ARTWEEKEND TIPS – Woche 35/2018

In Between. TraumWelten. Vom Träumen und Leben, Kunsthalle “Talstrasse“ // Willkommen im Labyrinth. Künstlerische Irreführungen, Marta Herford // LOREDANA NEMES. GIER ANGST LIEBE. FOTOGRAFIEN 2008–2018, BERLINISCHE GALERIE  // Doing the Document. Fotografien von Diane Arbus bis Piet Zwart. Die Schenkung Bartenbach, Mu­se­um Lud­wig


In Between. TraumWelten.
Vom Träumen und Leben

LAUFZEIT: 23.06. –  07.10.2018

Kunsthalle “Talstrasse“ | Talstraße 23 | 06120 Halle (Saale)

Foto, Video, Sound, Malerei und Grafik – Werke von Sibylle Bergemann, Christian Borchert, Carlfriedrich Claus, Sven Johne, Jens Klein, Abbas Kiarostami, Viktor Kolář, Matthias Langer, Pedro Moreira, Floris Neusüss, Peter Ojstersek, Helga Paris, Hanna Schygulla, Wenke Seemann, Grete Stern, Wenzel Storch, Gabriele Stötzer, Miroslav Tichý, Arthur Tress, Jerry Uelsmann, Sascha Weidner

Sascha Weidner, Grounded II, 2007 © The Estate of Sascha Weidner

Die Ausstellung blickt anhand ausgewählter Künstlerpositionen der 1950er Jahre bis hin zur Gegenwart auf das Thema der Träume in ihrer Vielschichtigkeit. Sie beleuchtet die Verbindung von Traum und Wirklichkeit, wobei auch Fragen nach dem Wechselverhältnis von Imagination und Realität betrachtet werden. Wie reagieren insbesondere Fotografen auf die Erlebniswelt des Traums und auf das Traumwissen ihrer Zeit? Nicht zuletzt entstehen in der Durchdringung bzw. Aufhebung von realen Orten und inneren Zwischenräumen neue Konstellationen, Vorstellungen und Bilder.

Viktor Kolár, aus: Ostrava, 1975 © Viktor Kolár

In Form eines thematischen Bogens skizziert die Schau unterschiedliche Gedankenräume und beleuchtet das Thema von verschiedenen Seiten. Ausgehend von Traumnotaten in Form von Texten und Videoarbeiten über surreal anmutende, imaginär-fotografische Traumbilder bis hin zu Traumwirklichkeiten – den alltäglichen Verwunderungen und Begegnungen im Leben – sind auch Fotoarbeiten zu sehen, die sich vermeintlichen oder selbst konstruierten Traumorten bzw. -welten widmen. Zudem sind es auch die Träumenden und Schlafenden selbst, denen die Ausstellung Platz einräumt und die durch ihre Verletzlichkeit einen weiteren Aspekt in die Betrachtung des Themas einbringen.
Die Ausstellung wurde kuratiert von Franziska Schmidt, Berlin

Matthias Langer, ohne Worte VI aus: „Das Gegenteil von wach“, 2006 © Matthias Langer

 

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Willkommen im Labyrinth
Künstlerische Irreführungen

LAUFZEIT: 23.06. – 23.09.2018

Marta Herford | Goebenstraße 2-10 | 32052 Herford

Türen, die in ein blutrotes Dickicht aus zarten Fäden eingesponnen sind; hunderte Lampen und Spiegel, die unendliche Weite vortäuschen oder ein Raum, in dem die physikalischen Gesetze keine Gültigkeit mehr zu haben scheinen: Mit sechs großformatigen Rauminstallationen internationaler Künstler*innen inszeniert die Ausstellung „Willkommen im Labyrinth“ einen inspirierenden und sinnlichen Parcours. Angelehnt an die Symbolik des Labyrinths werden die zumeist eigens für die Ausstellung entwickelten Raumstrukturen von Anne Hardy, Peter Kogler, Christian Odzuck, Royden Rabinowitch, Chiharu Shiota und Song Dong die Gehry-Galerien von Marta Herford zum Teil tiefgreifend verändern.

