ARTWEEKEND TIPS – Woche 17/2018

Hello World. Revision einer Sammlung, Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart  //  LORIS GRÉAUD. LADI ROGEURS: SIR LOUDRAGE, Galerie Max Hetzler  //  PARADISE IS NOW | PALM TREES IN ART, Salon Dahlmann  //  MOON GAS, Galerie Guido W. Baudach  //  MS HEIMATLAND – GRAND OPENING,  Hošek Contemporary

 

 


Hello World. Revision einer Sammlung

Opening: 27 Laufzeit:  ‐ 26

Hamburger Bahnhof |Invalidenstraße 50/51 | 10557 Berlin

„Hello World. Revision einer Sammlung“ ist eine kritische Untersuchung der Sammlung der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin und ihrer vorwiegend westlichen Ausrichtung: Wie sähe sie heute aus, hätte ein weltoffeneres Verständnis ihren Kunstbegriff und ihre Entstehung geprägt? Wie würde sich dies auf den Kanon und seine kunsthistorischen Narrative auswirken? Anhand dieser Fragen entfaltet sich die Ausstellung in mehr als zehn thematischen Kapiteln als eine vielstimmige Zusammenarbeit interner und externer Kurator*innen über die gesamte Ausstellungsfläche des Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin.

Walter Spies, Rehjagd, 1932, Öl auf Leinwand, 60 × 50 cm © 2012 Adrian Vickers. Nachdruck aus „Balinese Art“ von Adrian Vickers. Herausgegeben von Tuttle Publishing, Periplus Editions (HK) Ltd

„Hello World“ legt den Fokus auf transnationale künstlerische Netzwerke und auf Momente transkultureller Verflechtungen seit dem späten 19. Jahrhundert bis heute. Die Ausstellung zeigt mehr als 120 Gemälde, Skulpturen, Installationen, Videos und Filme von rund 80 Künstler*innen aus dem Bestand der Nationalgalerie, die Ausgangspunkte zur Erkundung verborgener Erzählungen und neuer Perspektiven auf die Sammlung und ihre Geschichte bilden. Darunter etwa Heinrich Vogelers Weg in die Sowjetunion, der Aufenthalt des Dadaisten Tomoyoshi Murayama im Berlin der 1920er-Jahre oder die Kollaborationen von Nicolás García Uriburu und Joseph Beuys. „Hello World“ wird dafür ergänzt aus den Beständen des Ethnologischen Museums, des Museums für Asiatische Kunst, des Kupferstichkabinetts und der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin, der Staatsbibliothek Berlin sowie durch internationale Leihgaben.

Tita Salina, 1001st Island – The Most Sustainable Island in Archipelago, 2015 (Still), HD-Video, Farbe, Ton, 14‘ 11“, © Leihgabe die Künstlerin

Als Institution mit fünf Häusern beherbergt die Nationalgalerie eine umfangreiche Sammlung von Kunst seit 1800. Mitte des 19. Jahrhunderts hervorgegangen aus der Schenkung einer Privatsammlung, entwickelte sich bereits Anfang des 20. Jahrhunderts aus der Sammlung der Nationalgalerie heraus die Idee eines Museums der Gegenwart, das zwischen 1919 und 1937 im Kronprinzenpalais bestand. Dessen Bestände waren nach dem Zweiten Weltkrieg auf Häuser in Ostund West-Berlin verteilt und sind seit 1996 im Hamburger Bahnhof beheimatet. Die
historischen Brüche durch Nationalsozialismus, Zweiten Weltkrieg und Kalten Krieg bilden sich deutlich in ihren Beständen ab. „Hello World“ befragt die Sammlung der Nationalgalerie erstmals
explizit nach ihrer eurozentrischen Prägung und stellt so zur Diskussion, wie eine Museumssammlung sich heute neu verorten kann.

Entwickelt wurde die Ausstellung von Udo Kittelmann mit Sven Beckstette, Daniela Bystron, Jenny Dirksen, AnnaCatharina Gebbers, Gabriele Knapstein, Melanie Roumiguière und Nina Schallenberg für die Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, sowie den Gastkurator*innen Zdenka Badovinac, Eugen Blume, Clémentine Deliss, Natasha Ginwala und Azu Nwagbogu.

