penn Foundation an das Metropolitan Museum of Art bildet den Kern der Ausstellung, darunter auch die mittlerweile weltbekannten Studien von Lisa Fonssagrives-Penn, das damals gefragteste Fotomodell der Zeit und die Ehefrau sowie Muse von Irving Penn. Die Ausstellung wurde ermöglicht durch die Terra Foundation for American Art und der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Betriebe und Energie. Sie wird weltweit ausschließlich in New York, Paris, São Paulo – und exklusiv bei C/O Berlin gezeigt. Die Ausstellung wird von einer umfassenden Monografie begleitet, erschienen im Schirmer/ Mosel Verlag in München und herausgegeben von Maria Morris Hambourg und Jeff L. Rosenheim, mit Beiträgen von Maria Morris Hambourg, Jeff L. Rosenheim, Alexandra Dennett, Philippe Garner, Adam Kirsch, Harald E.L. Prins und Vasilios Zatse und mehr als 365 Abbildungen der wichtigsten Werkphasen und Arbeiten von Irving Penn.

Textquelle| Bildquelle


Wir wünschen ein schönes ARTWEEKEND!

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