ARTWEEKEND TIPS – Woche 23/2018

10. Berlin Biennale: We don’t need another hero, Berlin  //  Ludwig Schirmer. Mensch-Maschine, Galerie Für Moderne Fotografie  //  BerlinZEIT – Geschichte kompakt, Märkisches Museum  //  Claudia Märzendorfer. de-composition, Meinblau Projektraum  //  Prabhavathi Meppayil. b/seven eighths, Esther Schipper

 


10. Berlin Biennale: We don’t need another hero

Opening: 08.06.2018, 19 – 22 Uhr [an allen Ausstellungsorten]
Laufzeit: 09.06.2018 — 09.09.2018

Berlin Biennale | diverse Standorte | Berlin

Mit dem Titel We don’t need another hero versteht sich die 10. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst als Dialog mit Künstler*innen und anderen Beitragenden. Die Beteiligten setzen sich mit den anhaltenden Ängsten und Sorgen in unserer heutigen Zeit auseinander – Ängste, die durch die Missachtung komplexer Subjektivitäten vervielfacht werden – und denken und handeln in ihrer Auseinandersetzung über den Kunstkontext hinaus.

Dineo Sheshee Bopape, Untitled (Of Occult Instability) [Feelings], 2016–18, Ziegelsteine, Licht, Geräusche, Videos, Wasser, gerahmte Serviette, Installationsansicht (Detail) , 10. Berlin Biennale, KW Institute for Contemporary Art, Berlin, Mit Arbeiten von: Jabu Arnell, Discoball X, 2018, Lachell Workman, Justice for___, 2014, Robert Rhee, EEEERRRRGGHHHH und and ZOUNDS (beide aus der Serie Occupations of Uninhabited Space, 2013–fortlaufend), 2015, Courtesy Dineo Seshee Bopape, Jabu Arnell, Lachell Workman, Mo Laudi, Robert Rhee, Foto: Timo Ohler
Ausgehend von Europa, Deutschland und Berlin als einer Stadt, die mit der Welt im Dialog steht, stellt sich die 10. Berlin Biennale dem aktuell weitverbreiteten Zustand einer kollektiven Psychose. Mit dem Verweis auf Tina Turners Song We Don’t Need Another Hero aus dem Jahr 1985 nehmen wir Bezug auf eine Zeit unmittelbar vor großen geopolitischen Verschiebungen, die mit Regimewechseln und neuen historischen Protagonist*innen einhergingen. Die 10. Berlin Biennale bietet jedoch keine kohärente Interpretation von Geschichte(n) oder Gegenwart. Wie der Song lehnt sie die Sehnsucht nach einer Heldenfigur ab. Demgegenüber erkundet die 10. Berlin Biennale das politische Potenzial von Strategien der Selbsterhaltung. Dabei verweigert sie sich jedoch starren Wissenssystemen und standardisierten historischen Narrativen, die zur Entstehung toxischer subjektiver Sichtweisen beitragen. Stattdessen interessieren wir uns für alternative Konfigurationen von Wissen und Macht, die Widersprüche und Komplikationen zulassen.

I’m Not Who You Think I’m Not, das öffentliche Begleitprogramm der 10. Berlin Biennale, gab bereits im Juli 2017 die künftige Richtung vor. Die Auftaktveranstaltung fand in Zusammenarbeit mit der unabhängigen Bildungsinitiative Each One Teach One (EOTO) e. V. in Berlin statt. Darauf folgte im September 2017 eine Podiumsdiskussion in Johannesburg in Kooperation mit der FNB JoburgArtFair. Auch im Rahmen des öffentlichen Programms stellen wir generelle Zuschreibungen bezüglich des Daseins und Know-hows infrage. Diese Zuschreibungen basieren in der Regel auf gesellschaftlichen Konstrukten und den damit verknüpften Zuordnungen zu bestimmten Subjektkonstitutionen. Von der Konzeption der 10. Berlin Biennale bis zu ihrem Abschluss im September 2018 stellt das öffentliche Programm Situationen her, die sich diesen Zuordnungen entziehen, und bietet gleichzeitig eine aktualisierte Grammatik zum Umgang mit der Gegenwart an.