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LORIS GRÉAUD. LADI ROGEURS: SIR LOUDRAGE

Opening: 27.04.2018
Laufzeit: 27.04.2018 – 21.07.2018

Galerie Max Hetzler | Goethestraße 2/3 | 10623 Berlin

Seit den frühen 2000ern, beschreitet Loris Gréaud einen bezeichnenden Weg in seinem künstlerischen Schaffen. Innerhalb seines Werks stellt er die Idee des Projekts in den Vordergrund. Dieses zeitlich begrenzte Konzept als Rahmen für seine Praxis ermöglicht dem Künstler in die vorgegebenen Bedingungen von Raum und Zeit einzugreifen. Indem er die Grenzen zwischen Fiktion und Realität immer wieder verwischt und letztendlich auflöst, schaffen Gréauds Projekte hybride und außerweltliche Erfahrungen.

Gréauds erste Einzelausstellung LADI ROGEURS bei Galerie Max Hetzler in Paris zu Beginn diesen Jahres war als eine raumgreifende, drei-dimensionale Skizze konzipiert. Im Stil einer filmischen Überblendung bildet die Ausstellung in Berlin nun die kontinuierliche Weiterführung des Pariser Projekts, entwirft den Galerieraum dabei neu und bedient sich an Elementen des Stillebens.

Loris Gréaud, LADI ROGEURS: SIR LOUDRAGE – a still life, installation view, Galerie Max Hetzler, Berlin, 2018, Photo: def image. Courtesy of the artist and Galerie Max Hetzler, Berlin | Paris | London

Gehüllt in ein violettes, diffuses Licht, wird der Ausstellungsraum von organisch geformten, herabhängenden Skulpturen unterbrochen. Spores verbreiten Tonfrequenzen verglimmender Sterne in den umliegenden Raum. Dazwischen öffnen sich Löcher im Galerieboden, gefüllt mit Schlamm, Sand, Flüssigkeiten und Abfällen, die am Originaldrehort des Science Fiktion Klassikers Stalker(1979) des russischen Regisseurs Andrei Tarkovsky in der Nähe von Tallinn gesammelt wurden und die unheimliche Stimmung des Films aufgreifen. MACHINE, eine baumähnliche Skulptur, wird zur autonomen Einheit, die ihre Glieder scheinbar unkontrolliert bewegt. So schaffen die unterschiedlichen Elemente eine bizarre, jenseitige Landschaft – eine synthetische, übernatürliche und verstörend irreale Umgebung – die zu einer zeitgenössischen Interpretation der Thematik der Vanitas wird.

Die beiden Einzelausstellungen von Loris Gréaud bei Galerie Max Hetzler markieren den letzten Teil einer Trilogie, die 2008 mit Cellar Door (2008-2011) begann und mit The Unplayed Notes (2012-2017) weitergeführt wurde.

Loris Gréaud (*1979, Eaubonne) lebt und arbeitet in Eaubonne, einem Vorort von Paris. Gréauds Projekte wurden in wichtigen Einzelausstellungen umgesetzt. Er bespielte als erster Künstler die gesamte Ausstellungsfläche des Palais de Tokyo in Paris mit seinem Projekt Cellar Door (2008-2011), welches anschließend im Institute of Contemporary Art, London; der Kunsthalle Wien; der Kunsthalle St. Gallen und im La Conservera, Murcia, weiterentwickelt wurde. Eine Doppelausstellung seines Projekts [I] fand 2013 im Louvre und dem Centre Pompidou in Paris statt. Gréaud übernahm 2015 die Räume des Dallas Contemporary mit dem Projekt The Unplayed Notes Museum. 2016 entwickelte er das Projekt Sculpt explizit für das LACMA, Los Angeles, im Rahmen seiner gleichnamigen Ausstellung. Sein neuestes Projekt The Unplayed Notes Factory, kuratiert von Nicolas Bourriaud, wurde als Teil der 57. Venedig Biennale in Murano gezeigt. Gréauds Arbeiten sind in zahlreichen Sammlungen zu finden, darunter u.a. das Centre Pompidou, Paris;  LACMA, Los Angeles; Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris; Collection François Pinault, Venedig; Fondation Louis Vuitton, Paris; Israel Museum, Jerusalem; Margulies Collection, Miami; Goetz Collection, München; Rubell Family Collection, Miami; Nam June Paik Art Centre, Yongin.

