ARTWEEKEND TIPS – Woche 15/2018

POWER TO THE PEOPLE  | POLITISCHE KUNST JETZT
21.03.2018 – 27.05.2018
Schirn Kunsthalle Frankfurt

 

POLYPHON | Künstlerische Positionen der Sammlung Viehof
  ‐  19Langen Foundation, Neuss

 

The Female Gaze | On Body, Love and Sex
06.04.2018 – 01.06.2018
Kunsthaus Erfurt

 

Douglas Gordon | k.364
14.04.2018 – 19.08.2018
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

 

 


POWER TO THE PEOPLE  | POLITISCHE KUNST JETZT

Laufzeit:   ‐  

Schirn Kunsthalle Frankfurt | Römerberg | 60311 Frankfurt

Vom 21. März bis 27. Mai 2018 präsentiert die Schirn Kunsthalle Frankfurt eine große Ausstellung zur politischen Kunst der Gegenwart. Anhand unterschiedlichster Medien wie Installation, Fotografie, Zeichnung, Malerei und Film unternimmt „Power to the People. Politische Kunst jetzt“ eine Bestandsaufnahme zeitgenössischer Positionen, die sich als Seismografen des politischen Handelns lesen lassen.
,Die Demokratie scheint in der Krise die Ära der Post-Democracy bereits angebrochen. Die Symptome dafür sind vielfältig: populistische Führer, Fake News, Rückfall in autokratische Strukturen, totalitäre Propaganda, Neoliberalismus. Dennoch erlebt die Gesellschaft seit einiger Zeit den Weg der Kunst zurück ins Politische – ein Repolitisierung ist spürbar. Bilder von Demonstrationen in den Medien – wehende Fahnen, Banner und Transparente auf den Straßen und Plätzen wie etwa beim Women’s March, den Anti-Brexit-Kampagnen oder den Occupy-Aktionen prägen die öffentliche Wahrnehmung der letzten Jahre. Es sind neue Protestwellen, die ganz unterschiedliche Kontexte, Länder und politische Systeme betreffen. Das bewegt auch die Künstlerinnen und Künstler. Sie schaffen Werke, die sie als Instrumente der Kritik verstehen und die ausdrücklich politisch motiviert sind. Der Fokus der Ausstellung „Power to the People“ liegt auf grundsätzlichen Fragen und Auseinandersetzungen mit Phänomenen und Möglichkeiten politischer Teilhabe. Dabei werden Haltungen infrage gestellt, Formen des Protests abgebildet, und neue Stufen der Entdemokratisierung ins Visier genommen. Auf diese Weise werden jenseits konkreter Anliegen auch die Mechanismen und die Logik politischer Beteiligung zum Thema. Indem die Ausstellung künstlerische Positionen aus unterschiedlichen Ländern, von Deutschland über England oder Belgien bis zu den USA, der Türkei, Israel oder Libyen vereint, regt sie zur Reflexion darüber an, wie politische Beteiligung aussehen kann und welche Konsequenzen sie jeweils nach sich zieht.

Marinella Senatore, Protest Bike, 2018, Installationsansicht “Power to the People. Politische Kunst jetzt”, © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2018, Foto: Norbert Miguletz

Die Ausstellung vereint 43 Werke, darunter u. a. Arbeiten von Guillaume Bijl, Adelita Husni-Bey oder Ricarda Roggan, die einen kritischen Blick auf die Fragilität von Volksvertretungen, das Versagen von öffentlichen Institutionen und die Grenzen parlamentarischer Demokratie werfen. Die Arbeiten von Halil Altındere, Osman Bozkurt oder Ahmet Öğüt beschäftigen sich mit struktureller Ungleichheit, staatlicher Unterdrückung und Willkür, aber auch mit öffentlichen Protesten als Form politischer Partizipation. Die aktive Teilhabe des Bürgers an der Gestaltung des öffentlichen Lebens wird etwa in den Werken von Katie Holten, Rirkrit Tiravanija oder Nasan Tur behandelt – das Spektrum künstlerischer Widerstandsformen zeigen die Werke von Phyllida Barlow, Hiwa K oder Marinella Senatore. Arbeiten wie etwa von Jens Ullrich setzen sich mit dem Plakat als politischem Protestmedium auseinander, Künstler wie Julius von Bismarck oder Mark Flood thematisieren die Manipulierbarkeit von medialen Bildern und von neuen überwiegend medialen Formen der politischen Beteiligung und Meinungsbildung. Das Kollektiv Forensic Architecture oder Andrea Bowers führen in ihren Werken künstlerische Methoden  und Aktivismus zusammen und stellen die Frage nach der Kunst als politischer Produktivkraft.

