ARTWEEKEND TIPS – Woche 51/2017

CLOSING: Joachim Richau | FRAGEMENT oder die Gegenwart des Zweifels

Laufzeit: 16.09.2017 – 23.12.2017

Alfred Ehrhardt Stiftung | Auguststr. 75, 10117 Berlin

Unmittelbar nach dem Fall der Mauer begann der Ostberliner Fotograf Joachim Richau (*1952) seine regelmäßigen Arbeitsaufenthalte in Skandinavien. Seit den frühen 2000er Jahren beschäftigte er sich verstärkt mit der schwedischen Landschaft. Mehr als zehn Jahre lang hatte Richau in Dalarna ein Atelier im Waldhaus von Freunden, weit entfernt von bewohnter Gegend, wohin er sich jedes Jahr zu mehrmonatigen Aufenthalten zurückzog. Dort entstand neben unzähligen weiteren Bildfolgen und Einzelbildern auch der Zyklus FRAGMENT oder die Gegenwart des Zweifels, dem die Alfred Ehrhardt Stiftung nun eine eigene Ausstellung widmet.

 

Joachim Richau, STEN BROTT I, 2010, © Joachim Richau

Auf seinem Weg von einer noch dokumentarisch geprägten Fotografie der 1980er und 90er Jahre in Richtung eines abstrakteren, weniger narrativen Bildausdrucks wurde
Joachim Richau unter anderem von Alfred Ehrhardt bestärkt: Seine Detailaufnahmen von Sandstrukturen im Watt oder isländischen Lavaformationen und vor allem sein auf wenige Bildelemente reduziertes malerisches und zeichnerisches Werk finden Eingang in Richaus Bilddenken. So erreichen seine extremen Nahaufnahmen eines
schneebedeckten Steinbruchs einen Abstraktionsgrad, der seinen Bildern eine malerische Qualität verleiht. Fragmentarisch löst er mit seinem Blick die Schichten des Gesteins aus ihrem Umfeld und setzt den Fokus auf ihre Strukturen, so dass ihre grafische Prägnanz hervortritt. Seine intensive, unmittelbare und langjährige Auseinandersetzung mit der Struktur dieser Landschaft war zwingende Voraussetzung, um diese Bilder zu schaffen.


Loving Vincent | Preview Screening (OV)

27.12.2017, 20 – 22 Uhr

BABYLON Berlin | Rosa-Luxemburg-Str. 30, 10178 Berlin

„Loving Vincent“ ist der erste Film, der vollständig aus Ölgemälden erschaffen wurde und van Goghs berühmte Bilderwelten auf der Kinoleinwand lebendig werden lässt. Ein nie dagewesenes Gesamtkunstwerk, das den Zuschauer visuell und inhaltlich tief in die Welt des Vincent van Gogh eintauchen lässt. Dabei wurden über 65.000 Einzelbilder erschaffen, um van Goghs Werk zum Leben zu erwecken. Pinselstrich für Pinselstrich wurden die Gemälde leicht variiert und somit in Bewegung versetzt. Entstanden ist ein außergewöhnliches und einmaliges Seherlebnis, für das Clint Mansell („Black Swan“, „The Fountain“) einen hinreißenden Soundtrack komponierte.

Textquelle | Facebook-Event


Madame D’Ora. Machen Sie mich schön!

Laufzeit: 21.12.2017 – 18.03.2018

MKG – Museum für Kunst und Gewerbe | Steintorplatz, 20099 Hamburg

In einer umfassenden Retrospektive gibt das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) erstmals einen Überblick über das Schaffen der Fotografin Madame d‘Ora (1881-1963) und nimmt eine Neubewertung ihres Werkes mit besonderem Schwerpunkt auf dem Nachkriegswerk vor. Über 30 Jahre nach der ersten Monografie, die d’Oras Wirken als Gesellschaftsporträtistin beschreibt, erlauben neue Erkenntnisse andere Zugänge zu ihrem Werk. In den Vordergrund rücken das persönliche Umfeld der Fotografin und die teils radikalen Auswirkungen der gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Veränderungen auf ihr Schaffen. Neu eingesehenes Material aus ihrem schriftlichen Nachlass und zahlreiche neu entdeckte Fotografien geben Aufschluss über ihre Wurzeln im jüdischen Wiener Bürgertum, ihre lange Freundschaft mit Maurice Chevalier und der Pariser Modistin Madame Agnès sowie über die vielschichtige Arbeit für den Ballettimpresario Marquis de Cuevas. Die Ausstellung versammelt rund 170 fotografische Arbeiten aus der Sammlung des MKG, der Sammlung Bonartes, Wien, der Sammlung des Ullstein Verlags und aus Privatsammlungen. Gezeigt werden zudem Modeobjekte aus dem MKG, dem Wien Museum und der Universität für angewandte Kunst Wien. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Photoinstitut Bonartes, Wien.

 

Madame d‘Ora, Josephine Baker, 1928, Silbergelatineabzug, 19,4 x 16 cm, © Nachlass d’Ora/Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Textquelle
Bildquelle: Pressebild


 Jeanne Mammen | Die Beobachterin Retrospektive 1910- 1975

Laufzeit: 06.10.2017–15.01.2018

Berlinische Galerie | Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin

Die Zeichnerin und Malerin Jeanne Mammen (1890-1976) ist eine der sperrigsten und schillerndsten Figuren der jüngeren Kunstgeschichte. Als Berliner Künstlerin durchlebte sie zwei Kriege, Zerstörung, Armut und den Wiederaufstieg aus Ruinen auf sehr eigene und produktive Weise. Als Einzelgängerin und scharfsinnige Beobachterin entwickelte Mammen sich zu einer kraftvollen Persönlichkeit mit klarer Botschaft: Distanz schafft Nähe. Sie scheute kein Milieu und keine Erfahrung. Sie porträtierte glamouröse Zeitgenossen, den neuen Typus der selbstbewussten Frau ebenso wie das frivole Nachtleben oder Figuren am Rande der Gesellschaft – es entstanden unverwechselbare Ikonen der „Goldenen Zwanziger“. Nach 1945 wurde ihr Werk komplett abstrakt. Jeanne Mammens Schaffen ist einer breiten Öffentlichkeit bisher wenig bekannt. Ihre Verschlossenheit, das Fehlen von Tagebüchern, ausführlicherer Korrespondenzen oder Lebenspartnern erschweren einen leichten Zugang.

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 Wir wünschen ein schönes ARTWEEKEND!

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