ARTWEEKEND TIPS – Woche 31/2018

REFLECTIONS: FROM HERE TO THERE, GALLERY TAIK PERSONS  //  MIT LICHT ZEICHNEN, KOMMUNALE GALERIE BERLIN  //  MIND THE GAP, LAGE EGAL  //  WEISS, WEISS ICH, GALERIE WEISSER ELEFANT

Reflections: From Here to There

Laufzeit: 30.06.2018– 08.09.2018

Gallery Taik Persons | Lindenstr. 34 |  10969 Berlin

Gallery Taik Persons freut sich darauf, in der kommenden Ausstellung Reflections: From Here to There sechs Künstlerinnen zu präsentieren, die mit der Helsinki School assoziiert werden und von 1995 bis heute einen Bogen über vier Generationen spannen. Die Ausstellung ist ein sehr persönlicher Einblick in die Art und Weise, wie diese Künstlerinnen ihre Gefühle und Erinnerungen übersetzen und zu ihren eigenen Zimmern mit Aussicht machen. Es wird gesagt, Rückblicke seien zu einhundert Prozent wahr, da wir unsere Erfahrungen nutzen, um etwas zu sehen, was für die Augen unsichtbar ist. In sich hineinzublicken und zu verstehen, was unser Wesen vom einen zum nächsten Moment ausmacht, ist die Herausforderung, der wir uns alle im Laufe des Lebens stellen müssen. Sich mit der Vergangenheit, Zukunft oder der Gegenwart auseinanderzusetzen, erfordert eine Sensibilität, durch die man einen ganz individuellen Prozess der Reife durchläuft um sich der eigenen Identität bewusst zu werden. Diese Ausstellung präsentiert sechs unterschiedliche Perspektiven, anhand derer deutlich wird, wie die ausgewählten Künstlerinnen das Konzept von Identität definieren. Für Elina Brotherus, die wahrscheinlich renommierteste finnische Fotografin ihrer Generation, war ihr eigener Körper während ihrer gesamten Karriere Ausgangspunkt für ihre Arbeiten, in denen sie ihre Stärken und Verletzlichkeiten beleuchtet, um sich so mit verschiedenen Lebensphasen auseinanderzusetzen.

Conflicts between heart and head, 2018 © Kukka-Maria

Miia-Mari Virtanen andererseits, nutzt ihren Körper als eine Plattform, auf der sie die Vergänglichkeit des Seins untersucht. Denn Virtanen setzt sich mit medizinischen Datensätzen auseinander, um die elektrischen Signale, die einen Herzschlag auslösen, zu erforschen und zu visualisieren. Kukka-Maria Rosenlunds Arbeiten sind Zeitreisen. Rosenlund interessiert sich für sichtbare und unsichtbare Welten und deren Grenzen, mit dem Ursprung in ihrer eigenen Familiengeschichte als kollektives Gedächtnis. Rita Anttilas Blickwinkel wiederum, der sich auf den schmalen Grad zwischen den Fragen wer sie ist, wo sie herkommt und wo sie hinmöchte, konzentriert, lässt sich weitaus mehr als ein Gedicht und weniger als Fotografie verstehen. Anni Leppälä hat einen ähnlichen Ansatz, der sich jedoch ganz anders artikuliert, wenn es darum geht, wie sie ihre eigene Geschichte neu erfindet. Bildhaft entfaltet Leppälä die Vergangenheit des weiblichen Teils ihrer Familie. Durch die Auseinandersetzung mit über Generationen vergessener Kleidung oder Spielzeugen, indem sie sich mit den Häusern Ihrer Vorfahren befasst, legt sie deren Geschichten offen und positioniert sich selbst im Lauf der Zeit. Aino Kannisto arrangiert seit nun fast zwanzig Jahren fiktive Szenen, in denen sie die einzige Protagonistin ist. Sie konstruiert komplette visuelle Welten, die sinnbildliche Situationen vermitteln. Es ist ihre Art und Weise, den Strahl der Zeit darzustellen und den Punkt zu markieren, an dem sie sich gerade befindet. Schlussendlich wird die Arbeit einer der inspirierendsten Künstlerinnen präsentiert, die auf ihre eigene Art und Weise alle Obenstehenden im Laufe ihrer bis jetzt vierzigjährigen Karriere beeinflusst hat. Ulla Jokisalo, die für viele die Louise Bourgeois der nordischen Region ist, erzählt Geschichten, indem sie ausgehend von ihren frühsten Erinnerungen bis in die Gegenwart die verschiedenen Stereotypen, nach denen Frauen porträtiert werden, definiert und sich gegen sie auflehnt. Alle diese Künstlerinnen realisieren sehr poetische Projekte, die uns zeigen wie es aussieht, wenn Erwartung und Reflexion von innen nach außen betrachtet werden.


