ARTWEEKEND TIPS – Woche 20/2018

Csilla Klenyánszki. Reminiscence of Being a Woman, Galerie Wagner + Partner  //  Abfallprodukte der Liebe, Akademie der Künste  //  Mari Nagem & Joaquin Margulis Luchsinger. Routine & Happiness, SomoS  //  Innovationen! Zukunft als Ziel, Zeppelin Museum Friedrichshafen

 


Csilla Klenyánszki. Reminiscence of Being a Woman

Opening: 18.05.2018, 19 – 21 Uhr
Laufzeit: 18.05.2018 – 01.07.2018

Galerie WAGNER + PARTNER | Koppenplatz 5 – 6 | 10115 Berlin

Galerie WAGNER + PARTNER freut sich, mit Reminiscence of Being a Woman die erste Einzelausstellung von Csilla Klenyánszki in Deutschland zu präsentieren. Die Künstlerin setzt sich mit den Phänomenen von Zeit und Gender auseinander, die sie auf konzeptionelle, aber auch sehr spielerische Weise in seriellen Fotografien und Videoarbeiten umsetzt. Die Arbeiten basieren auf Quasi-Performances und Installationen, die die Künstlerin mit ihrem Körper und den sie umgebenden Alltagsgegenständen inszeniert. Fragen des Gleichgewichts – sowohl physikalisch als auch metaphorisch – bilden den Hintergrund von Klenyánszkis künstlerischer Herangehensweise.

Csilla Klenyánszki, Position (Reminiscence of Being a Woman), © Csilla Klenyánszki, courtesy WAGNER + PARTNER

Erwartungshaltungen, die an eine Frau gestellt werden, sowie die Objektifizierung der Frau kommentiert sie ironisch in der gleichlautenden Serie, wobei sie in einer Art semantischer Analyse auf Werke verschiedener künstlerischer Gattungen referiert. Angelehnt an einen literarischen Sprachgebrauch entspringt aus ihrem Schoß ein riesiger Blumenstrauß oder sie verwandelt einen Tisch mit Absatzschuhen in eine sich aufbäumende Stute. Auch berühmte Werke der Kunstgeschichte tauchen in der Serie auf: French Loaf zitiert das Motiv der liegenden Frau, sei es über Monets Olympiao der Tom Wesselmanns Pop Art, und kombiniert es mit Baguettestangen à la Dalí. Mit dem Foto Chair greift sie die soziale Plastik Erwin Wurms auf.

Csilla Klenyánszki, French Loaf (Reminiscence of Being a Woman), © Csilla Klenyánszki, courtesy WAGNER + PARTNER

Als 30-Minuten-Installationen bezeichnet die Künstlerin die Serie Pillars of Home, in der sie aus ihrem häuslichen Lebensumfeld scheinbar zufällig ausgewählte Alltagsgegenstände zu fragilen Gebilden auftürmt. Diese absurden, wie unter dem Ticken einer Stoppuhr entstandenen Skulpturen, die Klenyánszki in einer Fotoserie von 98 Arbeiten festgehalten hat, überzeugen einerseits durch ihre Bild- und Farbkomposition, durch ein Spiel mit Gegenständlichkeit, Dynamik und Abstraktion. Sie vereinen Gegenstände des künstlerischen Schaffens wie ein Fotostativ mit Freizeit- und Haushaltsgegenständen als Symbole einer Lebenswelt. Andererseits werfen Klenyánszkis Installationen die Frage auf, was es bedeutet, freischaffend und junge Mutter zu sein. Hier erhält ihre Suche nach dem Gleichgewicht eine andere Dimension. Vorsichtig in ein Equilibrium gebracht und eingeklemmt zwischen Fußboden und Zimmerdecke, erhalten zerbrechliche Zustände eine gewisse vorübergehende Stabilität.

Csilla Klenyánszki wurde 1986 in Budapest geboren. Sie lebt und arbeitet in Amsterdam. Nach einem Studium der Literatur- und Kommunikations- wissenschaften in ihrer Heimatstadt studierte sie 2008 – 2012 Fotografie an der Willem-de-Kooning-Academy in Rotterdam. Nach einer Förderung durch das Centrum Beeldende Kunst Rotterdam erhielt sie 2016 ein Stipendium des Mondriaan Fonds, Amsterdam, mit dessen Preisgeld sie u. a. das Programm Mothers in Arts ins Leben gerufen hat.