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PARADISE IS NOW
PALM TREES IN ART

Opening: 26.04.2018
Laufzeit: 27.04.2018 – 30.06.2018

Salon Dahlmann| Marburger Strasse 3 | 10789 Berlin

Hedonismus, Eskapismus, Exotik – über Kontinente, Religionen und Kulturen hinweg transportiert kein anderes Motiv diese Assoziationen überzeugender als die Palme. Die Gruppenausstellung „Paradise is Now. Palm Trees in Art“ widmet sich der Frage nach der Existenz eines modernen Paradieses und durchleuchtet das komplexe ikonografische Spektrum eines prominenten floralen Sinnbildes. Was steht hinter der Popularität dieses Emblems und welche Bedeutungsebenen und Widersprüche offenbaren sich im Zuge der künstlerischen Auseinandersetzung?

Omnipräsent in Werbung und sozialen Medien beteuert das Image der tropischen Pflanze Luxus, Glamour, Jetset und Sonnenschein. Im Nachkriegseuropa noch Vermittler von bescheidenem Fernweh nach dem Süden, ist die Palme in der globalen wie säkularen Populärkultur zum universellen Zeichen moderner Paradiese herangereift, das besonders in den USA zum Emblem des Süßen Lebens empor gewachsen ist und von vielen, vor allem in L.A. arbeitenden Künstlern wie John BaldessariDavid Hockney oder Ed Ruscha in den Fokus ihrer Bildsprache gerückt wurde.

John Baldessari, Throwing Four Balls in the Air to Get a Square (Best of Thirty-Six Tries), 1972-73

Aus europäischer Perspektive, der Leisure Life und Hedonismus häufig verdächtig waren, repräsentiert die Palme bei Marcel Broodthaers ein eingetopftes und domestiziertes Dekoelement. Als imperialistisches Machtsymbol vergangener Epochen wird die Palme bei Broodhtaers raumgreifender Installation institutionskritisch entlarvt. Bei Sigmar Polke muss sie für die spießbürgerlichen Bedürfnisse des Nachkriegsdeutschen einstehen und wird mit dem psychologischen und moralischen Verfall einer zur Oberflächlichkeit und Konsum driftenden Gesellschaft in Verbindung gebracht werden.

In einer ortspezifischen Installation wenden Yutaka Sone und Rirkrit Tiravanija kooperativ die Gedanken von Broodthaers an und erweitern diese um Aspekte des globalen Konsumgüterhandels. Mensch und Naturgewalt werden in Rodney Grahams Videoarbeit „Vexation Island“ anhand einer Kokospalme und eines Schiffsbrüchigen visualisiert. Simon Speiser überführt die Palme in die Virtual Reality und thematisiert die zunehmende Entfremdung zwischen Mensch und Natur vor dem Hintergrund der fortscheitenden Technik. Die damit einhergehende massenhafte Domestizierung des tropischen Gewächses adressiert auch Alicja Kwade. Sie widersetzt sich der natürlichen Beschaffenheit des Materials und seiner Vergänglichkeit, indem sie ihre alte Zimmerpflanze im Kupferbad verewigt.

„Paradise is Now. Palm Trees in Art.“ vereint über 50 Werke aus Malerei, Skulptur, Fotografie, Video und Virtueller Realität. Werke von Marcel Broodthaers und David Hockney sowie Arbeiten aus jüngster Generation wie jene Bruno V. Roels’ sind zum ersten Mal in Berlin zu sehen.