Mit Licht zeichnen

Laufzeit: 17.06.2018 – 12.08.2018

Kommunale Galerie Berlin | Hohenzollerndamm 176 | 10713 Berlin

Zu seinem 85. Geburtstag präsentiert die Kommunale Galerie Berlin bisher wenig bekannte Fotografien von Efraim Habermann.

Efraim Habermann wurde am 19. Juni 1933 in Berlin geboren. Er wuchs in der Familie des jüdischen Schuhgeschäftbesitzers Gerhard und Ilse Habermann in Berlin Mitte auf. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der Vater gezwungen das Geschäft aufzugeben und auf dem Bau zu arbeiten. Die Familie konnte durch glückliche Umstände im November 1939 nach Palästina flüchten.

Habermann begann eine Ausbildung als Feinmechaniker und Technischer Zeichner. Nach der Staatsgründung Israels 1948 absolvierte er den Militärdienst bei der Luftwaffe – ebenfalls als Technischer Zeichner. 1957 kehrt er nach Berlin zurück; nach einem Abstecher in die freie Wirtschaft fand er 1959 eine Anstellung als Zeichner in der Senatsverwaltung für Bauen und Wohnen.

Spiegelung der Matthaeus Kirche an der Neuen Nationalgalerie 1976 ©Efraim Habermann

Der Kauf einer Coronet Kamera Mitte der 1960er Jahre bestimmt sein zukünftiges Leben. Efraim Habermann wird Fotograf. Er besucht häufig die Jüdischen Friedhöfe in der Schönhauser Allee und Weißensee, fotografiert Ausschnitte und Fragmente, außerdem Gräber und Inschriften. An der Neuen Synagoge zeigt er die Narben der NS-Zeit auf und erinnert an die düsteren Tage der deutschen Geschichte. Neben allgemeinen Stadtansichten zählen auch Brandwände, die das Berliner Stadtbild der Nachkriegszeit prägten, zu seinen bevorzugten Motiven. In seinen durchdachten Kompositionen macht Habermann Materialität und Strukturen von Oberflächen geradezu optisch fühlbar.
Mit der Veröffentlichung einer Fotografie der Neuen Nationalgalerie 1968 im Tagesspiegel beginnt Habermanns Karriere als Fotograf. Die komplette Serie beleuchtet das Spiel aus Gebäudekonstruktion, Licht und Silhouetten von Skulpturen und Ausstellungsbesuchern. Seine Bilder sind stets geprägt von einer exakten Linienführung und starken Kontrasten. Die Kombination von grobem Filmkorn und mattem Papier verleiht ihnen eine nahezu poetische Weichheit.
1978 reist Habermann zum ersten Mal nach Venedig. Tief beeindruckt von dieser Stadt, zieht es ihn in der Zukunft immer wieder dorthin. Er widmet sich hier dem Thema des Verfalls, der Vergänglichkeit und der Schönheit, die damit einhergehen kann.
Weitere fotografische Themen Habermanns sind die „Frau im Bild“, inspiriert von dem Gemälde „Das Frühstück im Grünen“ von Édouard Manet sowie minimalistische Stillleben.
Neben Fotografien zeigt die Kommunale Galerie Berlin eine Auswahl von Aquarellen.

Textquelle | Bildquelle


MIND THE GAP

Laufzeit: 01.07.2018 – 04.08.2018

LAGE EGAL | Herzbergstraße 55 | 10365 Berlin

Die Doppelausstellung MIND THE GAP* mit Anke Völk und Frank Maier präsentiert ein Künstlerpaar — beide leben und arbeiten in Berlin — deren Arbeiten sich auf den ersten Blick höchst unterschiedlich zeigen. Bei Anke Völk treffen wir auf irisierende Farben, die auf Papier, Leinwand, oder einen Aluminiumuntergrund aufgebracht sind und an die schillernde Oberfläche von Insektenpanzern erinnern. Risse und Brüche spielen in ihrem Werk zudem eine besondere Rolle. Bei Frank Maier dagegen monochrome Farbfelder, über welche ein zartes Geflecht aus Linien gespannt zu sein scheint, ergänzt von sparsam gesetzten, geometrischen Formen oder pastosen Farbstrukturen, die sich in manchen Bildern zu stilisierten Gesichtern verbinden oder das Motiv der Krabbe aufscheinen lassen.
Frank Maier, I can not fight this feeling any longer II, 2017, Acryl auf Nessel, lackierter Holzkasten, Rahmenleisten, 78,50 x 56,50 x 5,50 cm