Sam Samiee, A Map of the Sky (from the series The Unfinished Copernican Revolution) (Detail), 2018, Acryl auf Leinwand, japanisches Reispapier, Papier, Holz, Drucke (iPad-Malerei), Balsaholz, Holzplatten, Klebstoff, Maße variabel, Courtesy Sam Samiee

Ausstellungsorte

Akademie der Künste | Hanseatenweg 10 | 10557 Berlin

KW Institute for Contemporary Art | Auguststraße 69 | 10117 BerlinVolksbühne Pavillon | Rosa-Luxemburg-Platz | 10178 Berlin
ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik | Siemensstraße 27 | 10551 Berlin
HAU Hebbel am Ufer | Hallesches Ufer 32 | 10963 Berlin

In Koproduktion mit dem HAU zeigt das HAU2 zwei Performances (15. & 16. Juni 2018) und eine temporäre Ausstellung (9. & 10. sowie 13. – 16. Juni 2018)

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Ludwig Schirmer. Mensch-Maschine

Opening: 07.06.2018, 19 Uhr
Laufzeit: 08.06.2018 – 28.07.2018

Galerie Für Moderne Fotografie | Schröderstrasse 13 | 10115 Berlin

Eine Frau steht in einem Feld aus Stahlkörpern. Ein Mann sitzt zwischen übergroßen organisch geformten zylindrischen Körpern. Ein anderer schraubt an einem riesigen Strahlrad, ein weiterer befindet sich als kleiner Punkt inmitten dieses gewaltigen Rades. Beim Betrachten diese Bilder ist man vielmehr an die utopischen Szenen aus Fritz Langs „Metropolis“ erinnert und hat weniger das eigentliche Geschehen vor Augen: den spröden Alltag in den Fabriken der DDR.

Mit der nahezu filmischen Inszenierung der Maschinen hat Ludwig Schirmer Bilder aufgenommen, die Rätsel aufgeben. Wer beherrscht hier wen? Haben die Maschinen die Kontrolle über die Menschen erlangt?

Ludwig Schirmer. Mensch-Maschine © Ludwig Schirmer

Fast scheint es, als würden die Personen neben den Metall-, Stahl- und Eisenkonstruktionen nur noch bloßes Beiwerk sein. Auf einigen Bildern wirken die Frauen und Männer abwesend bis apathisch, auf einigen anderen scheinen sie mit ihrem Arbeitsgerät zu verwachsen. Trotzdem sind die Personen nicht wegzudenken. Die Spannung der Bilder wird vor allem durch der Beziehung zwischen Mensch und Maschine erzeugt. Dieses Zusammenspiel setzt Schirmer auch durch die künstliche Beleuchtung perfekt in Szene.

All diese Fotografien sind zwischen den 1960er- und 1970er-Jahren in den unterschiedlichsten Betrieben in der DDR entstanden. Die Aufnahmeorte sind nicht mehr eindeutig zu rekonstruieren, reichen jedoch von Fabriken der Schwerindustrie bis zur Verarbeitungsindustrie.

Ludwig Schirmer (1929 – 2001) arbeitete in der DDR als erfolgreicher Werbefotograf. Zur Fotografie kam er über Umwege: Als gelernter Müllermeister eignete er sich das Fotografieren im Selbststudium an. Später erhielt er zahlreiche Aufträge von großen Messen, Außenhandelsfirmen und Industriekombinaten. Vermutlich hatte er durch seine Tätigkeiten in der Werbebranche Zugang zu den ansonsten nicht öffentlichen Industriebetrieben.

In der DDR stand der gesamte Wirtschaftssektor, also auch alle Industriebetriebe, unter staatlicher Kontrolle. Alle Produktionsmittel und Erzeugnisse waren staatliches Eigentum. In Schirmers Bildern spielt das jedoch keine große Rolle. Ihn interessierten vor allem die Form und die Ästhetik der Maschinen und Produkte. Lediglich eine Detail verrät etwas über die Arbeitswelt im realsozialistischen Staat: Der außerordentlich hohe Anteil an in der Industrie arbeitenden Frauen. Dieser lag 1970 in der DDR bei 41 %.

© Ludwig Schirmer

Ludwig Schirmers Schwarz-Weiß-Fotografien erinnern teilweise auch an die sozialdokumentarische Fotografie. Diesen Anspruch hatte er mit diesen Bildern jedoch nicht. Weder wollte er den Zustand der Fabriken aufzeigen, noch ein Porträt über die Arbeiterinnen und Arbeiter anfertigen. Auch war Schirmer kein Pressefotograf. Die filmische Inszenierung der Bilder beweist das. Sein Interesse galt im Wesentlichen der Suche nach dem bestmöglichen Foto.

