ARTWEEKEND TIPS – Woche 34/2018

Tiina Heiska Paintings, Galerie Pugliese Levi // Resting Place, SCOTTY // BERLINZULAGE West-Berlin / Kunst / 1980er Jahre, Künstlerhaus Bethanien // Cindy Sherman Werke aus der Olbricht Collection, Weserburg | Museum für moderne Kunst


Tiina Heiska
Paintings

ERÖFFNUNG: 24.08.2018, 18 Uhr
LAUFZEIT: 25.08. –  02.10.2018

Galerie Pugliese Levi | Auguststraße 62 | 10117 Berlin

„Ich habe so etwas wie eine Vision, weil es ein Ziel geben muss, aber immer kommt es anders. Eigentlich suche ich nach dem Moment, in dem ein Gemälde seinen eigenen Weg zu finden beginnt und mir eine Orientierung weist. Es ist ein langer, chaotischer und bewegter Prozess, in dem das ursprüngliche Motiv unterschiedliche Fassungen annimmt oder sich sogar vollkommen verändert.“ Tiina Heiska, Mai 2018

Galerie Pugliese Levi zeigt die erste Einzelausstellung der finnischen Künstlerin Tiina Heiska in Deutschland.

“Tiina Heiska beschreibt in ihren Gemälden die conditio humana, unsere Beziehungen zu uns selbst und der Existenz.” Henna Paunu

Heiskas Frauenfiguren nehmen Anleihen bei fotografischen und filmischen Situationen, sie sind geheimnisvoll und manchmal beunruhigend. Planvoll und mit sicherer Hand baut Heiska eine dramatische Spannung auf. Breite Pinselstriche bezeugen den Schöpfungsmoment des Gemäldes. Die Farben sind minimalistisch und monochromatisch, dennoch zugleich kraftvoll, sie geben Szenen Licht, welche sonst häufig von Dunkelheit erfüllt sind. Mit Ähnlichkeiten zu Alice im Wunderland evozieren Heiskas Figuren, oder die bloßen Spuren ihrer Bewegungen, sehr weibliche Zustände. Das kleine Mädchen und die erwachsene Frau, Unschuld und Sinnlichkeit, Kinderspiele und Träume, Ängste der Erwachsenen, Begehren und Fantasien wechseln einander ab und vermischen sich auf überraschende Weise.

from the series The Pond. 2013. 160 x 140 cm crop

 

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Resting Place

LAUFZEIT: 18.08. – 08.09.2018

SCOTTY | Oranienstr. 46 | 10969 Berlin

In der Soundinstallation von Heather Nicol sind die BesucherInnen eingeladen, auf weichen Oberflächen lagernd einer Kaskade von Stimmen zu lauschen. Die Audiopartitur wird von hängenden Lautsprechern wiedergegeben und ist aus Dutzenden Wiegenlieder zahlreicher Nationen konzipiert, welche von den einzelnen SängerInnen aus ihrer persönlichen Geschichte heraus ausgewählt wurden.
Während die Collage aus Liedern, Harmonien und Melodien stellenweise disharmonisch und schwer erfassbar erscheint, wird ein Kontext eröffnet, der kritische Fragen über interkulturelle Begegnungen, Migration, Globalisierung und nationale Identität ermöglicht. Unter diesen melodischen Tracks und lückenhaften Audiolines sind Echos von vorbeiziehenden Stürmen, von Schlaf und Rastlosigkeit als Sound auch körperlich wahrnehmbar.
Überdimensionale kissenartige Formen wurden von Heather Nicol aus Fundstücken aus der Kleiderkammer des Roten Kreuzes genäht – Stücke, die ursprünglich mit den besten Absichten verschenkt und angenommen wurden: denen zu helfen, die in Not geraten sind. Das Überlappen von genähten Kleidern spiegelt die Schichtung der Stimmen wider, die Masse aus Hemden und Röcken verweist auf die Konsumexzesse unserer Wegwerfgesellschaft. Heather Nicol verwendet für die Kissen nur weiße Kleidung, die sie an Reinheit, Heiligkeit, Bettwäsche, Hochzeiten oder medizinische Bekleidung erinnern.
In Resting Place navigiert sich das Publikum durch eine intime und körperliche Erfahrung. Vielleicht liegend, neben einem Fremden, eröffnet sich die Möglichkeit, sich mit Begriffen von Ruhe und privatem Raum zu konfrontieren. In dieser besorgniserregenden, neoliberalen und fremdenfeindlichen Zeit, geprägt von prekärer Arbeit und deren Folgen, findet sich der Einzelne in einer Situation wieder, in der sich dem Tagträumen und dem Nichtstun hingegeben werden darf.