Auf den zweiten Blick zeigen sich verblüffende Gemeinsamkeiten, denn sowohl Anke Völk, als auch Frank Maier beschäftigen sich mit grundsätzlichen, bildimmanenten Fragen: Beide loten den realen, wie den illusionistischen Raum im Bild aus und beschäftigen sich mit dem Thema der Rahmung. Beide handhaben das Bild ausdrücklich auch als körperliche Erscheinung, gehen mit ihren Arbeiten in den Raum hinein — fertigen Wandarbeiten und Skulpturen. Faszinierend, wie dies auf jeweils eigene und individuelle Art geschieht und doch zu einer gemeinsamen Ausstellung zusammenfindet.” (Text von Elke Keiper, „Crab meets Gap“, Städtische Galerie Waldkraiburg, 13.4 – 15.5 2018)

Frank Maier, Krabbenherz (die Möglichkeit anderer Figuren)2016 – 2017, Acryl auf Nessel, lackierter Holzkasten, Rahmenleisten, 130 x 91 x 9,50 cm
* Die Ausstellung mit Anke Völk und Frank Maier wurde im Frühling in Süddeutschland gezeigt. Als Kurator hat es mich gereizt, Teile dieser Ausstellung aus Waldkraiburg mit neuer Konzeption zu übernehmen und dort zu zeigen, wo sie ihren Ursprung hat: in Berlin. Die Möglichkeit, dieses Projekt relativ kurzfristig im Programm von LAGE EGAL aufzunehmen, hat sich durch die „Lücke“ ergeben, die der Ungewissheit in Bezug auf kulturelle Nutzung am Standort Herzbergstraße in Lichtenberg geschuldet ist. Der Titel MIND THE GAP bezieht sich auch auf diese Situation. (PG)

Weiß, weiß ich

Laufzeit : 27.08.2018 – 08.09.2018

galerie weisser elefant | Auguststraße 21 | 10117 Berlin

 

Am Freitag, 27. Juli 2018 um 19 Uhr eröffnet die Doppelausstellung »Weiß, weiß ich« mit Arbeiten von Seraphina Lenz und Michael Bause in der galerie weisser elefant. Die Farbe Weiß ist Ausgangspunkt einer künstlerischen Recherche für die Ausstellung »Weiß, weiß ich«. Die Künstler*innen wandeln den zentralen Galerieraum zum Labor einer künstlerischkollaborativen Feldforschung zum Thema Weiß um. Kinder und Besucher*innen sind herzlich eingeladen, mitzuforschen. Es wird untersucht, welche ästhetischen, poetischen, wissenschaftlichen und politischen Aspekte mit der Farbe Weiß verbunden sind.
Wiederholt erscheint die Farbe Weiß in zahlreichen Werken von Seraphina Lenz in unterschiedlichen Kontexten. Die kommende Ausstellung gibt Anlass zu einer assoziativen Bestandsaufnahme. In dieser zeigt die Künstlerin Papierarbeiten und Objekte und verknüpft sie mit installativen Arbeiten. Dabei widmet sie sich u.a. Prozessen der Verunreinigung, die Weiß zum Verschwinden bringen.
Der Berliner Maler Michael Bause benutzt Weiß nicht explizit als primäres Stilmittel.

Galerieansicht, Michael Bause, o.T., Bleistifte, mattiertes Glas, 60cm x 80cm, 2002, Seraphina Lenz: ‘Rot Weißen’, 42cm x 58cm gerahmt, 2018

Vielmehr taucht in seinen Bildern weiß als kompositorischer Akzent auf. In der Ausstellung zeigt er eine Reihe von Collagen, die mit dem feinen Changieren der Farbe spielen und die er eigens für »Weiß, weiß ich« entwickelt hat. Er erforscht hier die Helligkeitswerte von Papier, Wellkarton und Folien und wie sich ihre Oberflächen und Farbtönungen im Zusammenspiel verändern.

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Wir wünschen ein schönes ARTWEEKEND!

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