Ergänzend zu inszenierten Fabrikaufnahmen ist eine kleine Auswahl an Porträtfotografien zu sehen. Hier steht der Mensch in seiner Rolle als Arbeiter oder Arbeiterin im Mittelpunkt. Die Personen sind in ihrem direkten Arbeitsumfeld in Szene gesetzt. Ähnlich wie August Sanders Gesellschaftsporträts aus dem frühen 20. Jahrhundert handelt es sich bei diesen Aufnahmen um typologische Studien, die viel mehr über gesellschaftliche und politische Umstände, als über Persönlichkeit oder Charaktermerkmale des Einzelnen erzählen.

Die in der Ausstellung gezeigten Fotografien aus den Industriebetrieben waren lange unbekannt. Seine Tochter Ute Mahler – ebenfalls Fotografin – entdeckte diese erst nach seinem Tod. Zusammen mit unzähligen anderen Fotografien befanden sich diese Aufnahmen auf Negativfilmrollen und Großformat-Negativen , wovon Ute Mahle neue Abzüge anfertigte. Die „Galerie für moderne Fotografie“ konnte bereits zwei Ausstellungen über Ludwig Schirmer in den Räumen der Central Gallery Berlin präsentieren: „Die Allee. Fotografien von Ute Mahler und Ludwig Schirmer“, 2015 sowie „Das Baukastensystem. Fotografien von Ludwig Schirmer“, 2017.

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BerlinZEIT – Geschichte kompakt

Opening: 10.06.2018, 14 – 22 Uhr
Laufzeit: 10.06.2018 bis auf Weiteres

Märkisches Museum | Am Köllnischen Park 5 | 10179 Berlin

Ab dem 10. Juni präsentiert das Märkische Museum seine neue Dauerausstellung BerlinZEIT – Geschichte kompakt und nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Zeitreise in die prägendsten Kapitel der Stadtgeschichte. Dabei wird Berlin anhand von 18 historischen Momenten als Stadt der Vielfalt und der Offenheit, aber auch als Stadt der radikalen Veränderung thematisiert. Auf zeitgemäße Weise wird Berliner Geschichte lebendig und interaktiv vermittelt.

„Die neu konzipierte Dauerausstellung zeichnet sich durch eine klare Chronologie aus, die sich an herausragenden Ereignissen orientiert und diese aus wechselnden Perspektiven betrachtet. Wir wollen damit Anknüpfungspunkte für unterschiedlichste Besuchergruppen bieten und über vielfältige partizipative Angebote dazu einladen, am kulturellen Leben und Erbe Berlins teilzuhaben und teilzunehmen.“ erläutert Paul Spies, Direktor des Stadtmuseums Berlin.

Rapper Romano © Stadtmuseum Berlin, Foto: Bella Lieberberg

Berlin verstehen – in knapp einer Stunde

Drei Leitgedanken prägen die neue Dauerausstellung: Stadtentwicklung durch Zerstörung, Konflikt zwischen Staat und Stadt bzw. Herrscher und Untertanen sowie Vielfalt und Toleranz. Dabei konzentriert sich der chronologische Rundgang im ersten Obergeschoss auf zentrale Eckpunkte der Berlin-Geschichte von der Eiszeit bis heute, denn BerlinZEIT soll in maximal einer Stunde für alle Interessierten die Geschichte und das Wesen der Stadt verständlich machen.

Der Rundgang beginnt mit einem visuellen Highlight. Ein großformatiger Stadtplan im Comic-Stil visualisiert auf den ersten Blick unterschiedliche Geschichten, Gebäude und Objekte der Stadt. Im selben Raum lädt Paul Spies das Publikum zu einer filmischen Radtour durch „sein“ Berlin ein. Speziell für Kinder gibt es ein interaktives Quiz rund um Berlins Töne, Klänge und Geräusche. In den folgenden Ausstellungsräumen repräsentieren bemerkenswerte archäologische Einzelfunde die historischen Momente weit über die Gründung der Stadt hinaus. In mehreren Räumen widmet sich die Ausstellung der Geschichte Berlins seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Gezeigt werden unter anderem einige erst vor wenigen Jahren auf dem Tempelhofer Feld geborgenen Reste des ehemaligen KZ Columbia-Haus. Der letzte Raum des Rundgangs thematisiert die Veränderungen, die der Mauerfall 1989 mit sich brachte.