Ob Jahrmarktattraktion, Orientierungsfigur oder Symbol: Labyrinthe basieren auf einem jahrtausendealten Konzept. Als räumliche Irreführungen dienen Labyrinthe der kurzweiligen Unterhaltung und stehen symbolisch für die entbehrungsreiche Selbstfindung oder sind Abbild städtebaulicher Strukturen. In ihrer Vieldeutigkeit inspirieren sie auch zeitgenössische Künstler*innen: Nach einem Einstieg in das Konvolut des in den 1980er Jahren führenden Labyrinth-Forschers Hermann Kern greifen die Rauminstallationen in den Gehry-Galerien den lustvollen und irritierenden Aspekt des Labyrinths auf und präsentieren sich als eine alle Sinne ansprechende Körpererfahrung.

Song Dong, Everywhere, 2016-2017 © Der Künstler, Foto: Felix Hüffelmann

 

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LOREDANA NEMES
GIER ANGST LIEBE
FOTOGRAFIEN 2008–2018

LAUFZEIT: 22.06. – 15.10.2018

BERLINISCHE GALERIE | Alte Jakobstraße 124–128 | 10969 Berlin

Loredana Nemes (* 1972) traut sich etwas – Zeit für eine Entdeckung. Entdeckungslust und Künstlerinnen haben einen hohen Stellenwert im Programm der Berlinischen Galerie. Das Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur besitzt bereits 23 Werke der Fotokünstlerin mit rumänischen Wurzeln. Ihre erste Einzelausstellung in einem Kunstmuseum umfasst ca. 120 Fotowerke – im Zentrum stehen Menschenportraits, die Poesie und der Surrealismus des Alltags. Nemes fokussiert schon lange auf soziale und heute hochpolitisch relevante Themen wie Identität und Persönlichkeit. Mit den Stilmitteln der Schärfe, Unschärfe und Abstraktion reflektieren ihre Bilder zum Teil auch Unsicherheiten, Unwissen und Ängste der Betrachter*innen. Nemes‘ Vorteil und Motor sind ihre Erfahrungen aus drei verschiedenen Kulturkreisen: Rumänien, ihr Geburtsland, Iran, ein Zwischenaufenthalt in ihrer Kindheit, und die Bundesrepublik. Zunächst hatte sie Mathematik und Germanistik studiert, in Berlin entschied sie sich dann für einen weiteren Neuanfang: eine Laufbahn als freie Fotografin. Inzwischen gab es zahlreiche Galerie-Ausstellungen und Publikationen zu Nemes, deren Werke sich bereits in verschiedenen Sammlungen befinden: Folkwang Museum Essen, Deutsches Historisches Museum Berlin, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, DZ Bank Kunstsammlung Frankfurt und Cleveland Clinic Art Collection.

Loredana Nemes, Beker, Neukölln, 2009, aus der Serie: beyond, © Loredana Nemes

 


Doing the Document
Fotografien von Diane Arbus bis Piet Zwart
Die Schenkung Bartenbach

LAUFZEIT: 31.08.2018 – 06.01.2019

Mu­se­um Lud­wig | Hein­rich-Böll-Platz | 50667 Köln

Diane Ar­bus, Boris Beck­er, Karl Bloss­feldt, Walk­er Evans, Lee Fried­lan­der, Can­di­da Höfer, Gabriele und Hel­mut Noth­helfer, Ta­ta Ronkholz, Al­bert Renger-Patzsch, Au­gust San­der, Hu­go und Karl Hu­go Sch­mölz, Gar­ry Wino­grand, Pi­et Zwart – gen­er­a­tion­süber­greifend eint all diese Fo­to­graf*in­nen eine Ar­beitsweise, näm­lich über Jahrzeh­nte hin­weg kont­inuier­lich The­men zu ver­fol­gen. Bei San­der kön­nen solche Rei­hen ei­nen At­las der Men­schen des 20. Jahrhun­derts bil­den, bei Höfer ein Archiv von öf­fentlichen Räu­men und deren Codes der Repräsen­ta­tion, oder bei Bloss­feldt ein solch­es der For­men­viel­falt von Fau­na und Flo­ra. In der „di­rek­ten Fo­to­gra­fie” vereinigt sich die wech­selvolle Rezep­tion der Fo­to­gra­fie als kün­st­lerische und doku­men­tarische auf be­son­dere Weise.

