ARTWEEKEND TIPS – Woche 37/2018

Yamamoto Masao – Microcosm Macrocosm, Alfred Ehrhardt Stiftung // Anna Lehmann-Brauns – Letzter Vorhang, Kommunale Galerien Berlin // Silence – Gabriela Torres Ruiz, Galerie im Tempelhof Museum // Ramona Schacht. Not enough, Museum der bildenden Künste


Yamamoto Masao
Microcosm Macrocosm

LAUFZEIT: 15.09. –  23.12.2018

Alfred Erhardt Stiftung | Auguststraße 75 | 10117 Berlin

YAMAMOTO Masao hat ursprünglich Ölmalerei studiert, bevor er die Fotografie als ein ideales Medium entdeckte, das in besonderer Weise Erinnerungen zu evozieren vermag. Yamamoto ist bekannt für seine kleinformatigen Silbergelatineabzüge, die er durch Tönung, Übermalung oder andere manuelle Eingriffe so bearbeitet, dass sie Objektcharakter erhalten und Reminiszenzen an Vergangenes mit sich führen. So divers seine Motive sind, stets kommt in seinen Bildern die durch den chinesischen Philosophen Laotse geprägte, demütige Auffassung zum Ausdruck, dass der Mensch nur ein kleiner Teil der Natur ist, die wiederum nur einen winzigen Teil eines immensen Kosmos darstellt. Durch Beobachtung all der kleinen Dinge um sich herum findet Yamamoto einen Schlüssel zum allumfassenden Charakter des Universums, den er auf Fotopapier festhält.

Yamamoto Masao Shizuka=Cleanse #3041 Free at last 2014 Silbergelatineabzug © Yamamoto Masao

Für die Alfred Ehrhardt Stiftung wird Yamamoto in die ihm eigene, installative Wandabwicklung ausgewählte Werke von Alfred Ehrhardt fast unscheinbar einbinden. Für Yamamoto zählt besonders Ehrhardts „konstruktiver und struktureller Blick auf die Schönheit der Natur, der die Kunstformen der Natur als visuelles Archiv anlegt“. Seine Arbeit demonstriert eine fundamentale Entsprechung zwischen Ehrhardts naturphilosophisch geprägter Weltsicht und seiner eigenen, japanischen Natursicht.

Zusätzlich zeigt Yamamoto Aufnahmen seiner Serie Shizuka (= gesäubert, rein, unbefleckt) von Fundstücken aus dem seinen Wohnort umgebenden Wald, in deren Mittelpunkt die Großartigkeit des vergessenen Teils der Natur steht; die gesammelten Wurzeln und Steine liegen verborgen zu den Füßen und in der Erde und tragen für ihn „wie kostbare Kleinode den friedlichen Atem der Natur in sich“. Und in der Serie Bonsai Microcosm Macrocosm setzt Yamamoto die 100 oder gar 200 Jahre andauernden Zwiegespräche zwischen Bonsai-Bäumchen und Bonsai-Meistern auf direkte Weise fort. Dieses Œuvre spiegelt sowohl das Mysterium eines kleinen, verdichteten Universums, welches man gewissermaßen in der Hand halten kann, als auch das Mysterium des für menschliche Sinne unermesslich großen Universums wider.

Yamamoto Masao Bonsai Microcosm Macrocosm 2018 Silbergelatineabzug © Yamamoto Masao

YAMAMOTO Masao, geb. 1957 in Gamagori in der japanischen Präfektur Aichi. Seinen ersten Ausstellungen 1994 und 1996 in San Francisco und New York folgten zahllose weitere in den USA, Europa, Japan, Russland und Brasilien. Januar 2018 Craig Krull Gallery, Santa Monica CA. Sammlungen in renommierten internationalen Museen wie im Museum of Fine Arts Houston, International Center of Photography New York, Victoria & Albert Museum London, Maison Européenne de la Photographie Paris u.a. Zahlreiche Buchveröffentlichungen in den USA, Spanien, Japan und Deutschland. Editorials für die NY Times, Los Angeles Times und etliche namhafte Kunstmagazine. Yamamoto lebt in Yatsugatake Nanroku, Präfektur Yamanashi, in der Nähe zur Natur, die er in seine Arbeit thematisch einbindet.