Verweilen und Vertiefen

Das zweite Obergeschoss des Märkischen Museums, in dem sich mit der Waffenhalle, dem Zunftsaal und der Gotischen Kapelle historische Stimmungsräume aus der Anfangszeit des 1908 eröffneten Museums befinden, wurde als Ruhe- und Vertiefungsebene der Ausstellung nur behutsam verändert, um den einzigartigen Charakter des Hauses zu bewahren. Mit der heraus-ragenden Sammlung mechanischer Musikinstrumenten bleibt ein Highlight der bisherigen Dauerausstellung erhalten. In direkter Nachbarschaft lädt eine Jukebox aus dem Jahr 1962 anhand von 80 digitalisierten Titeln zu einer akustische Reise durch die letzten 70 Jahre Musik aus und über Berlin ein. Um Einblicke in die Vielfalt der mehrere Millionen Objekte umfassenden Sammlungen des Stadtmuseums Berlin zu bieten, wird im Raum „Berlin heute“ ein „Objekt des Monats“ vorgestellt. Im „Foto-Grafischen Kabinett“ werden Grafiken und Fotografien zu wechselnden Themen präsentiert. Den Anfang macht hier der berühmte „Pinselheinrich“ Zille.

Willem Frederik van Roye, Mohrrübe, Berlin, 1699 © Stadtmuseum Berlin | Foto: Christel Lehmann, Berlin

Partizipation und Innovation

Grundlegend für die Konzeption von BerlinZEIT war der Gedanke, ganz unterschiedlichen Besucherinnen und Besuchern jeden Alters einen leicht verständlichen und unterhaltsamen Zugang zur Berliner Geschichte zu bieten: Familien wie Individualisten, hier Geborenen wie den vielen Neuberlinerinnen und -berlinern. Ein ganz besonderes Highlight und wesentlicher Bestandteil der Ausstellung ist der Audioguide, der entlang ausgewählter Objekte durch die Stadtgeschichte führt. Hier kommen Berlinerinnen und Berliner aus Vergangenheit und Gegenwart zu Wort – wie der Rapper Romano, der auf ganz eigene Art und Weise seine Lieblings-Exponate vorstellt. An vier historischen Momenten experimentiert BerlinZEIT mit aufwendigen Medieninstallationen: „Eiszeit“ bietet einen interaktiven Zugang zu den Auswirkungen der jüngsten Kaltzeit im Berliner Raum, „Zeitrad“ erlaubt den historischen Vergleich mit anderen Metropolen und „Zerstörtes Berlin“ gibt einen detaillierten Blick auf die Verwüstung der Berliner Quartiere im Zweiten Weltkrieg. Die „Berlin Wall of Sound“ bietet ein außergewöhnliches Klangerlebnis und soll vor allem der jüngeren Generation eine emotionale Begegnung mit Mauerbau und Mauerfall ermöglichen.

Das Märkische Museum lädt anlässlich seines 110. Geburtstages am 10. Juni zu einem großen Tag der offenen Tür mit Museumsfest ein. Im Museum und im angrenzenden Köllnischen Park gibt es von 10 bis 22 Uhr ein buntes Programm. Musikalischer Stargast des Tages ist Romano.

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Claudia Märzendorfer. de-composition

Opening: 07.06.2018, 19 Uhr
Laufzeit: 08.06.2018 – 24.06.2018

Meinblau Projektraum | Auf dem Pfefferberg, Haus 5 | Christinenstr. 18-19 | 10119 Berlin

Viele Werke der österreichischen Künstlerin Claudia Märzendorfer transferieren das Ephemer-Flüchtige des Klangs ins Visuelle. Bei ihr sind Objekte häufig nur temporär und prozesshaft: Wandzeichnungen verflüchtigen sich, aus Eis hergestellte Schallplatten schmelzen beim Abspielen. So entstehen poetische Bilder und Plastiken, deren Auflösung schon mit ihrer Präsentation einsetzt.

Music typewriter, 2017, Temporäre Eisarbeit: Abguss aus Tinteneis, 50 x 35 x 20 cm @claudia märzendorfer

Die Ausstellung »De-Composition« im Meinblau Projektraum kombiniert eine neue Fassung ihrer Eisskulptur »Music Typewriter« mit der neuen Arbeit »smashed to pieces« — einer filmisch-klanglichen Aufnahme der Zerlegung eines Flügels. Zu erleben ist eine konzertierte Aktion, ein Live-Act, bei dem sich die Form und der Klang des Instruments allmählich verändern — von einem kompakten funktionierenden Gefüge zu einer Ansammlung unterschiedlicher Formen.


