ARTWEEKEND TIPS – Woche 25/2018

Loredana Nemes, Berlinische Galerie  // Betreten auf eigene Gefahr, Ein Vorschlag die Perspektive zu wechseln, Galerie aquabitArt   // An Atlas of Commoning: Orte des Gemeinschaffens, Kunstraum Kreuzberg/Bethanien  //  Personae – Verhalten & Authentizität, SomoS  // Ann-Kathrin Müller, Die Phaläne, EIGEN+ART Lab

 


LOREDANA NEMES

Opening: 21.06.2018, 19 – 23 Uhr
Laufzeit: 22.06.–15.10.2018

Berlinische Galerie |Alte Jakobstraße 124-128 | 10969 Berlin

Loredana Nemes (* 1972) traut sich etwas – Zeit für eine Entdeckung. Entdeckungslust und Künstlerinnen haben einen hohen Stellenwert im Programm der Berlinischen Galerie. Das Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur besitzt bereits 23 Werke der Fotokünstlerin mit rumänischen Wurzeln. Ihre erste Einzelausstellung in einem Kunstmuseum umfasst ca. 120 Fotowerke – im Zentrum stehen Menschenportraits, die Poesie und der Surrealismus des Alltags.

Loredana Nemes, Gier #18, 2014–2017 © Loredana Nemes

Nemes fokussiert schon lange auf soziale und heute hochpolitisch relevante Themen wie Identität und Persönlichkeit. Mit den Stilmitteln der Schärfe, Unschärfe und Abstraktion reflektieren ihre Bilder zum Teil auch Unsicherheiten, Unwissen und Ängste der Betrachter*innen. Nemes‘ Vorteil und Motor sind ihre Erfahrungen aus drei verschiedenen Kulturkreisen: Rumänien, ihr Geburtsland, Iran, ein Zwischenaufenthalt in ihrer Kindheit, und die Bundesrepublik. Zunächst hatte sie Mathematik und Germanistik studiert, in Berlin entschied sie sich dann für einen weiteren Neuanfang: eine Laufbahn als freie Fotografin. Inzwischen gab es zahlreiche Galerie-Ausstellungen und Publikationen zu Nemes, deren Werke sich bereits in verschiedenen Sammlungen befinden: Folkwang Museum Essen, Deutsches Historisches Museum Berlin, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, DZ Bank Kunstsammlung Frankfurt und Cleveland Clinic Art Collection.

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Betreten auf eigene Gefahr
Ein Vorschlag die Perspektive zu wechseln

Opening: 21.06.2018, 19 – 23 Uhr
Laufzeit: 22.06.2018 – 13. 07.2018

Galerie aquabitArt | Auguststraße 35 | 10119 Berlin

Ortsspezifische künstlerische Intervention / Pascal Brateau

Die Installation des französischen Künstler-Architekten Pascal Brateau hat die Absicht eine gewisse “Raumwende” zu schaffen, die auf dem urbanen Kontext und dem Volumen des Veranstaltungsortes basiert. Die Kunstwerke zwischen Skulptur und architektonischer Anordnung erkunden den Raum der Galerie – insbesondere die beiden bestehenden Ebenen und die kleine Treppe, die sie miteinander verbindet. Die Installation konzentriert sich auf die Möglichkeit die Umwelt zu erkunden, indem die gewöhnliche Perspektive verändert wird.

palito’s house, 2012, toothpick, wooden box, 7x7x7cm

Die ausgestellten Kunstwerke hinterfragen das Bild und die Wahrnehmung des Hauses im kollektiven Bewusstsein als einen sicheren, aber verwundbaren Raum für die Existenz. Wesentlich in dieser künstlerischen Intervention ist die Vieldeutigkeit der Werke:
– Das zentrale Stück, die poetische Holzstruktur “Vanité / Eitelkeit”, wendet das Prinzip des Palindroms (das gleiche rückwärts und vorwärts lesen) an und konzentriert sich auf die Dualität von Leere und Fülle;
– Die angebliche Transparenz von “Palitos House” zeigt einen geschlossenen und unzugänglichen Zaun;
– Die Skulptur-Zeichnungen “casa dos bicos” und “exTRAIT” enthalten den Akt der Gewalt und fordern  zugleich das Gefühl der Sicherheit.