Textquelle | Bildquelle


Abfallprodukte der Liebe

Opening: 17.05.2018, 19 Uhr
Laufzeit: 18.05.2018 – 12.08.2018

Akademie der Künste | Pariser Platz 4| 10117 Berlin

Die Ausstellung „Abfallprodukte der Liebe” widmet sich drei Kunst- schaffenden, die lebenslang eine intensive Freundschaft miteinander verbunden hat: der Fotografin, Kamerafrau und Regisseurin Elfi Mikesch, dem Filmemacher und Aktivisten Rosa von Praunheim und dem Theater-, Opern- und Filmregisseur Werner Schroeter (1945–2010). Der Ausstellungstitel „Abfallprodukte der Liebe” bezieht sich auf Werner Schroeters Poussières d’amour (1996), einen Film über das Entstehen und die Vergänglichkeit der Kunst und eine große Hommage an die Oper.

Filmstill aus Die Bettwurst (1971) von Rosa von Praunheim © Rosa von Praunheim

Jean Cocteau sagte einmal, das Filmemachen bedeute, dem Tod bei der Arbeit zuzusehen. Ich hielt dagegen, dass man ihn im Film und auf der Bühne proben, inszenieren, wiederholen kann. Die Kunst vermag die Zeit anzuhalten und melancholisch mit der Wiederkehr des Lebens zu spielen.

(Werner Schroeter, Tage im Dämmer, Nächte im Rausch, Aufbau-Verlag, Berlin 2011)

Die „Poetin”, der „Politische” und der „Ästhet”, wie Rosa von Praunheim es formuliert, haben ihre gemeinsamen Wurzeln in der Westberliner Subkultur. Ihre Werke prägen seit den 1960er Jahren den Bilderkanon des künstlerischen Undergrounds. Sie treten offensiv für divergierende Sexualitäten ein, sie verweigern Konventionen als Lebensprinzip und künstlerische Position zugleich. Alle drei sind sie Grenzgänger zwischen den Künsten. Auf der Suche nach „anderen Filmen, anderen Bildern und anderen Lebensformen”, so Elfi Mikesch, sind ihre Arbeiten ebenso vom amerikanischen Experimentalfilm wie von Parodien auf die Trivialkultur inspiriert und in eigenen Handschriften fortgeschrieben.

Filmstill aus Salome (1971) von Werner Schroeter, Foto © Elfi Mikesch

Mit Fotografien, Filmen, Zeichnungen, Klanginstallationen und Dokumenten zeigt die Ausstellung erstmals die vielfältigen ästhetischen und biografischen Wechselbeziehungen untereinander. Die künstlerische Freundschaft – in all ihren Spannungen und Widersprüchen – wird zu einem biografischen Motiv verdichtet, das die Räume miteinander verbindet. „Abfallprodukte der Liebe” schlägt mit aktuellen Arbeiten von Elfi Mikesch und Rosa von Praunheim eine Brücke über fünf Jahrzehnte bis zur Gegenwart.

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

Textquelle | Bildquelle


Mari Nagem & Joaquin Margulis Luchsinger. Routine & Happiness

Laufzeit: 16.05.2018 – 26.05.2018

SomoS | Kottbusser Damm 95 | 10967 Berlin

Auf der Suche nach Glück sind wir wie der Esel, dem eine Karotte vorgehalten wird. Mit diesem allzu menschlichem Verhalten setzt sich die Ausstellung Routine & Happiness auseinander. Die Künstler Joaquin Margulis Luchsinger (Chile) und Mari Nagem (Brasilien) stellen in ihrer gemeinsamen Ausstellung die Monotonie des Alltags mit all seinen Verpflichtungen der Suche nach Glück gegenüber. Dabei verwenden sie Video-, Klangkunst-, Multimedia-, Malerei- und Installationstechniken.