Heather Nicol ist eine kanadische Künstlerin aus Toronto, die sich in ihrer künstlerischen Praxis mit Skulptur, Installation und dem Kuratieren befasst. Die Verbindung zwischen öffentlicher und privater Erfahrung und der Beziehung von Orten, sowie der Rezeption der künstlerischen Arbeit sind für ihre ortspezifischen Interventionen von zentraler Bedeutung. Dies umfasst Projekte in nicht genutzten urbanen Schauplätzen, wie zum Beispiel der stillgelegten Shawn Street School sowie einer geschlossenen Fabrik in Toronto. Weiterhin sind es historische Orte, wie das Ontario Place (Toronto) und das Chateau de Courances (Milly, France), öffentliche Innenhöfe, wie die Toronto Rail Terminus Union Station und der Brookfield Place und der Lower Manhattan Winter Garden.
Sie studierte an der School of Visual Art New York (BFA, mit Auszeichnung) und erwarb ihren MA in Kunsterziehung an der New York University. Ihr Studium beendete sie mit dem MFA an der OCAD University (Toronto).

Bild/image: @Heather Nicol

 

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BERLINZULAGE
West-Berlin / Kunst / 1980er Jahre

LAUFZEIT: 24.08. – 16.09.2018

Künstlerhaus Bethanien | Kottbusser Straße 10 | 10999 Berlin

Der Titel des Projekts, „Berlinzulage“ verweist auf die steuerfreie Gehaltszulage von acht Prozent, die jeder Arbeitnehmer in West-Berlin zu Zeiten der Mauer vom Staat erhielt. Man versuchte so, die Abwanderung von Produktionsmitteln und Arbeitskräften aus der eingemauerten Frontstadt einzudämmen, die schrumpfende Wirtschaft anzukurbeln und das ängstliche Kapital anzulocken.
Der eher desolate Zustand weiter Teile der Innenstadtbezirke und der Rückzug des Kapitalismus boten andererseits eine Vielzahl von Freiräumen im konkreten wie übertragenen Sinn, welche  vor allem die eher unangepassten Charaktere in die Stadt lockten. Gerade die Kunstschaffenden wussten die in der Baisse offen zutage liegenden Leerräume und Brachen der Stadt für sich nutzbar zu machen. So bezeichnet die Berlinzulage sehr treffend, was sich im Rückblick zur Lage in Berlin assoziieren und als Mehrwert begreifen lässt.
Das Ausstellungsprojekt Berlinzulage will jenen künstlerischen Strategien und Tendenzen nachspüren, die sich damals im marktfernen, kaum reglementierten Raum einfach realisieren ließen. Sie führten zu einer enormen Weitung des Kunstbegriffs, was sowohl die Orte als auch die Akteure betraf, die Theorie und die Praxis, das Konzeptuelle und den Underground.

Gezeigt werden Werke von:
Fritz Balthaus, Käthe Be, Tabea Blumenschein, Eberhard Bosslet, Michael Brynntrup, Frieder Butzmann, Maria Eichhorn, endart, Jakobine Engel, Janos Frecot, Ulrike Grossarth, Christian Hasucha, Hans Hemmert, Knut Hoffmeister, Michael Hughes, Kain Karawahn, Christina Kubisch, Axel Lieber, Olaf Metzel, Peter Müller, Wolfgang Müller, Anne Peschken/ Marek Pisarsky (Urban Art), Rosa von Praunheim, Raffael Rheinsberg, Gerd Rohling, Otmar Sattel, Eva-Maria Schön, Thomas Schulz, Nanaé Suzuki, Klaus Theuerkauf, Die Tödliche Doris, Hans Hs Winkler, Georg Zey