In der Zusam­men­schau lässt sich zu­gleich der wech­sel­seitige Ein­fluss deutsch­er und amerikanisch­er Po­si­tio­nen in der verdichteten Kul­tur­land­schaft des Rhein­lan­des der 1960er bis 1990er Jahre nachvol­lzie­hen. Hi­er waren in den 1970er Jahren die er­sten Ga­le­rien für Fo­to­gra­fie zu fin­d­en, die sich für Au­gust San­der, Flo­rence Hen­ri, Pi­et Zwart, Karl Bloss­feldt, aber auch für die amerikanischen Po­si­tio­nen der 1960er Jahre wie Walk­er Evans, Diane Ar­bus, Lee Fried­lan­der, Gar­ry Wino­grand begeis­terten und durch kont­inuier­liche Ver­mittlungsar­beit bekan­nt macht­en. Zu­gleich übten Bernd und Hil­la Bech­er mit ihr­er Lehre an der Kun­s­takademie Düs­sel­dorf großen Ein­fluss aus. Und nicht zulet­zt prägten be­deu­tende mono­gra­fische Ausstel­lun­gen sowie Grup­pe­nausstel­lun­gen nach­haltig die Rezep­tion. L. Fritz Gru­ber zeigte bere­its in den 1950er Jahren Au­gust San­der in den Pho­tok­i­na Bilder­schauen. Die Kun­sthalle Düs­sel­dorf stellte 1976 Fo­to­gra­fien von Walk­er Evans aus, und Klaus Hon­nef ku­ratierte zeit­gleich wichtige Grup­pe­nausstel­lun­gen doku­men­tarisch­er Fo­to­gra­fie im Rheinischen Lan­des­mu­se­um, Bonn.

Dies­er doku­men­tarisch-kün­st­lerische An­satz wird mit Do­ing the Doc­u­ment vorgestellt und zu­gleich be­fragt. Walk­er Evans bezeich­nete seine Fo­to­gra­fien nicht als doku­men­tarisch, son­dern sprach von einem „doku­men­tarischen Stil“. 1967 zeigt das Mu­se­um of Mod­ern Art in New York, Werke von Ar­bus, Fried­lan­der und Wino­grand, alle auch hi­er vertreten, un­ter dem Ti­tel New Doc­u­ments. Wo en­det das Doku­ment und wo be­gin­nt die kün­st­lerische Geste? Dies ist eine Frage, die in der Geschichte der Fo­to­gra­fie im­mer zur Diskus­sion stand und auch heute, in post­fak­tischen Zeit­en und der zuneh­men­den Äs­thetisierung von Archiv- und Doku­men­ta­tions­ma­te­rial in der zeit­genös­sischen Kunst wied­er neu zu ver­han­deln ist. Der Ausstel­lungsti­tel Do­ing the Doc­u­ment löst be­wusst die vermeintlichen Ge­gen­sätze von „her­stellen (do­ing)“ und „doku­men­tieren“ auf, um die im­mer wied­er besch­worene „Krise der Repräsen­ta­tion“ im Werk von zwanzig Fo­to­graf*in­nen und deren Rezep­tion auszu­loten.

Walker Evans, [Subway Passengers, New York], (U-Bahn-Passagiere, New York), 1938–1941, © Walker Evans Archive, The Metropolitan Museum of Art, Reproduktion: Rheinisches Bildarchiv Köln

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Wir wünschen ein schönes ARTWEEKEND!

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