Förderung von deutsch-französischem Verständnis: ein Anliegen von Adeline Blanchard

Das Bureau des arts plastiques in Berlin hat vor drei Jahren den Fonds PERSPEKTIVE ins Leben gerufen, um die Zusammenarbeit von französischen und deutschen Institutionen an der Schnittstelle von Kunst und Architektur zu fördern. Das Augenmerk liegt dabei auf Projekten, die neue Formate entwickeln, jenseits von klassischen Ausstellungen. Adeline Blanchard, die Leiterin des Bureau des arts plastiques, beantwortet unsere Fragen über das Projekt.

Adeline Blanchard, Leiterin Bildende Künste im Institut français Deutschland

Können Sie uns bitte kurz skizzieren, warum dieser Fonds sinnvoll ist und welche nachhaltigen Ergebnisse die bereits geförderten Projekte haben?

Der deutsch-französische Fonds für zeitgenössische Kunst und Architektur PERSPEKTIVE ist insofern sinnvoll und wichtig, als er Projekte zwischen Deutschland und Frankreich in einem internationalen Kontext fördert. Projekte mit Formaten rund um Austauschbegegnungen, Debatten, Vorträge und selbstverständlich Performances und Ausstellungen. Perspektive ist eine Art Observatorium für innovative Projekte, ein Labor für Ideen und Forschung und ein wichtiges Instrument, um neue Talente aufzuspüren. Innovation, Dialog und Nachwuchstalente sind die Schwerpunkte des Fonds. Das Programm ermöglicht die Vernetzung deutscher und französischer Akteure der Sparten Architektur und bildende Künste. Deutschland und Frankreich sind enge Nachbarn, und dennoch sind die Kunstszenen beider Länder sehr unterschiedlich. Das ist wertvoll und bereichernd. Wir können sehr viel voneinander lernen!

PERSPEKTIVE hat in den drei Jahren seines Bestehens insgesamt 17 Projekte gefördert, die jedes Jahr von rund 10.000 Besuchern gesehen wurden. Die Qualität der Projekte hat mit der Zeit deutlich zugenommen. Das wurde von der diesjährigen Jury besonders hervorgehoben. Wir haben eine sehr engagierte Expertenjury mit Persönlichkeiten aus den Sparten bildende Kunst und Architektur: die Architekten Eike Becker (Berlin) und Jacques Ferrier (Paris), der Sammler Arthur de Ganay (Berlin); die Leiterin des Musée d’art moderne et contemporain in Nizza, Hélène Guenin, die neue Leiterin des Brücke Museums, Lisa Marei Schmidt, der Kurator und ehemalige Leiter des Musée d’art moderne Centre Pompidou, Jean-Hubert Martin.

Zu den ausgewählten Projekten 2017 gehören: das Projekt MAKING SPACES des Frauenkollektivs Niche über die Rolle der Frau im Umfeld von Architektur und Städtebau. Hier werden seit 2015 Vorträge, Workshops, Ausstellungen und Diskussionsdinner organisiert und dabei Forschungsansätze und Praktiken einander gegenübergestellt, nachhaltige Kontakte aufgebaut und zukunftsrelevante Raumdiskurse entwickelt.

niche Gründer Stefanie Gerke, Nele Heinevetter und Katharina Beckmann

Ein weiteres Leuchtturmprojekt: Form follows Aktion, das in diesem Jahr von Bellastock, einem Kollektiv unglaublich dynamischer Nachwuchsarchitekten und -designer aus Frankreich organisiert wird. Bellastock hat zwei experimentelle Architekturfestivals auf den Weg gebracht: eines in Frankreich Mitte Juli in der Pariser Cité de la mode et du design sowie in ihrem Freiluftlabor Actlab auf der Île-Saint-Denis und Ende Juli im Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin. In beiden Städten werden fünf weitere Architekten-, Designer-, Künstler- und Kunsthandwerker-Kollektive aus Deutschland und Frankreich eingeladen, um gemeinsam eine innovative Vision von Stadt und Städtebau zu entwickeln.

Bellastock’s Projekt: La Ville des Terres

Darüber hinaus hat der Fonds in diesem Jahr Kooperationsprojekte zwischen Trendsettern wie der Temporary Gallery in Köln und dem Bétonsalon in Paris, oder zwischen Scriptings und District in Berlin und La Galerie in Noisy-le-Sec bei Paris gefördert. In Dresden haben wir Künstlerresidenzen in den einmaligen wissenschaftlichen Sammlungen der TU unterstützt, und die Arbeiten werden im September in der Galerie Ursula Walter und in der Galerie Altana in der Gruppenausstellung Remembering the Future in Zusammenarbeit mit der Straßburger Kunsthochschule HEAR präsentiert.

Wie kann sich die Öffentlichkeit über die in diesem Jahr geförderten Projekte informieren?

Über unsere Webseite fonds-perspektive.de und über unseren Facebook- und Instagram-Auftritt (if_kunst). Die nächste Projektausschreibung für 2018 wird vom 1. Oktober bis zum 1. Dezember 2017 stattfinden.

Gibt es in diesem Jahr mit dem Gastland Frankreich auf der Buchmesse in Frankfurt eine stärkere Vernetzung zwischen französischen und deutschen Institutionen, die sich auch für Nachwuchsprojekte spürbar macht?

Schon seit Anfang des Jahres findet unter dem Motto „Frankfurt auf Französisch” in ganz Deutschland eine Kultursaison im Zeichen der frankophonen Kultur und der französischen Sprache statt. In diesem Rahmen konnten viele Kooperationen zwischen Deutschland und Frankreich entwickelt werden. Und zum ersten Mal werden in Frankfurt aufstrebende französische Künstler wie Lola Gonzalez (Prix Meurice) in einer Einzelausstellung beim basis e.V. oder das Duo Dewar & Gicquel (Prix Marcel Duchamp) im Portikus präsentiert. Ich halte es für sehr wichtig, dass wir den Menschen in Deutschland zeigen, wie lebendig und bedeutend die französische Kunstszene hierzulande ist!

Frankfurt auf Französisch

 

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