Prabhavathi Meppayil. b/seven eighths

Opening: 08.06.2018, 18 – 21 Uhr
Laufzeit: 08.06.2018 – 11.08-2018

Esther SchipperPotsdamer Strasse 81E | 10785 Berlin

Esther Schipper freut sich, die erste Einzelausstellung von Prabhavathi Meppayil mit der Galerie anzukündigen. Die Ausstellung mit dem Titel b/seven eighths umfasst vier Werkgruppen.

Prabhavathi Meppayil überträgt in ihren Arbeiten Techniken und Materialien, welche mit dem angestammten Handwerk der Goldschmiedekunst verbunden sind, in eine zeitgenössische plastische Sprache, die zum modernistischen Kanon gehört, sei es durch Einbettung von Metalldrähten in Schichten aus weißem Gesso oder durch die Markierung seiner Oberfläche mit traditionell von Goldschmieden verwendeten Werkzeugen. Meppayils Praxis ist prozessorientiert und konzentriert sich auf Materialien und Werkzeuge. Wie sie selbst sagt: “Die mit Werkzeugspuren gefüllten Tafeln [sind] die Abstraktion des Klopfgeräusches des Werkzeugs.”

se/one half, 2017-2018, ist eine 12-teilige Installation aus Gesso-Paneelen mit eingebetteten Kupferdrähten. Im Zusammenspiel mit den architektonischen Gegebenheiten des Raumes scheinen die 12 horizontalen Paneele, von niedrigen Sockeln getragen, unter dem Oberlicht des Raumes über dem Boden zu schweben.

Prabhavathi Meppayil, se/hundred and eight, 2018 (detail), Photo © Manoj Sudhakaran

se/hundred and five, 2017, se/hundred and eight, 2018, und se/hundred and nine, 2018, bestehen aus drei Gruppen von Gesso-Paneelen, die mit Thinnam gestempelt sind – einem Werkzeug, welches von Handwerkern verwendet wird, um Muster auf Goldarmbändern zu prägen. Die Form des Paneels wird durch die Form der Prägung des Werkzeugs bestimmt. Die Spuren und Abdrücke auf den Platten variieren je nach Kraft und Winkel, mit welchen die Metallspitze auf die Oberfläche des Kalkes trifft. Der Bezug zum Werkzeug aus der Schmuckherstellung findet sich auch in einem neuen, eigens für diese Ausstellung konzipierten Werk: zwei Betonskulpturen – oder Gussformen – mit Kupferdetails, die die stark vergrößerte Form der Werkzeuge/Formen als Ausgangspunkt nehmen.

Für se/hundred and twelve, 2018, eine Wandinstallation aus gefundenen Objekten aus Stahl, arbeitete Meppayil mit den eigentlichen Werkzeugen zur Schmuckherstellung. Die originalen Werkzeuge, welche beinah obsolet sind, werden traditionell in Handarbeit hergestellt, indem ein Urmodell auf geschlagenes heißes Roheisen geprägt wird. Durch die Anordnung an der Wand als Raster/Komposition, befreit von seinem ursprünglichen Zweck und Kontext, wird das Werkzeug zu einem porösen Objekt, offen für viele Möglichkeiten und Lesarten.

Prabhavathi Meppayil wurde 1965 in Bangalore, Indien, geboren, wo sie heute lebt und arbeitet. Sie studierte an der Bangalore University und der Ken School of Art, Bangalore. Meppayils Arbeiten wurden in zahlreichen Institutionen, insbesondere in Indien und Europa, ausgestellt. Im Jahr 2014 hatte sie eine Einzelausstellung in der American Academy in Rom, nine seventeen: Prabhavathi Meppayil, und im Jahr 2013 wurde ihre Arbeit in der 55. Biennale von Venedig gezeigt: The Encyclopedic Palace curated by Massimiliano Gioni. Zuletzt nahm die Künstlerin am Dhaka Art Summit 2016 in Bangladesch, an der Kochi-Muziris Biennale, 2017, an der Yokohama Triennale 2017 und Anfang des Jahres an der Sydney Biennale 2018 teil.

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Wir wünschen ein schönes ARTWEEKEND!

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