Phyllida Barlow, Untitled: 100banners2015, 2015, Installationsansicht “Power to the People. Politische Kunst jetzt”, © Schirn Kunsthalle Frankfurt 2018, Foto: Norbert Miguletz

Dr. Philipp Demandt, Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt, über die Ausstellung: „Jüngst geht die Kunst ihren Weg zurück ins Politische und die Künstlerinnen und Künstler der Gegenwart erscheinen als Seismografen in diesen politisch bewegten Zeiten. Die Ausstellung ‚Power to the People. Politische Kunst jetzt‘ berührt auch die Frage, wie politisch Kunst sein darf oder sein soll. Es ist eine Frage, die wir zu jeder Zeit immer wieder neu stellen müssen.“

„Es gibt keine Kunst ohne Gesellschaft. Kunst hat immer eine gesellschaftliche Komponente, sie findet in einem Kontext statt, in einer bestimmten Zeit, in einem bestimmten Land. Kunst hat konkrete Personen, die sie produzieren, sie hat Institutionen, in denen sie gezeigt wird, und einen konkreten Betrachter, eine konkrete Betrachterin. Dabei ist es genau die Stärke von Kunst, dass sie eben kein parteipolitisches Organ ist, sondern dass ihr ganz eigene Mittel zur Verfügung stehen. Dass sie Denkräume öffnen kann, Erfahrungsräume, die es möglich machen, jenseits der Tagespolitik komplexe Zusammenhänge freier zu thematisieren“, erläutert Dr. Martina Weinhart, Kuratorin der Ausstellung.

Textquelle | Bildquelle


Opening: POLYPHON | Künstlerische Positionen der Sammlung Viehof

Opening: 15.04.2018
Laufzeit: 15.04.2018 – 19.08.2018

Langen Foundation | Raketenstation Hombroich 1 | 41472 Neuss

„Das Wesen der Kultur ist die Veränderung.“
François Jullien

Die Ausstellung POLYPHON bringt Werke von sechs Künstlerinnen und Künstlern zusammen, die in der Sammlung Viehof vertreten sind: Thomas Houseago, Kimsooja, Danh Vo, Marijke van Warmerdam, Corinne Wasmuht und David Zink Yi. Die künstlerischen Positionen unterscheiden sich deutlich in ihren Arbeitsweisen, Themen und Medien, die Malerei, Skulptur, Installation sowie Film und Video umfassen. Die Ausstellung setzt diese eigenständigen Stimmen zueinander in Beziehung und zeigt, was die Künstlerinnen und Künstler verbindet: ein mehrstimmiges Denken und Miteinander von Kulturen und Vorstellungen als Perspektive in einer globalen Welt. Den Ausgangspunkt der Ausstellung bilden Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler, die meist bereits zu einem frühen Zeitpunkt ihrer künstlerischen Laufbahn für die Sammlung erworben wurden. Sie werden ergänzt durch aktuelle Werke, die zum Teil eigens für die Ausstellung entstehen.

Kimsooja, A Needle Woman – Kitakyushu, 1999, Videoprojektion, 6’33” Endlosschleife ohne Ton, Foto: Kimsooja © The artist and KEWENIG, Berlin

Die Deichtorhallen in Hamburg haben im vergangenen Jahr einen umfassenden Überblick über die Sammlung Viehof präsentiert, der vor allem deren Schwerpunkt deutscher Kunst seit den 1960er Jahren verdeutlichte. Die Ausstellung in der  Langen Foundation konzentriert sich darauf, Zusammenhänge zwischen einigen ausgewählten internationalen Positionen der jüngeren Gegenwartskunst herzustellen. Diese sind zugleich Teil eines globalen Diskurses und geprägt von ihren spezifischen Traditionen. Die Ausstellung steht darüber hinaus in Bezug zum Selbstverständnis und Erbe des Hauses: in der kulturübergreifenden Sammlung der Stifter Viktor und Marianne Langen ist bereits einen transkultureller Ansatz angelegt.

Corinne Wasmuht, Pathfinder, 2002, Öl auf Holz, zweiteilig Bildmaß: 243 x 324 cm, Foto: Heinz Pelz © Courtesy the artist and KÖNIG GALERIE, Berlin/London

 

Die Begleitung und Unterstützung der künstlerischen Entwicklung über einen längeren Zeitraum ist ein Anliegen der Sammlung Viehof, ebenso das Engagement im Rheinland. Die Kooperation mit der Langen Foundation für die Ausstellung Polyphon ist hier ein weiterer Schritt. Mit ihrem Fokus auf eine kleine Auswahl von insgesamt sechs jüngeren, international anerkannten Künstlern und Künstlerinnen, arbeitet die Ausstellung einen Aspekt der Sammlung heraus, der bisher weniger bekannt ist, und zeigt damit zugleich deren Dynamik und den engagierten Gegenwartsbezug.


