ARTWEEKEND TIPS – Woche 38/2018

Corpus Delicti, The Ballery // Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland, Gropius Bau // Becky Sandstede (1909–1999) und Squaw Hildegard Rose (1942–2017). Werke aus dem Nachlass, Kommunale Galerie Berlin // Lara protects me. Eine georgische Erzählung, Museum Angewandte Kunst


Corpus Delicti

Laufzeit: 20.09.2018 — 21.10.2018

The Ballery | Nollendorfstrasse 11-12 | 10777 Berlin

Am 19. September 2018 eröffnet die Ausstellung „CORPUS DELICTI – Drei zeitgenössische Statements zur Aktfotografie und Körperinszenierung“ in der Galerie The Ballery im Herzen von Berlin-Schöneberg. Mit Werken der jungen und aufstrebenden Fotografen Sonia Szóstak (*1990, Polen), Steven Kohlstock (*1982, Deutschland) und Simon Lohmeyer (*1989, Deutschland) zeigt die Ausstellung den Status Quo der Aktfotografie und Körperinszenierungen. Darüber hinaus lädt sie zum Diskurs über Nacktheit und Öffentlichkeit ein: Wie viel Haut ist in der Öffentlichkeit im Allgemeinen und den Sozialen Netzwerken im Besonderen angebracht, welche Positionen nehmen die Fotografen zu dieser Frage ein, wie nutzen sie die Nacktheit in ihren Arbeiten, wie gehen Leser bzw. Follower damit um?

Sonia Szostak, Laguna Colorada, 2017 © Sonia Szostak

Aktmalerei gehört zu den ältesten Genres der Kunstwelt, die ersten erotischen Fotos wurden 1845 mit dem Durchbruch Daguerreotypien möglich. Vertrieben wurden diese u. a. von Eugène Delacroix, Eugène Durieu und Bruno Braquehais aufgenommenden Werke durch Kunsthändler in Paris.

Aber wie wird die Aktfotografie heute bewertet und rezipiert? Während die älteren Generationen vor der öffentlichen Nackheit zurückschrecken und ihr kritisch gegenüberstehen, zeigt die heutige Jugend tendenziell eher alles. Das Internet wird mit nackten Selfies und pornografischen Bildern auf allen möglichen Plattformen geflutet; der Wille, den eigenen Körper zu zeigen und diesen für die 24/7-Zurschaustellung noch zu optimieren, war nie so populär wie heute. Dabei geht es weniger darum, Tabus zu brechen, als um die Frage, wie viele Likes, neue Follower oder Kommentare man für die Fotos erhalten kann.

Die Ausstellung CORPUS DELICTI untersucht, wie zeitgenössische Fotografen den Körper anderer wahrnehmen und diesen inszenieren, jeweils unter den Gesichtspunkten von Intimität, Geschlecht und Sexualität. So wirft Sonia Szóstak einen weiblichen Blick auf den femininen Körper, Steven Kohlstocks Fotografien zeigen die maskuline Sicht auf den männlichen Körper, während Simon Lohmeyer sowohl Selbstporträts als auch Paare inszeniert und abbildet. Ebenso stellt die Ausstellung unterschiedliche Arten der Präsentation von Fotografie vor.

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Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland

Laufzeit: 21.09.2018 – 06.01.2019

Gropius Bau | Niederkirchnerstraße 7 | 10963 Berlin

Digitale Kommunikations- und schnelle Transportmöglichkeiten bringen die Menschen immer enger zusammen und lassen die Globalisierung als modernes Phänomen erscheinen. Tatsächlich aber ist die überregionale Vernetzung mit allen ihren Auswirkungen seit jeher ein fester Bestandteil der Gesellschaft und beeinflusst das Leben der Menschen seit prähistorischer Zeit grundlegend. Täglich machen Archäologen Entdeckungen, die dies eindrucksvoll belegen. „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ präsentiert die spektakulärsten archäologischen Neufunde der letzten 20 Jahre von der Steinzeit bis ins 20. Jahrhundert. Anhand der vier Themen Mobilität, Konflikt, Austausch und Innovation werden mit über 1.000 Exponaten die Folgen überregionaler Interaktion auf persönlicher, wirtschaftlicher und kultureller Ebene erfahrbar gemacht.

Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland, Keyvisual der Ausstellung © smithberlin.com

Das Europäische Kulturerbejahr 2018 richtet den Blick auf Austauschprozesse und auf Beziehungen innerhalb Europas. Unter dem Motto „sharing heritage“ wird das reiche kulturelle Erbe Europas in unterschiedlichen Projekten präsentiert und neu erschlossen. „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ ist das Leitprojekt im Themenfeld „Austausch und Bewegung“ und zeigt, was das kulturelle Erbe Europas aus archäologischer Perspektive ausmacht.