Betreten auf eigene Gefahr bezieht sich auf die Möglichkeit, die Konstruktion auf eigene Gefahr zu  rforschen, sie erscheint aber auch als Hinweis auf unsere eigene Verantwortung Entscheidungen zu treffen,  bestimmte Standpunkte zu wählen und entsprechend Meinungen zu bilden.

Vanite, 2012, Pascal Brateau

Die Ausstellung ist Teil des neuen “Architecture + Art Weekends” (30. Juni + 1. Juli 2018), das sich auf das Thema “Berlin Remixing” von Festival “Make City” (14. Juni – 1. Juli 2018) und den “Tag der Architektur” (23. + 24. Juni 2018) bezieht. Dieser Kontext bietet weitere Möglichkeiten für einen kooperativen Dialog zwischen Künstlern und Architekten, Stadtplanern, Landschaftsarchitekten und Stadtverwaltungen. “In Bezug auf die Beziehung zwischen Künstlern und Stadtmachern ist der öffentliche und private Ort ein schwieriger, gemeinsamen Platz, der mit Missverständnissen behaftet ist. Wir wollen diese eng sitzenden Disziplinen miteinander verbinden und einen Spielplatz für Diskussionen anbieten.” Pascal Brateau in 2017.

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An Atlas of Commoning: Orte des Gemeinschaffens

Opening: 22.06.2018, 19 Uhr
Laufzeit: 23.06.2018 – 26.08.2018

Kunstraum Kreuzberg/Bethanien | Mariannenplatz 2 | 10997 Berlin

Facebook, Airbnb & Co., deren Geschäftsmodell auf der Kommerzialisierung sozialer Beziehungen beruht, haben Begriffe wie Community oder Sharing in leere Worthülsen verwan­delt. Konzepte wie ‚Wir‘ oder ‚Teilen‘ stehen nicht mehr für Solidarität oder eine progressive ge­sellschaftliche Agen­da, sondern bilden die Grundlage des aufkommenden Plattformkapitalismus. Begleitet wird diese ökonomische Entwicklung von einer weltweiten politischen Wende, die sich aus überkom­me­nen Gemeinschaftsvorstellungen von Identität und Zugehörigkeit, Ausgrenzung und Diskriminierung speist.

City Plaza Hotel, Refugee Accommodation and Solidarity Space City Plaza, Athens, Greece, 2017.© We Are City Plaza Photo Project / Xiaofu Wang and Claude Somot

Vor diesem Hintergrund will das Ausstellungs- und Publikationsprojekt An Atlas of Commo­ning den offenen und emanzipatorischen Raum des Wir zurückerobern und neu definieren. Das Projekt fokussiert dabei auf städtische Gemeingüter, worunter hier die Schaffung und Bewirtschaf­tung (materieller und immaterieller) kollektiver Ressourcen und Räume als Grundlage demo­kra­tischer Teilhabe verstanden wird. Dies bringt die Wortneuschöpfung commoning beziehungsweise ‚gemeinschaffen‘ zum Ausdruck.

Ausgangspunkt der Ausstellung bildet ein Atlas, ein visuelles Archiv mit vielfältigen Fallbeispie­len aus Geschichte und Gegenwart. Der Atlas, der von ARCH+ in Zusammenarbeit mit der School of Architecture der Carnegie Mellon University erarbeitet wird, präsentiert zunächst 25 ausge­wählte Projekte des Gemein­schaffens. Diese werden im Zuge der Ausstellungstournee an verschie­denen Orten unter Mitwirkung lokaler Akteure ergänzt und bilden so als offenes Wissensarchiv eine wertvolle Dokumentation lokaler Grassroots-Projekte.

Die Laube, Quest – Florian Köhl and Christian Burkhard, Prinzessinnengarten, Common Grounds e.V. and Nachbarschaftsakademie, Berlin, Germany, 2016. Photo: Marco Clausen © Marco Clausen / Prinzessinnengarten

Der Atlas geht in eine vertiefte Untersuchung der drei thematischen Spannungsfelder Eigentum – Zugang, Produktion – Reproduktion sowie Recht – Solidarität über. Künstlerische Arbeiten eröffnen darüber hinaus weitere Zugänge zum Thema. Im Rahmen der Ausstellung erscheint eine Ausgabe von ARCH+, die einen weitreichenden Einblick in wichtige theoretische Positionen und praktische Beispiele gibt.