Und wenn wir die in sich geschlossene Welt der Galerie verlassen und womöglich ins nahegelegene Kaufhaus schlendern oder in einem Café sitzen oder einen Platz überqueren, auf dem die eine oder andere Palme in einem Kübel steht, dann werden wir fortan jeden dieser Bäume mit einem neuen Blick für seine tiefere Bedeutung und weitgespannten Beziehungen wahrnehmen. Norman Rosenthal

Zur Ausstellung erscheint ein umfassender Katalog in deutscher Sprache (160 S., mit rund 100 farbigen Bildtafeln, Hatje Cantz Verlag, 30,00 €). Die Publikation enthält Beiträge von Bret Easton Ellis, Robert Grunenberg, Norman Rosenthal und Leif Randt.

Zum Kurator:

Der in Berlin lebende Kunsthistoriker Robert Grunenberg studierte in Frankfurt und London Kunstgeschichte. Nach Stationen als Kurator am MoMA PS1 in New York und Autor beim Springer Verlag in Berlin eröffnet Grunenberg zum Gallery Weekend Berlin 2018 seinen eigenen Ausstellungsraum in der Marburger Str. 3 in Berlin, Charlottenburg. Der Fokus des Ausstellungsprogramms von Robert Grunenberg Berlin liegt auf thematischen Gruppenausstellungen, die die Bereiche Kunst, Mode und Design zusammenführen.

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MOON GAS

Opening: 28.04.2018
Laufzeit: 28.04.2018 – 02.06.2018

Galerie Guido W. Baudach| Potsdamer Straße 85 | 10785 Berlin

Die Galerie Guido W. Baudach freut sich, zum Gallery Weekend Berlin 2018 ihre achte Einzelausstellung von Thomas Zipp zu präsentieren.

Unter dem Titel Moon Gas zeigt der in Berlin lebende Künstler (*1966) eine raumgreifende Inszenierung, in der sich medial unterschiedliche Komponenten multisensorisch ergänzen. Neben mehreren Malereien verschiedener Materialität und einer ebenso umfang- wie variantenreichen Serie von Papierarbeiten erwartet den Besucher ein zur mobilen Skulptur mutiertes Nutzfahrzeug – alles eingebettet in eine teils interaktive Klang-Installation.

Das kontextuelle Kernstück der Ausstellung bildet eine siebzigteilige Zeichnungsserie, in der Thomas Zipp die für sein Werk so charakteristische Untersuchung der Herausforderung des Schöpferischen durch destruktive Momente in Natur und Technik lustvoll durchdekliniert. Grundlage der Serie ist ein vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe herausgegebener Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen. Ausgezeichnet von einer enorm vielfältigen zeichnerischen und malerischen Bearbeitung der in Einzelblättern auf unterschiedlichen Papiersorten reproduzierten Broschüre präsentiert Zipp hier ein Schlüsselwerk der eigenen künstlerischen Praxis.

Das dominante skulpturale Element ist ein reales und zugleich metaphorisch zu verstehendes Transportmittel, ein Traktor, der in seinem Anhänger kein landwirtschaftliches Gerät, sondern medizinische Lachgas-Flaschen mit sich führt. Dieses Ready Made Remade erinnert mit seinen weiß und schwarz lackierten Bauteilen nicht nur an die konsequente, basale Abstraktion der russischen Avantgarde, sondern lehnt sich zugleich an die Dazzle-Tarnbemalung der britischen Marine des Ersten Weltkriegs an, die in den 1960er Jahren auch Eingang in die aufkommende Op-Art und von dort in die Pop Kultur fand.

Courtesy the artist and Galerie Guido W. Baudach, Photo: Roman März

Zu der in Moon Gas auftauchenden Kultur- und Technikgeschichte gehört auch ein nachgebauter Moog, ein modulares Synthesizer-System, das die Popmusik in den 1960er Jahren bereicherte. Die Besucher der Ausstellung sind eingeladen, Klänge auf diesem Synthesizer zu erzeugen, der dafür mit einem Theremin, einem um 1920 erfundenen Ätherwellen-Instrument angesteuert wird. Die dabei entstehenden Sounds verbinden sich mit der Geräuschkulisse einer permanenten Klang-Installation. Dazu hat Thomas Zipp mehrere Druckkammerlautsprecher im Raum installiert, wie sie in Fußballstadien oder bei öffentlichen Kundgebungen gebräuchlich sind und unwillkürlich an Massensuggestion denken lassen. Zu hören ist ein Loop aus einem im Jahr 1963 von Dick Hyman veröffentlichten Track mit dem Titel Moon Gas, den man als Space Age Pop bezeichnen kann – eine an Sun Ra erinnernde, aber doch weiße Cocktail-Jazz-Electric-Weltraum-Phantasie, die klanglich sowohl die Inbesitznahme des Erdtrabanten antizipiert, als auch den psychedelischen Eskapismus der Woodstock-Generation. Nicht umsonst zeigt die Einladungskarte zur Ausstellung ein Foto von einer der damals populären Lachgas-Parties.