Silberschatz Cortnitz, Hacksilberfund, Silber, 11. Jh. n. Chr. © Landesamt für Archäologie Sachsen, Foto: Ursula Wohmann

Ziel der Ausstellung ist es, über die Exponate den Bezug unserer kulturellen Vergangenheit zur heutigen Zeit herzustellen und zu verdeutlichen, dass schon vor mehreren tausend Jahren die Grundlagen eines gemeinsamen Europas gelegt wurden, aus denen ein einzigartiges kulturelles Netzwerk entstand, das uns bis heute prägt.

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Becky Sandstede (1909–1999) Und Squaw Hildegard Rose (1942–2017)
Werke Aus Dem Nachlass

LAUFZEIT: 02.09.2018 – 30.09.2018

Kommunale Galerie Berlin | Hohenzollerndamm 176 | 10713 Berlin

Mitte der 1980er Jahre lernten sich beide in Berlin (West) lebenden Künstlerinnen kennen. Becky Sandstede hatte trotz Fürsprache ihres damaligen Schwiegervaters Max Beckmann nie Kunst studieren können, entschloss sich aber dennoch ab 1951 dazu, als freiberufliche Malerin zu arbeiten. Bis in die 1960er Jahre war sie parallel, einen sicheren Gelderwerb in petto brauchend, als Entwerferin tätig. Squaw Hildegard Rose zog erst 1963 nach Berlin. Sie hatte zuvor zwei Semester in ihrer Geburtsstadt Kiel, an der Muthesius-Werkschule für Handwerk und angewandte Kunst studiert und wechselte 1962 ebenfalls für zwei Semester an die Staatliche Hochschule für Bildende Künste, Braunschweig.

Squaw, Hildegard Rose, ohne Titel, 2003, 500px Breite

Roses erste Einzelausstellung fand 1986 in der Charlottenburger Galerie Hartwig statt. Die damals 44-Jährige zeigte Bilder und Gouachen eines Jahrzehnts, die seit 1976 entstanden waren. „Landschaft“ tauchte in dieser Ausstellung als zentraler Begriff ihrer Titel immer wieder auf. Später benannte sie ihre Bilder in der Regel nicht mehr. Ungeachtet dessen blieben Landschaften jedoch ihr zentrales Motiv.

Becky Sandstede, ohne Titel, 1988

Becky Sandstede hatte 1956 als 47-Jährige im Berliner Kunstantiquariat Wasmuth ihre erste Einzelausstellung. „Die Welt“ bescheinigte, „ihre Arbeiten lassen ein starkes Einfühlungsvermögen in die Struktur der dargestellten Landschaften erkennen …“. Das seit 2017 online gestellte Nachlassverzeichnis Malerei von Becky Sandstede zeigt, dass Landschaften für sie ein Hauptmotiv geblieben sind. Ihre besondere Vorliebe galten Strand-, Wüsten- und Berglandschaften. Reminiszenzen ihrer Reisen, ohne damit Rückschlüsse auf konkrete Orte geben zu wollen.

Squaw Hildegard Rose und Becky Sandstede sind in ihrer Bildästhetik zwei Wesensverwandte. Beide waren befreundet und sind doch erst jetzt (posthum) gemeinsam in einer Ausstellung zu sehen. Entdeckenswert!

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Lara protects me
Eine georgische Erzählung

Laufzeit: 21.09.2018 – 20.01.2019

Museum Angewandte Kunst | Schaumainkai 17 | 60594 Frankfurt

Tbilisi – zu Deutsch Tiflis – sei das neue Berlin, heißt es. Lange Partynächte und Raum für Entfaltung locken immer mehr Menschen in die Hauptstadt Georgiens. Als jahrhundertealter Knotenpunkt zentraler Handelsrouten brachte Tiflis die Völker zusammen – unfreiwillig, durch Besetzungen und Eroberungen, oder offenherzig, als Zuflucht für anderenorts Verstoßene.

Foto: David Meskhi

Dabei kam es selten zu Verschmelzungen. Vielmehr lernten die Kulturen durchlässige Grenzen zu schaffen und es entstand ein eklektisches Nebeneinander.

In der Ausstellung Lara protects me erzählen Videoarbeiten, Fotografien, Zeichnungen und Designobjekte die Geschichten verschiedener Annäherungen. Eine geheimnisvolle Botschaft, die Kuratorin Dr. Mahret Kupka auf ihrer Reise durch Georgien fand, wird zum Ausgangspunkt einer Suche. Wer ist die mysteriöse Lara, die die Botschaft verfasste? Was können zeitgenössische Kreative über sie erzählen? Georgische Künstler/innen, Designer/innen, Kurator/innen und Autor/innen geben Antwort und laden ein, ihr Land zu erkunden.

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Wir wünschen ein schönes ARTWEEKEND!

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