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Personae – Verhalten & Authentizität

Opening: 22.06.2018, 18-21 Uhr
Laufzeit: 23.06.2018 – 24.06.2018

SomoS Kottbusser Damm 95 | 10967 Berlin

Es gibt in dieser Welt nichts und niemanden, dessen bloßes Sein nicht einen Zuschauer voraussetzte. -Hannah Arendt, Vom Leben des Geistes, 1973

Im Rahmen des 48 Stunden Neukölln-Festivals 2018, präsentiert das SomoS Art House eine Ausstellung von ausgewählten Künstlern, die sich mit Authentizität, subjektiver Realität, Verhaltensmustern und Performativität des Selbst auseinandersetzen.

Teilnehmende Künstler: Edurne Herrán, Jonas Blume, Lyndal Walker, Stacie Ant, Zander Porter, Boris Alexander Knop.

Künstler Jonas Blume, Video still, “52 Hertz Whale” 2018, © Jonas Blume, 2018

In unserem beruflichen Umfeld, im Internet, innerhalb der Geschlechter- und Familienrollen wird unser Wesen immer von oft stark codierten performativen Elementen bestimmt.
Die Spannung zwischen innerem Wesen und öffentlicher Person wird von Jorge Luis Borges als große Kluft beschrieben, während Hannah Arendt der Ansicht ist, dass es „nichts und niemanden in dieser Welt gibt, dessen bloßes Sein nicht einen Zuschauer voraussetzte“.
Arendts Ansicht scheint passend zu sein für unsere Zeit, in der unser Verhalten in der Öffentlichkeit ständig auf dem Prüfstand steht. Ermöglicht durch Technologien, die sich in schnellem Tempo verändern, wird unser Verhalten gemessen und von externen Faktoren beeinflusst. Staatliche, politische und kommerzielle Überwachung und die Erstellung psychologischer Profile sind allgegenwärtig. Das Interesse an unserem echten Privatleben hinter der öffentlichen Person ist enorm.
Gleichzeitig nutzen wir unser Verhalten und Auftreten als Performance, um uns zu schützen. Sowohl on- als auch offline verlassen wir uns oft darauf, unsere Identität zu verbergen. Ironischerweise verschwimmt dabei die Vorstellung von Authentizität, da unsere Masken und Persönlichkeiten uns auf ideale Weise darstellen können. Die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler zeichnen diese Dynamik zwischen Sein und Selbstpräsentation und ihren Einfluss auf unsere Beziehungen untereinander und unseren Realitäts- und Gemeinschaftssinn nach.

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Ann-Kathrin Müller
Die Phaläne

Opening: 21.06.2018, 17 – 21 Uhr
Laufzeit: 21.06.2018 – 04.08.2018

EIGEN+ART Lab | Torstraße 220 |10115 Berlin

Lange war gerätselt worden, was während des Verpuppungsstadiums im Inneren des sogenannten »Larvenbeutels« geschehe. Erstaunlicher als der Befund, dass sich die Metamorphose durch eine fast vollkommene Verflüssigung des Phänotyps vollzieht, ist aber die Entdeckung, dass der Rückzug in den Kokon über ein Jahrhundert lang irrtümlicherweise mit einer Isolation des Insektenindividuums verwechselt worden war. »Im Gegenteil:«, heißt es in aktuellen Studien, »die Larve bildet ihr Imago in dauernder Rückkopplung mit den Informationen, die sie als Signalschleier über Vibrationen, Lichtschwankungen, und Temperaturwerte erreichen.«

Ann-Kathrin Müller, Die Phaläne, Ausstellungsansicht, 2018, EIGEN + ART Lab, Foto: Otto Felber, Berlin, Courtesy die Künstlerin und EIGEN + ART Lab

Ein derartig sensibles Kommunikationssystem führe zu unterschiedlichsten Ausbildungen der Faltersubjekte, die von ledrigen Schutzhäuten über Tarnmuster der Flügel bis hin zu Mutationen der Sinne reiche. Diese Phase dauere manchmal Jahre und man stelle sich das am leichtesten so vor, so eine Insektologin, als träume man die Wirklichkeit selbst als radikale Metamorphose.
Text von Judith Engel

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Wir wünschen ein schönes ARTWEEKEND!

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