Die gezeigten Leinwandarbeiten wiederum veranschaulichen in neuer Form Elemente und Motive, wie sie für das bildnerische Vokabular des Künstlers charakteristisch sind. So treffen Malerei-Zitate aus der Kunst des 20. Jahrhunderts auf Themen der Wissenschaftsgeschichte, während geometrische Formstrukturen und Patterns von figürlichen, teilweise vegetabilen Elementen überlagert werden. Bezeichnend dabei ist, dass Zipps neue Malereien mehr denn je als Combine Paintings funktionieren, d.h. als Gemälde, in denen die Bildfläche mit skulpturalen Bestandteilen angereichert ist und die so die gängige Zweidimensionalität überwinden.

Von solcher Mehrdimensionalität bei gleichzeitiger Doppeldeutigkeit gekennzeichnet ist auch das Bild Symmetry (2018). Auf einer geometrisch strengen, von schwarzweißen Dreiecks-Formen scharfkantig rhythmisierten Fläche ist als übermalter Siebdruck das Motiv einer Topfpflanze appliziert. Deren fleischfarbige Stengel und Blätter besitzen die Anmutung eines menschlichen Wesens, welches sich in einer anorganischen Umgebung behaupten muss. Auch das Bild God (2018), auf dem sich Kopf und Arme einer weiblichen Figur mit einem mächtigen Pinselstrich verbinden, zeigt eine menschliche Gestalt. Die Farbspuren an dem Besen, den die Bild-Figur hält, identifizieren die Frau als eine ´neue Eva´, die sich, anders als ihre biblische Vorläuferin, selbst erschaffen hat.

Courtesy the artist and Galerie Guido W. Baudach, Photo: Roman März

Mit Moon Gas führt Thomas Zipp seine Auseinandersetzung mit der Korrespondenz zwischen der technologischen Entwicklung und der einstigen Vitalität der zunächst als fortschrittlich wahrgenommenen Kunstströmungen des 20. Jahrhundert konsequent weiter fort. So, wie sich der zugleich künstlerische wie industrielle Aufbruch der Moderne, der als ein positives Moment der Weltverbesserung prognostiziert wurde, mittlerweile verflüchtigt hat, treten seit dem Ausklang der Epoche nicht nur die Überbleibsel und Phantasmen des Uneingelösten, sondern auch die Anzeichen einer permanenten Gefährdung hervor. In der künstlerischen Praxis von Thomas Zipp offenbart sich diese dunkle, hauntologische Dimension in einer teils entfesselten, teils gezügelten Dynamik, die ein ganz eigenes, stabil-fragiles Kraftfeld erzeugt.