Routine & Happiness, Mari Nagem, installation view, 2018 © SomoS

Die Arbeit von Mari Nagem zeigt, wie der Begriff des Glücks kommerziell verwendet und als Mittel zur Motivation benutzt wird, um uns in einem Leben, das von Routine geprägt ist, glücklich zu machen. Immer häufiger wenden wir uns unseren digitalen Geräten zu, um uns abzulenken und zu belohnen und Gemeinschaft und Selbstvertrauen zu suchen. Wir sind fortwährend umgeben von einer Bilderwelt, die aus Symbolen von Glück, dem Paradies und Reichtum besteht. Auch wenn wir die Künstlichkeit und Flüchtigkeit dahinter erkennen, reagieren wir immer wieder auf die Reize, die sie aussenden. Nagems Arbeit stellt die Künstlichkeit des Strebens nach Glück dar, das durch die Erforschung von Messbarkeit und Reproduktion menschlicher Emotionen bestimmt wird.

In seinen Ton-Installationen verstärkt Luchsinger die Geräuschkulisse von Arbeit und Industrie, die uns rund um die Uhr umgibt, zu einem hörbaren Smog der Produktivität, in dem sich die Wirtschaft auf Hochtouren dreht. Nach einer Weile wird das ständige Wiederholen der Töne zenartig und ermöglicht die Wahrnehmung von Zwischentönen und Widerhall. Im Gegensatz zu diesem nicht enden-wollenden Gleichklang steht Luchsingers collagenartige Malerei, die abstrakten Expressionismus mit schematischen, geometrischen Elementen kombiniert — eine autobiografische Hommage daran, wie der Akt des Malens den Künstler von Konventionen und Verhaltensnormen befreite. Luchsinger stellt die methodische Mechanik seiner Klangskulpturen und die abstrakte Improvisation seiner Bilder nebeneinander und schafft so einen Dialog zwischen äußeren und inneren Klängen.

Während auf gesellschaftlicher Ebene ein erheblicher Konformitätsdruck besteht, wird von uns gleichzeitig ein hohes Maß an Selbstoptimierung und idealisierter Individualität erwartet. Beide Künstler wollen Apathie und Gleichgültigkeit in Frage stellen und die Leere eines Lebens aufdecken, das von Routine oder dem Streben nach vorgefassten Vorstellungen von Glück bestimmt wird.

Routine & Happiness, Mari Nagem, installation view, 2018 © SomoS

Über Mari Nagem
Mari Nagem (* 1984 in Belo Horizonte) lebt und arbeitet in São Paulo. Nagem hat einen Master in bildender Kunst der Genfer Haute École d’Art et Design. In ihren aktuellen Arbeiten untersucht sie die Künstlichkeit von Landschaften, die Umweltveränderungen durch Technologie und dem menschlichen Eingriff in die Natur, und hält diese mit digitalen Medien fest. Sie möchte erfahren, wie menschliche Gedanken und Handlungen die Umwelt verändern können, indem sie künstliche Horizonte und wechselnde Realitäten erschafft.

Über Joaquin Margulis Luchsinger
Joaquin Margulis Luchsinger wurde 1990 in Santiago, Chile, geboren. Er schloss sein Studium mit Auszeichnung an der Escuela de Artes Visuales de la Universidad Finisterrae ab. In seinen Arbeiten spielt das Experimentieren mit Klängen und Tönen eine große Rolle. Er teilt seine künstlerische Arbeit in zwei Kategorien: Zum einen sucht er über das Objekt nach dem Klang, zum anderen wendet er Konzepte aus der Welt der Klänge mit verschiedenen künstlerischen Mitteln an, um ein Bild zu erschaffen.

Textquelle | Bildquelle


Innovationen! Zukunft als Ziel

Opening: 17.05.2018, 19:30 Uhr
Laufzeit: 18 ‐ 04

Zeppelin Museum Friedrichshafen |Seestraße 22 | 88045 Friedrichshafen

Das Zeppelin Museum ist ein Haus, das sich mit den Fragen der Zukunft – damals und heute – befasst. „Innovationen! Zukunft als Ziel“ lautet daher der programmatische Titel der neuen Ausstellung. Sie blickt auf das innovative Potenzial der Unternehmen des von Graf Zeppelin gegründeten Konzerns zurück und wagt zugleich den Blick nach vorn.

Textquelle | Bildquelle

Wir wünschen ein schönes ARTWEEKEND!

Leave a Reply