Yamamoto Masao Shizuka=Cleanse #3033 Unite 2014 Silbergelatineabzug © Yamamoto Masao

 

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Anna Lehmann-Brauns
Letzter Vorhang

LAUFZEIT: 09.09. – 02.12.2018

Kommunale Galerie Berlin | Hohenzollerndamm 176 | 10713 Berlin

Räume sind das zentrale Motiv im Werk der Berliner Fotografin Anna Lehmann-Brauns. Sie findet sie in Hotels, Diskotheken, Theatern, Lichtspielhäusern, Clubs, Bars und anderen Orten. Ihre detailgetreuen Interieurs wirken wie aus der Zeit gefallen, alles scheint still zu stehen. Den farbenstarken Szenerien haftet etwas Zauberhaftes, teils Skurriles an. Alles gleicht mehr einer subjektiven Zustandsbeschreibung, denn einer objektiven Wirklichkeitsabbildung – unterstrichen durch die gemäldehafte Anmutung der Fotografien. Die Fotokünstlerin erzählt Geschichten, die uns tief ins Bild ziehen und unsere Fantasie beflügeln und unsere Vorstellung herausfordern. Sind das reale Räume oder Kulissen oder Bühnen? Und wo sind die Menschen?
Wenige Monate vor der endgültigen Schließung von Theater am Kurfürstendamm und Komödie hat die Fotografin dazu eine umfangreiche Werkserie erstellt. In ihren Bildern leben die legendären Häuser, welche zu den Hauptwerken des Theaterarchitekten Oskar Kaufmann gehörten, fort.

Stuhl, 2018, C-Print

 

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Silence
Gabriela Torres Ruiz

LAUFZEIT: 07.09. – 11.11.2018

Galerie im Tempelhof Museum | Alt – Mariendorf 43 | 12107 Berlin

Die Fotografin Gabriela Torres Ruiz fokussiert in ihrem Projekt Silence auf die Aura verlassener Orte. Mit feinem Gespür für die poetischen Wechselwirkungen von Licht, Farbe und Raum stellt sie Landschaftsmotive und Innenraumaufnahmen in Diptychen gegenüber. Ihre Suche gilt natürlichen Landschaften sowie Räumen, die eine Idee von Stille vermitteln, mit der Intention, diesen durch ihre Fotografie eine fühlbare Form zu geben. Torres Ruiz entdeckt vergessene Orte, die ihres ursprünglichen Kontextes entledigt sind, deren Zustand als Sinnbild für das unaufhaltsame Fortschreiten von Zeit verstanden werden kann. Der abgebildete Verfall der Gebäude neben ursprünglich anmutenden Berg- und Waldlandschaften verweist auf den Kreislauf zwischen Architektur und Natur, die sich ihren Raum zurückerobert.
Auf einer Metaebene thematisiert die Künstlerin das Spektrum zwischen gewachsenem und gebautem Raum. Die korrespondierenden Motive gehen nicht nur eine formale Verwandtschaft ein, sondern stehen darüber hinaus in einer inhaltlichen Wechselbeziehung. 

Das gleichnamige Buch erschien bei Hatje Cantz.

Gabriela Tores Ruiz, #9 aus der Serie Silence (Diptychon), 2013

 


Ramona Schacht
Not enough

LAUFZEIT: 06.09. – 30.09.2018

Museum der bildenden Künste | Katharinenstraße 10 | 04109 Leipzig

Ramona Schacht ergründet in ihren Fotografien, wie Menschen ihre Beziehungen führen, welche Beziehungsformen es gibt, und wie diese funktionieren. Für die Serie »NOT ENOUGH« hat Schacht polyamourös lebende Paare fotografiert. Eingefrorene Momente aufgeriebener Gesichtsausdrücke – so zeigt sie Intimität. Eindrücke also, die nur kurz auftauchen. Wir nehmen sie selten an uns wahr, sondern sehen sie oft nur an unserem Gegenüber. Um sie einzufangen, ist Bewegungsunschärfe ein wichtiges Mittel ihrer Arbeit. Dass damit die Festschreibung eines sich ständig verändernden Gefühls zur Bildsprache wird, ist für sie wichtiger als der reduziert-voyeuristische Blick auf Körperstellen, die gerade durch ihre individuellen Beschaffenheit – Narben, Brandmale, Falten – vom gesellschaftlich normierten Idealbild abweichen. Ihre Bilder behalten dabei Blickwinkel und Ansichten für die Betrachter bereit, ohne zugleich eine „Instagram-Furcht“ vor den eigenen Narben in den Mittelpunkt zu stellen. Intimität und Liebe können hier immer Eigentum beider Seiten bleiben.

Ramona Schacht, ohne Titel, Aus der Serie NOT ENOUGH, 2017.18, C-Print, Copyright Artist

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Wir wünschen ein schönes ARTWEEKEND!

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