Thomas Groetz
Thomas Zipp wurde 1966 in Heppenheim geboren. Er hat an zahlreichen internationalen Ausstellungen im In- und Ausland teilgenommen, u.a.: Deutschland ist keine Insel, Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland Ankäufe von 2012 bis 2016, Bundeskunsthalle, Bonn (2018) / The Threshold Problem and Some Possible Ways to Solve It, Cc Foundation & Art Space, Shanghai (2016) / Manifesta 11, Zürich (2016) / Picasso in der Kunst der Gegenwart, Deichtorhallen Hamburg (2015) / Avatar & Atavismus, Kunsthalle Düsseldorf (2015) / 11ème Biennale de l’Art Africain Contemporain, DAK’ART 2014, Dakar (2014) / 55th International Art Exhibition, Comparative Investigation about the Disposition of the Width of a Circle, La Biennale di Venezia, (2013) / I knOw yoU, Irish Museum of Modern Art, Dublin (2013) / Paintings from the Rubell Family Collection, Fundación Banco Santander, Madrid (2012) / If Not In This Period Of Time: Contemporary German Painting 1989- 2010, Museu de Arte de São Paulo (2010) / Sympathy for the Devil: Art and Rock and Roll Since 1967, Museum of Contemporary Art Chicago (2008) / Vertrautes Terrain – Aktuelle Kunst in & über Deutschland, ZKM, Karlsruhe (2008) / 4th Berlin Biennial (2006) / Defamation of Character, P.S.1, New York (2006) / Rings of Saturn, Tate Modern, London (2006) / Actionbutton, Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart – Berlin (2003). Die nächste institutionelle Einzelausstellung von Thomas Zipp wird in der Kunsthalle Giessen im Herbst 2018 stattfinden.

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MS HEIMATLAND – GRAND OPENING

Opening: 27.04.2018
Laufzeit: 27.04.2018 – 10.06.2018

Hošek Contemporary| MS Heimatland / Fischerinsel | 10179 Berlin

Hošek Contemporary is pleased to announce the official opening of its new location on board of Motor Ship Heimatland on the south bank of Museum Island in Mitte, Berlin. As its first exhibition in the new space, the gallery is proud to present an installation by Gunnhildur Hauksdóttir and Michael Klingner, taking place inside the cargo hold of the boat. The exhibition is curated by Linda Toivio.

Gunnhildur Hauksdóttir will prepare a site-specific version of the Pendulum Choir, an installation consisting of suspended rocks forming a makeshift stage for a performance. The inner part of the stage will accommodate her voice composition and audio installation Five Drawings, displayed in Berlin for the first time. Hauksdóttir currently lives and works in Berlin and Reykjavík.

The entire light installation of the boat will be realised by Michael Klingner, a street artist, architect, and designer. Complementing Hauksdóttir’s piece, he will present powerful light objects made from various types of coloured glass and brass. These high-tech, elegant and often minimalist art objects provide a contrast to the rusty interior of the old boat, which will be left in its original state during this particular site-specific show.
The performance will be followed by an Improvised & Experimental concert with a string ensemble initiated by Guilherme Rodrigues.

© Hošek Contemporary

HEIMATLAND – EUROPA, A PROJECT BY GIL RUSS
Architect Gil Russ is transforming MS Heimatland into the headquarters of Hošek Contemporary, including an office, four studios for an art residency programme, and a 150 m2 exhibition space. Emphasizing the fluid idea of homeland (Heimatland), he is questioning its meaning in the context of the current migration flows and the challenges faced by the original concept of the European Union. Following his idea, the ship will be a temporary cultural platform connecting the harbours within Europe.
Russ will be at the opening to present the architectural plans and blueprints of the project, which will be realised in four phases in the next 18 months.

HISTORICAL CONTEXT – FROM SHIP IDA TO HOŠEK CONTEMPORARY
Built in 1910 in Fürstenberg an der Oder under the instructions of Wilhelm Mischke, MS Heimatland was operating under the name Ida and first used for transporting coal to a power station in Charlottenburg. After the Second World War, the 58-meter long ship was renamed Heimatland, meaning “homeland”. In the 60s, it was sailing on the river Elbe near Lauenburg and Bleckede, where it received a new wooden construction while the bow and motor got replaced. For the next two decades, Heimatland was transporting other ships between West Berlin and Lübeck, and in the 90s, the ship was used for moving sand and chippings on Elbe and Havel. Finally in 2002, it began serving for cultural purposes, when German sculptor Christiane Möbus chose it for her Nackte Tatsache Tatsache project.

One of the last activities onboard was an exhibition on the topic of Homeland – Heimatland by the Refugee Academy of Berlin in July 2016. After months of negotiating, permission was granted for Heimatland to be used as an exhibition space and artist residency by Hošek Contemporary, a private art gallery established in 2016 by Petr Hošek. MS Heimatland is permanently anchored in the historic port of Berlin.

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Wir wünschen ein schönes ARTWEEKEND!

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