West-Berlin (Oranienstraße), 1980er Jahre. © Michael Hughes, Berlin

 


Cindy Sherman
Werke aus der Olbricht Collection

LAUFZEIT: 19.05.2018 – 24.02.2019

Weserburg | Museum für moderne Kunst | Teerhof 20 | 28199 Bremen

Die Weserburg präsentiert in einer großen Einzelausstellung über 60 Fotoarbeiten der Amerikanerin Cindy Sherman aus nahezu allen Werkphasen. Ein derart großes Konvolut von Bildern der weltbekannten Künstlerin wird damit zum ersten Mal in Norddeutschland zu sehen sein. Die Werke stellen innerhalb der Olbricht Collection einen ganz besonderen Sammlungsschwerpunkt dar. Cindy Sherman gilt in der Öffentlichkeit als bedeutende feministische Künstlerin. Die von Thomas Olbricht zusammengestellten Werke machen indes deutlich, dass das Gesamtwerk weit vielfältiger ist. In der Tat hat die Künstlerin die Debatten um „Weibliche Identität“, um gesellschaftlich verankerte Rollenmuster und die damit verbundenen Erwartungshaltungen und Klischees enorm bereichert. Doch geht es in dieser Ausstellung auch um existentielle Themen, um Träume, Ängste und bisweilen verstörende und erschreckende Gewalt- und Todesfantasien und damit letztlich um ein tieferes Verständnis des Gesamtwerks dieser wichtigen Künstlerin.

Berühmt wurde Cindy Sherman Ende der 1970er Jahre mit ihren “Untitled Film Stills”. In ihnen dokumentiert sie Frauendarstellungen, die an Szenen aus Spielfilmen oder Fernsehserien erinnern. Die Künstlerin selbst schlüpft in verschiedene Verkleidungen und Posen und verkörpert die sozialen Rollenmuster, in denen wir uns spiegeln und uns selbst wiederfinden. Die Ausstellung zeigt auch herausragende Beispiele der Werkgruppen “History Portraits”, “Headshots”, “Disasters” und “Sex Pictures” bis hin zu den Furcht einflößenden “Clowns”, “Masks”, “Horror and Surrealist Pictures”.

Faszination und Desillusionierung charakterisieren in besonderer Weise die Serie der “Headshots”, die in einer gelungenen Auswahl von zwölf Arbeiten vorgestellt wird. Cindy Sherman verkörpert in dieser Serie Frauen mittleren Alters, die noch einmal ihre jugendliche Attraktivität beschwören und zugleich Gefangene ihrer Lebenszeit sind. Sie präsentieren sich in absichtsvoller Selbstverständlichkeit vor einer Kamera, die die ungewollte Vermischung von gewünschter und wahrhaftiger Erscheinung enthüllt.

Ihre Beobachtungen als Frau in der heutigen Kultur sind zugleich Beobachtungen von Ängsten und Albträumen. Sie mischen sich mit einem abgründigen Humor, der noch jedem ihrer Bildschrecken beiwohnt. Beispielhaft sind dafür die “Clowns”, in denen sich Komik und Entsetzen, Faszination und Abscheu vermengen. Sie bilden einen Höhepunkt dieser fotografischen Inszenierungen.

Die schockierenden Bilder, in denen Sherman Körperteile von Puppen und Mannequins in grotesker Verstümmelung arrangiert, weisen über das Thema inszenierter Weiblichkeit hinaus. In ihnen ist sie als lebendes Modell ihrer erschütternden Bilderfindungen gar nicht zu sehen. Diese, die Grenzen des Verstehens tangierenden Beispiele des Obszönen bis hin zu Zerstückelungsfantasien sind in der Ausstellung gleich mehrfach zu finden. Cindy Sherman geht in ihrem Werk also über die Faszination hinaus, sich der prägenden Macht vorgefundener Rollen auszuliefern. Sie vermag am Ende aufzuzeigen, wie wir uns allmählich an Muster gewöhnen, die uns zutiefst erschrecken.

Cindy Sherman, Untitled Film Still #21, 1978, Olbricht Collection, Courtesy of the artist and Metro Pictures, New York

 

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Wir wünschen ein schönes ARTWEEKEND!

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