The Female Gaze | On Body, Love and Sex

Laufzeit: 06.04.2018 – 01.06.2018

Kunsthaus Erfurt | Michaelisstraße 34 | 99084 Erfurt

Selma Alaçam, Chicks on Speed, Sabrina Jung, Claudia Hart, Juliana Cerqueira Leite & Zoë Claire Miller, Eglė Otto, Laure Prouvost, Antje Prust, Anaïs Senli

Die Ausstellung The Female Gaze – On Body, Love, and Sex versammelt zehn Künstlerinnen, die einen eigenständigen Blick auf die Frau, auf Körper und auf Sexualität formulieren. Sie entwickeln Bilder und Visionen einer aktuellen Weiblichkeit, die sie selbstbewusst zelebrieren – vielfach sinnlich und lustvoll, kritisch und dennoch versöhnlich, immer ernsthaft und zuweilen mit einer Prise Humor. Sie befragen Geschlechterzuschreibungen, Machtverhältnisse und verbreitete Stereotype, befreien sich von dem männlichen Blick auf die Frau und überführen diese Auseinandersetzung in häufig sehr persönliche Arbeiten. Schönheitsideale werden offengelegt und ad absurdum geführt, der weibliche Körper als Projektionsfläche thematisiert und Alterungsprozesse mittels 3D-Programmen visualisiert. Lust, Erotik und Sexualität sind weitere zentrale Themen der Ausstellung. Die Künstlerinnen arbeiten mit vielfältigen Medien und die Besucher_innen werden eingeladen, in ihre sinnlichen Welten einzutauchen, in denen sich Heteronormativität, Hierarchien und Klassifikationen zugunsten einer einfühlsamen Betrachtung, fluiden Formen und einer mehrdeutigen Bildsprache auflösen.

Antje Prust, D.I.L.F., 2016, Videostill

The Female Gaze – On Body, Love, and Sex I wird im Kunsthaus Erfurt auf vier Etagen präsentiert. Neben immersiven Videoinstallationen von Laure Prouvost (Into all that is here, 2015) und Anaïs Senli (I’m not like you, 2017), Körperbildern in Öl auf Leinwand von Eglė Otto und einer ortsbezogenen Installation von Juliana Cerqueira Leite & Zoë Claire Miller, die skulpturale Körperabdrücke einbezieht und die Atmosphäre des Ausstellungsraumes subtil verändert, sind Foto- und Medienarbeiten von Claudia Hart (Serial Mortification, 2015), Sabrina Jung (Schöne Frauen, 2011) und Selma Alaçam  (Körperprojektionen, 2010-11) zu sehen, die Rollenzuschreibungen, Jugendwahn und den weiblichen Körper als Projektionsfläche reflektierbar machen.

Einen Monat später, am 4. Mai 2018, wird in der Studiogalerie vom Haus am Lützowplatz ein Spin-off der Ausstellung präsentiert. In den kleineren Räumlichkeiten werden weitere Arbeiten einiger in Erfurt beteiligter Künstlerinnen zu einer dichten und pointierten Ausstellung versammelt. Somit ergänzen sich die beiden Orte und verdeutlichen die vielfältige und intensive Beschäftigung der Künstlerinnen mit Weiblichkeit, dem Körper und Sexualität.

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Opening: Douglas Gordon | k.364

Opening: 14.04.2018
Laufzeit: 14.04.2018 – 19.08.2018

K20 GRABBEPLATZ –  Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen | Grabbeplatz 5 | 40213 Düsseldorf

In der Grabbe Halle des K20 präsentiert der international renommierte schottische Künstler Douglas Gordon (*1966) seine eindrucksvolle, raumgreifende Videoinstallation k.364, 2010. In dieser 50-minütigen Arbeit, die auf zwei doppelseitige Projektionsflächen projiziert wird, folgt der Künstler zwei israelischen Musikern auf ihrer Bahnreise von Berlin nach Warschau, wo sie in der Nationalphilharmonie Mozarts Sinfonia Concertante für Violine, Viola und OrchesterEs-Dur, KV364 aufführen werden.

Douglas Gordon, k.364, 2010, Installationsansicht Gagosian Gallery 2011, Courtesy Studio lost but found, Berlin, © Studio lost but found / VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Ihre Reflektionen über den Holocaust, die geschichtsbeladene Landschaft und die Begegnung mit der seit der NS-Zeit als Schwimmhalle missbrauchten Synagoge von Posen/Poznan mischen sich mit dem Geräusch des rollenden Zuges und den  berührenden Klängen der Mozart-Symphonie. Die Arbeit ist ein bewegendes Dokument des tiefen Vertrauens der Protagonisten in die Kraft der Musik vor dem subtil gezeichneten Hintergrund einer dunklen und ungelösten Geschichte.

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Wir wünschen ein schönes ARTWEEKEND!

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